Duisburg: Mercatorquartier Neues Wohnen in der City

Innenstadt: Neues Wohnen auf historischem Boden

Das Mercatorquartier soll rund 300 Wohneinheiten auf rund 28.000 Quadratmetern in der Innenstadt bieten. Am 6. September wird das Vorhaben in einer Sondersitzung der Bezirksvertretung Mitte präsentiert.

28.000 Quadratmeter innerstädtische Brachfläche will die Gebag bekanntlich aus dem Dornröschenschlaf holen. Der Mercatorbeach ist sicher eine schöne Sommeridee, nachhaltige Stadtentwicklung sieht anders aus. Und genau damit wird sich die Bezirksvertretung Mitte in ihrer nächsten Sitzung am 6. September befassen. Die Gebag hat das Unternehmen Innovative Stadt- und Raumplanung (ISR) aus Haan mit der Ausarbeitung eines entsprechenden städtebaulichen Entwurfs beauftragt. Basis ist dabei die Planung des Berliner Architekturbüros Gewers Pudewill, die sich in einem Architekturwettbewerb durchgesetzt hatte (siehe Grafik).

Die Grafik zeigt, wie die jetzige Brachfläche in einigen Jahren aussehen soll. Die Rekonstruktion des Mercatorhauses und des Ott-Vogel Hauses mit einer bildungsbezogenen Nutzung sollauf die historische Bedeutung des Areals gegenüber dem Burgplatz am Rathaus hinweisen. Sitzstufen sollen den Blick auf das historische Gebäudeensemble von der Oberstraße aus gewährleisten. Zwischen der Gutenbergstraße im Süden, der Poststraße im Westen, der Oberstraße im Norden und dem Rabbiner-Neumark-Weg im Osten soll vorwiegend Wohnbebauung verwirklicht werden, um „dringend benötigten innerstädtischen hochwertigen Wohnraum“ zu schaffen, wie es in der Vorlage für die Bezirksvertreter heißt. Trotz der insgesamt rund 300 Wohneinheiten, ergänzenden Dienstleistungs- und Einzelhandelsangeboten und Büros, eventuell auch mit einem neuen Hotel, soll es nur eine „mäßige Zunahme des Verkehrsaufkomens“ geben.

Die Gebäude im Innenbereich erinnern mit ihren spitzen Giebeln an die Häuser zu Mercators Zeiten. Foto: Gewers Pudewill

Die gesamten 28.000 Quadratmeter sind autofrei. Parkplätze gibt es in Tiefgaragen, zu der es drei Zufahrten von der Gutenbergstraße und zwei von der Oberstraße aus geben soll. Die Blockbebauung an den Rändern mit meist vier- bis fünfgeschossigen Gebäuden soll dafür sorgen, dass es im Innenbereich eher ruhig zugeht. Ein Teil der Häuser erhält auch private Grünflächen – kleine, ruhige Oasen mitten in der Stadt. Eine als „Anger“ bezeichnete Fußgängerzone soll zumindest begrenzten Anlieferverkehr zulassen.

Die rund 28.000 Quadratmeter große Fläche mitten in der Innenstadt soll zu einem qualitativ hochwertigen Wohnungsquartier werden. Foto: Gebag
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Ein wenig hört es sich nach der eierlegenden Wollmilchsau an. Im Handlungskonzept „WohnVision Duisburg“ werden die Ziele städtebaulicher Zielvorstellungen für unsere Stadt nahezu allumfassend formuliert. Es geht sowohl um die „Einwohnergewinnung und Angebote für einkommensstarke und vermögende Haushalte“ als auch „Angebote für Familien und Single-Haushalte mit mittleren Einkommen“, aber auch um Haushalte „mit geringem Einkommen und im Bezug von Transferleistungen“, sowie um Ältere, Behinderte und Migranten. Diese Ziele seien konform mit den nun geplanten Änderungen des Flächennutzungsplanes für das Mercator-Quartier. Dennoch wird die Lage und Qualität des Wohnraums wohl am Ende dafür sorgen, dass eher besser Verdienende in dem neuen Wohnquartier zwischen Altstadt und Innenhafen zum Zuge kommen werden.

Formal geht es jetzt  nun erst einmal darum, den vorhandenen Flächennutzungsplan zu ändern. Der aktuelle geht noch von einem Areal aus, das zunächst als Schul- und Kita-Standort dient. In deR Neufassung soll es einen westlichen Teil geben, der als sogenanntes „urbanes Gebiet“ mit einer Mischnutzung ausgewiesen wird und etwa zwei Drittel der Gesamtfläche westlich davon als reines Wohngebiet. Die Stadt erhofft sich von der Bebauung nicht weniger als ein „Impulsgeber-Projekt mit teils regionaler Strahlkraft“ und besonderer Qualität.

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