Duisburg: Mister Frühling pflegt den Stadtpark Meiderich

Landschaftsgärtner : Auf einen Plausch mit Mr. Frühling von Duisburg

Heinz-Joachim Terjung ist einer der Menschen, die dem Frühling am nächsten kommen. Er ist Gärtner und arbeitet Tag für Tag dafür, dass die Duisburger die schönste Zeit des Jahres genießen können.

Der Mann im grünen Overall schwitzt. Während er in seine Arbeit vertieft immer wieder die schwere Schaufel in den großen Erdhaufen zu seinen Füßen rammt, bahnt sich eine kleine Schweißperle ihren Weg seine Stirn herunter. Es ist überraschend kalt an diesem Aprilmorgen im Stadtpark Duisburg Meiderich. Doch Heinz-Joachim Terjung merkt nichts davon. Er schuftet und lächelt dabei. Eine Schaufel Erde nach der anderen findet ihren Weg vom Haufen in das Loch, das er auffüllen muss. Bis vor kurzem hat hier noch ein Baum gestanden. Doch dann kam Sturm Eberhard. Der Baum brach ab und Terjung hatte wieder einen Punkt mehr auf seiner unendlich langen Liste.

Der 57-Jährige ist als Landschaftsgärtner der Duisburger Wirtschaftsbetriebe für den Stadtpark Meiderich zuständig. Zu tun hat er immer, fertig ist er nie. Er ist Mr. Sommer, Mr. Herbst und Mr. Winter. In diesen Wochen aber ist er als Mr. Frühling unterwegs. Er ist einer der unzähligen, für viele unsichtbaren, Menschen, die bei den Wirtschaftsbetrieben dafür sorgen, dass die 488 Parks und öffentlichen Grünflächen in der Stadt bereit sind, wenn es die Menschen ins Freie zieht.

Es ist ein Knochenjob, doch Terjung liebt ihn. „Ich mache das jetzt seit 39 Jahren“, sagt er und man hört ein wenig Stolz in seiner Stimme. „Ich war einer der ersten Lehrlinge, die die Wirtschaftsbetriebe im Garten- und Landschaftsbau ausgebildet haben. Das war Jahrgang 1980.“ Seitdem hat er nie etwas anderes gemacht, war nie bei einem anderen Arbeitgeber. Terjung bezeichnet sich selbst als Gärtner mit Leib und Seele.

Die Arbeit für den Frühling beginnt für die städtischen Gärtner bereits Herbst zuvor. Im Oktober bringen sie tausende Blumenzwiebeln in die Erde. Vor allem Osterglocken, Tulpen und Krokusse. „Da ist Timing gefragt“, sagt Terjung. „Vor dem ersten Frost müssen wir damit durch sein.“ Was der Aufwand bringt, ist in diesen Tagen in den Parks der Stadt zu sehen. Überall blüht und strahlt es. Auch in Meiderich wiegen sich an diesem Tag unzählige Osterglocken  im kalten Morgenwind.

Nach einigen Monaten Winterdienst geht es dann im Februar weiter. Die Hinterlassenschaften der Stürme beseitigen, Äste aufsammeln, gefallene Bäume Beiseite schaffen. Terjung spricht hier von Grundreinigung. Die Wege müssen aufgeraut, mit neuem Split versehen und Laub muss zum Betriebshof gebracht werden. „Und wenn das geschafft ist, dann warten auch noch die Rosen. Und dann beginnt die Grillsaison. Und dann geht es auch schon mit dem Gießen los“, sagt Terjung. „Sie sehen, als Gärtner wird man eben nie fertig. So ist der Job. damit muss man klarkommen.“

Terjung stört sich nicht daran, im Gegenteil: Er liebt es. Er sei schon immer ein Macher gewesen. „Ganz ehrlich? Ich bin einfach kein Bürotyp“, sagt er. „Das würde mich nicht glücklich machen.“ Natürlich sei sein Job manchmal auch hart. Vor allem in nassen Wintern. „Tage mit Dauerregen sind besonders schlimm.“ Kälte sei im Winter gar nicht das Problem. „Man kann sich warm arbeiten. Was man aber eben nicht kann, ist sich trocken arbeiten.“ Die Nässe krieche einem überall hin. Auch heiße Sommertage hätten es in sich. „Wenn du acht Stunden in praller Sonne arbeiten musst, dann kann das schon echt hart sein. Da muss man echt auf sich aufpassen.“

Seinen Job missen will Terjung aber trotzdem auf keinen Fall. „Schauen Sie sich um“, sagt er mit Blick auf den menschenleeren Park. „Stunden wie diese hier entschädigen einen für alles. Die Sonne steht am Himmel, man hört die Vögel und hat das Grün fast ganz für sich allein. Es ist so, als würde der Frühling um einen herum erwachen.“

Die Gartenarbeit ist für Terjung mehr als nur ein Job. Sie ist mehr Berufung als Beruf. Deshalb hört er auch nach seiner Acht-Stunden-Schicht nicht damit auf. „Dann geht es bei uns im Garten weiter“, sagt der 57-Jährige und lacht. „Der ist zwar bei weitem nicht so groß wie der Park hier, es gibt aber trotzdem genug zu tun.“

Die Schweißperle auf Terjungs Stirn ist mittlerweile Geschichte. Abgewischt mit dem Handrücken am grünen Overall. Der Macher will weitermachen. Er schnappt sich seine Schaufel und verabschiedet sich in Richtung des großen Erdhaufens. Den Punkt auf der unendlichen Liste abhaken. Und weiter. Schritt für Schritt. Schaufel für Schaufel. Bis zur Rente, und sicherlich auch noch darüber hinaus.

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