Duisburg: Mehr Chancen für Langzeitarbeitslose durch das Teilhabechancengesetz

Arbeitsmarktpolitik : Mehr Chancen für Langzeitarbeitslose

Wer länger als ein Jahr ohne Job ist, gilt als langzeitarbeitslos. Davon gibt es in Duisburg knapp 11.000 (siehe Box). Von den neuen arbeitsmarktpolitischen Angeboten machen die Unternehmen in Duisburg viel zu wenig Gebrauch.

Wolfgang Schmitz zeigte sich ganz zufrieden. Der Hauptgeschäftsführer des in Buchholz ansässigen Unternehmerverbandes berichtete von einem Langzeitarbeitslosen, der mit Hilfe der Förderung aus dem sogenannten Teilhabechancengesetz das Hausmeisterteam im Haus der Unternehmer an der Düsseldorfer Landstraße verstärkt. „Der 59-Jährige war zuvor acht Jahre lang arbeitslos. Er stattet bei uns seit einem Jahr die Räume aus und erledigt kleinere Reparaturen. Wir sind sehr zufrieden mit ihm“, so Schmitz. Wenn alles gut läuft, könnte nach der Fördermaßnahme eine Festanstellung entstehen. Nach dem „Teilhabechancengesetz“ übernimmt das Jobcenter in den ersten Jahren einen Teil der Lohnkosten, bei Menschen, die schon länger als sechs Jahre arbeitslos sind, anfangs sogar zu 100 Prozent.

Auf diese Art habe man bisher fast 500 Menschen „ein bisschen glücklich gemacht“, wie es Birgit Mölders, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Duisburg, es am Freitag formulierte. Bei einer Informationsveranstaltung des Runden Tisches gegen Langzeitarbeitslosigkeit in der Gebläsehalle des Landschaftsparks unter dem Motto „Duisburg hält zusammen – jedem Duisburger eine Chance“ warben Unternehmer, Jobcenter, Arbeitsagentur und auch Oberbürgermeiser Sören Link für die neuen arbeitsmarktpolitischen Möglichkeiten zur Verringerung der Langzeitarbeitslosigkeit. Neben dem „Teilhabechancengesetz“, das aus den drei Bausteinen Förderung, Coaching und Weiterbildung besteht, gibt es auch noch das „Qualifizierungschancengesetz“. Dies finanziert einen Teil des Arbeitslohns für einen wegen einer Qualifzierungsmaßnahme freigestellten Arbeitnehmers und bezahlt auch die Weiterbildung selbst. Astrid Neese, Chefin der Arbeitsagentur Duisburg, berichtete, dass bisher in rund 120 Fällen davon Gebrauch gemacht wurde. „Die Nachfrage ist noch ausbaufähig“, kommentierte sie trocken.

Für manche Arbeitgeber sind die Instrumente mit zu viel Bürokratie verbunden.Dabei haben einige Unternehmen mit beiden Instrumenten in Duisburg schon gute Erfahrungen gemacht. Muzaffer Celik, Geschäftsführer des Media Markt, hat zwei geförderte „Kundenlotsen“ eingestellt, die Kaufinteressenten empfangen und gleich in die richtige Abteilung beziehungsweise den zuständigen Mitarbeiter „lotsen“. Ähnlich gute Erfahrung hat auch Henning Koopmann von Möbel Dvorak gemacht, wo nun insgesamt vier frühere Langzeitarbeitslose in der Datenerfassung beziehungsweise dem Möbeltransport beschäftigt sind. Auch Arno Eich, Chef des Kultur- und Bürgerzentrums Steinhof, hatte Positives über die neuen Mitarbeiter zu berichten.

Beim evangelischen Christopheruswerk arbeiten ehemalige Langzeitarbeitslose in der Haustechnik oder der Wäscherei, sie betreuen aber auch Heimbewohner. „Es ist doch auf jeden Fall besser, Beschäftigung zu subventionieren als Arbeitslosigkeit“, sagte Ulrich Christofczik, Vorstand des Christopheruswerks. Allerdings dürfe man sich nicht der sozialromantischen Vorstellung hingeben, dass jedes Langzeitarbeitslose gleich mit jedem Arbeitgeber klar komme. Wenn es schief geht, ist für die Betroffenen aber keinesfalls die letzte Chance vertan. Birgit Mölders vom Jobcenter erklärte: „Wir geben Niemanden auf.“