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Duisburg: Mizgin Bilmen hat Erfolg als Theater- und Opernregisseurin

Mizgin Bilmen im Portrait : Das Lachen der Erkenntnis provozieren

Mizgin Bilmen, 1983 im Duisburger Bethesda-Krankenhaus geboren, ist inzwischen eine erfolgreiche Theater- und Opernregisseurin.

Sie ist eine waschechte Duisburgerin, die mittlerweile erfolgreiche Theater- und Opernregisseurin Mizgin Bilmen: Geboren 1983 im Bethesda Krankenhaus und aufgewachsen mit sechs Geschwistern in Duisburg, machte sie 2003 ihr Abitur an der Gesamtschule Duisburg-Süd und studierte anschließend Literaturwissenschaft auf Lehramt an der Technischen Universität in Dortmund. Ein Seminar in Theaterpädagogik gab ihrem Berufswunsch die entscheidende Wendung: Weg von der reinen Rezeption, denn Bilmen sieht als leidenschaftliche Zuschauerin viel Theater, und weg von der Kunstvermittlung, was die Aufgabe von Theaterpädagogik ist, um stattdessen Theater selbst zu spielen und zu machen.

Nach ihrem Bachelor 2008 waren es die Duisburger Akzente im selben Jahr, für die die Alte Feuerwache in Hochfeld ein Theaterprojekt zum Akzente-Thema „Arbeit“ vorbereitete. „Theater der Zeit“, so hieß das Ensemble, bei dem sie mitmachte, bestand aus Mitwirkenden, die aus sieben verschiedenen Nationen stammten und drei Generationen umfassten. Nach der Premiere Ende Mai kannte ihr Drang zum Theater kein Halten mehr: Noch im selben Jahr ging sie an das Mülheimer Theater an die Ruhr und begann eine Regiehospitanz an der Seite von Roberto Ciulli. „Hier hatte ich meine bislang einschneidendsten und prägendsten Erlebnisse in meinem Leben“, erzählt Bilmen gegenüber dieser Zeitung. Hier habe sie erfahren, dass Theater dort am sinnvollsten sei, wo es die alltägliche Sichtweise der Menschen durcheinanderbringe. „Das einzig wesentliche Lachen im Theater ist das Lachen der Erkenntnis.“ Diesen Satz habe sie von Ciulli gehört und sich zu eigen gemacht.

Folgerichtig und unterstützt durch ein Stipendium der Begabtenförderung der Bonner „Studienstiftung des deutschen Volkes“ begann sie 2010 ein Studium in Schauspiel-Regie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Dieses schloss sie im Sommer 2013 mit einer beachtenswerten Diplom-Inszenierung ab: „autopsie danton“ nach Georg Büchners „Dantons Tod“. Mit dieser Arbeit wurde im Mai 2014 zum Körber Studio Junge Regie nach Hamburg eingeladen.

Während ihrer Studienzeit hat sie insgesamt neun szenische Arbeiten realisiert, deren Kern in der analytischen Auseinandersetzung vom Verhältnis des Menschen zur Gesellschaft und umgekehrt liegt. Die Frage nach gesellschaftlichen Mechanismen, die das Verhalten des Einzelnen verändern, und nach der Zeit, in der wir leben und diese erleben, bilden bei ihr das zeitlose Spannungsfeld ihres Tuns.

Unmittelbar nach ihrem Folkwang-Abschluss begann Bilmen als Regieassistentin am Berliner Maxim Gorki Theater. Dort unternahm sie erste „Gehversuche“ in Sachen Regie durch sogenannte szenische Einrichtungen. Auf diese wiederum wurde die Leiterin des Regie-Studios am Schauspiel Frankfurt aufmerksam und bot ihr ein einjähriges Engagement für die Spielzeit 2014/2015 an. Dort konnte sie dann erstmals ein eigenes Spielzeitthema vorbereiten und realisieren: „Vom Opfer zum Täter zum Attentäter. Erobert euer Grab!“ nannte sie ihre Trilogie, die aus den Stücken „Helden“ von Ewald Palmetshofer, „Der Auftrag“ von Heiner Müller und „Exit:Lulu“ von Simon Paul Schneider frei nach Frank Wedekind bestand.

Besonders „Exit:Lulu“ wurde ein großer Erfolg bei Publikum und Presse und erreichte auf Umwegen die Aufmerksamkeit der Bielefelder Operndirektorin Sabine Schweitzer, die Mitte der 1990er Jahre übrigens im damaligen Theater- und Konzertamt der Stadt Duisburg bei den Internationalen Musikfestivals arbeitete. Von ihr bekam Bilmen das Angebot, die zeitgenössische Oper „Charlotte Salomon“ von Marc-André Dalbavie als Deutsche Erstaufführung am Theater Bielefeld zu inszenieren. Und obwohl die heute 36-jährige Duisburgerin weder ein Instrument spielen, noch singen, noch Noten lesen kann, stand ihr erfolgreiches Operndebüt im Januar 2017 Pate für den Durchbruch ihrer steilen Karriere.

Während sie für ihre Regie-Arbeit über die 1943 in Auschwitz ermordete Malerin „Charlotte Salomon“ mit dem begehrten und renommierten Götz-Friedrich-Preis 2016/2017 ausgezeichnet wurde, erhielt sie zeitgleich zig Inszenierungsangebote deutschsprachiger Theater. So fand im Mai 2017 die Premiere der „Antigone“ des Sophokles am ETA Hoffmann Theater in Bamberg statt, im Dezember des gleichen Jahres begann sie mit den Proben einer Dramatisierung des Ingeborg Bachmann-Romans „Malina“ am Konzert Theater Bern und im März 2018 hatte sie mit „Das Rheingold“ von Richard Wagner ihre zweite Opernpremiere in Bielefeld.

Doch damit war längst noch nicht Schluss: Es folgten Inszenierungen am Badischen Staatstheater Karlsruhe („Radikale Akte“ von Gerhild Steinbruch), in Bochum („Flüchtlingsgespräche“ von Bertolt Brecht) sowie erneut in Bern („Titus Andronicus“ von Shakespeare) statt.

Und was bringt ihr die Zukunft? Die muss in diesen Tagen gewissermaßen verschoben werden. Eigentlich hätte Bilmen im April mit den Proben zur Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka am Badischen Staatstheater Karlsruhe beginnen sollen, die Premiere war dort für den 10. Mai geplant. Geplant war außerdem, dass sie mit Beginn der neuen Intendanz am Schauspiel Dortmund in der Spielzeit nach der Sommerpause mit zwei Arbeiten vertreten sein würde: Für die Hauptbühne war Goethes „Faust I“ angekündigt, während im Studio eine Projektarbeit unter dem Titel „Heidi oder Auf der Suche nach der verlorenen Schönheit“ gezeigt werden sollte. Was daraus wird, lässt sich kaum sagen. Vielleicht muss man als Künstler jetzt noch weiter nach vorne schauen. Immerhin: Im März 2021 wird die Duisburger Regisseurin ihre dritte Operninszenierung realisieren: „Eugen Onegin“ von Peter Tschaikowsky an der Oper Bonn.