Duisburg: Musikpädagogin Diana Amiryan hilft bei Integration

Kulturpreis für Diana Amiryan : Musikalische Brückenbauerin

Die Musikpädagogin Diana Amiryan unterrichtet Menschen vieler Nationen. Für ihre im besten Sinne multikulturelle Integrationsarbeit wurde sie jetzt mit dem Fakir Baykurt Kulturpreis ausgezeichnet.

Diana Amiryan baut Brücken. Nicht solche aus Stahl. Als Musikpädagogin unterrichtet sie Menschen vieler Nationen. Und dabei lehrt sie ihren Schülerinnen und Schülern nicht nur das Singen. Durch ihr Engagement schafft sie es auch, ethnische, soziale und gesellschaftliche Probleme zu überbrücken und leistet so einen wertvollen Beitrag zur Integration. Dafür wurde Diana Amiryan mit dem Fakir Baykurt Kulturpreis ausgezeichnet.

Dass sich die 45-Jährige im multikulturellen Duisburg wohlfühlt und engagiert, hängt wohl nicht zuletzt mit ihrer eigenen Herkunft zusammen. „Ich wurde in Georgien geboren. Aufgewachsen bin ich aber in Armenien. Und meine Nationalität ist Kurdisch“, erklärt sie. Sie selbst spreche daher Armenisch, Kurdisch und Russisch. Aber Sprache an sich sei nicht so wichtig. „Musik ist international, auch wenn man nicht dieselbe Sprache spricht.“

Bereits als Kind habe sie ganz genau gewusst, dass sie später einmal Sängerin werden wolle. „Musik und Kultur haben in Armenien einen sehr hohen Stellenwert. Jedes Kind lernt schon früh ein Instrument oder nimmt Ballettunterricht,“ sagt die Sopranistin. Ihr Vater sei deshalb mit ihr zu einer Professorin gegangen, die durch verschiedene Tests zum Gehör, Rhythmusgefühl und Fingerfertigkeit herausgefunden habe, was das Richtige für sie sei und dass sie eine seltene Stimmfarbe habe. So habe sie schon ab einem Alter von neun Jahren Gesang, Klavier und Musiktheorie gelernt und nach ihrer Schulzeit in Eriwan am Konservatorium ihre Diplome als Konzertsängerin und Gesangspädagogin gemacht. Darin hat sie sogar eine Aspirantur. „Das heißt, dass ich hier sogar an einer Hochschule unterrichten darf“, erklärt Amiryan, die eine eigene Stimmschule an der Claubergstraße betreibt.

Nach Deutschland gekommen ist sie im Jahr 2004. Zunächst hatte es sie nach Wuppertal verschlagen. „Im Konservatorium in Eriwan habe ich zwar Schubert und Brahms auf Deutsch singen müssen, aber wirklich sprechen und verstehen konnte ich Deutsch nicht.“ Deshalb habe sie sich damals erst einmal zu einem intensiven Sprachkursus angemeldet und dann durch Zuschauen gelernt, auf welche Art und Weise in Deutschland unterrichtet werde und wie Marketing funktioniert. „Armenien war damals ja kein kapitalistisches Land. In Deutschland muss man ja als Gesangslehrer erstmal Werbung machen, wenn man Schüler haben möchte. Das kannte ich vorher nicht.“ Bereits ein Jahr später gründete sie ihre eigene Stimmschule in Duisburg.

Amiryans Lieblingsstücke sind von Puccini und Verdi. „Als Sänger darf man sich aber nicht nur auf die Stimme konzentrieren“, findet sie. „Man muss auch viel lesen und so für ein gewissen Bildungsniveau sorgen.“ Und um eben dieses kümmert sie sich auch bei ihren Gesangsschülern: „Selbst wenn die nicht gut Deutsch sprechen, so gehört es doch dazu, dass man sich für die Kultur des Landes, in dem man Fuß fassen will, interessiert“. Auch das Singen von deutschen Schlagern gehört für sie dazu.

Fast täglich telefoniert sie mit ihrer Familie in Armenien. „Mein Bruder ist professioneller Theaterschauspieler und hat inzwischen zwei Kinder. Da ist es schon schade, dass ich die nicht öfter sehen kann.“ Ihre Mutter ist Erzieherin, der Vater Profiboxer und Trainer. „Ich durfte früher nicht boxen, immer nur zugucken. Weil ich ja Klavier gespielt habe, damit ich mir die Finger nicht kaputt mache.“

Die Schüler in Amiryans Stimmschule sind im Alter von 19 bis über 70 Jahre. „Alle lernen bei mir klassische Stücke. Das ist die Basis, das Sprungbrett für alle anderen Richtungen.“ Deshalb finde sich unter ihren Schülern sogar ein Rocksänger. „Mit dem mache ich Stimmhygiene. Dabei lernt er, Noten besser zu treffen und weicher zu singen. Denn wenn man mit der richtigen Technik singt, kann man länger an der Stimme Freude haben.“

Dass sie mit dem Fakir Baykurt Kulturpreis ausgezeichnet wurde, bedeutet der professionellen Sängerin sehr viel. „Alle reden viel über Intergration. Dabei ist Musik der beste Weg zur Integration“, findet sie. „Manche Schüler sprechen kaum Deutsch. Wenn die bei mir lernen, ein Stück auf Deutsch zu singen, dann ist das auch allgemein Bildung. Und wenn die dem Stück dann gerecht werden, dann gehen die hier auch mit einem Lächeln raus“, sagt sie. Überhaupt sei ihr Bildung sehr wichtig. „Wenn man Bildung besitzt, dann integriert man sich viel schneller. Dabei darf man natürlich die eigene Kultur nicht vergessen. Aber es ist wichtig, dass man die deutsche Kultur wirklich verstehen will. Das ist das A und O.“

Neben der Ausbildung ihrer Schüler arbeitet die studierte Musikerin, die selbst auch heute noch gerne Kammerkonzerte gibt, zurzeit an mehreren Projekten, die alle mit Internationalität und Integration zu tun haben. So hat sie etwa eine Band gegründet, in der auch klassische Instrumente anderer Länder zu hören sind, wie zum Beispiel das Duduk, ein Holzblasinstrument gefertigt aus dem Aprikosenbaum. „Klassik bedeutet ja nicht immer nur Operngesang. In anderen Kulturen findet man Instrumente, die dort klassisch sind, in Deutschland jedoch nahezu unbekannt.“ Wer sich für weitere Informationen interessiert, kann Kontakt aufnehmen über www.stimmschulevoice.com im Internet.

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