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Duisburg: Mehr als 800 Hunde in der Pandemie angemeldet

Tierheim in Sorge : Duisburger melden hunderte Hunde während der Pandemie an

Die Züchter sind vielerorts leergekauft, das Tierheim fürchtet eine Rückgabe-Welle. In der Pandemie ist die Zahl der Hundehalter in Duisburg stark gestiegen – und an der Steuer verdient die Stadt Millionen. Ein Blick in die Statistik.

Viele Duisburger haben sich in den Lockdowns der vergangenen anderthalb Jahre offenbar einen kleinen Traum erfüllt: Einen eigenen Hund anschaffen. Das zeigen jetzt Statistiken der Verwaltung, die unserer Redaktion vorliegen. Am 31. Mai 2021 waren in Duisburg demnach insgesamt 26.906 Hunde angemeldet. Das sind rund 800 mehr als noch im Mai 2020. In den Vorjahren war die Zahl der Tiere hingegen nahezu konstant. Wie die Stadt auf Anfrage weiter mitteilt, lebten 2019 insgesamt 26.075 Hunde in der Stadt, 2018 waren es 25.943.

Duisburg ist keine Ausnahme. Nach Angaben des Verbands für das deutsche Hundewesen (VDH) wurden 2020 bundesweit 20 Prozent mehr Hunde angemeldet als in den Jahren vor der Pandemie. Züchter berichten von einer enormen Nachfragen, zum Teil sind die Würfe schon lange im Vorraus verkauft. Die Ursachen für diese Entwicklung sind offensichtlich. Monatelanges Homeoffice, Ausgangssperren und ein Kulturleben, das de facto nicht mehr stattfand. Mehr Zeit also, um sich zum Beispiel um einen kleinen Welpen zu kümmern.

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Es ist ein Trend, der zuerst ganz niedlich erscheint. Anderswo stößt er allerdings auf Sorgen, etwa bei Norma Puchstein, Vorsitzende des Tierschutzzentrum Duisburg. Sie und ihre Kollegen rechnen damit, dass bald eine große Rückgabe-Welle droht. „Erst letzte Woche war jemand hier, der seinen Hund abgegeben hat, weil die Zeit nun fehlt“, sagt Puchstein. 2020 hatte das Duisburger Tierheim einiges zu tun – und das obwohl es fast dauerhaft während der Pandemie für den normalen Publikumsverkehr geschlossen war.

„Wir haben im vergangenen Jahr viele Tiere vermitteln können“, sagt Puchstein. Interessenten, die sich einfach spontan überlegen, nun einen Hund anzuschaffen, gebe es aber kaum. Man habe sogar mehr Zeit mit den zukünftigen Haltern verbracht als vor der Corona-Zeit. „Wir gingen eigentlich davon aus, dass viel mehr Leute zu uns kommen und ein Tier wollen“, sagt Puchstein.

Das mag auch daran liegen, dass die Hürden hoch sind, einen Hund aus dem Tierheim überhaupt zu erhalten. Nicht jeder bekommt einfach die Leine in die Hand gedrückt. Im Tierheim gibt es ein ausführliches Beratungsgespräch. Dort wird unter anderem abgefragt: Gibt es Erfahrungen mit Tieren? Was sagt der Vermieter? Wer kümmert sich im Urlaub um das Tier? Anschließend müssen die Interessenten mindestens fünf Mal mit dem Hund spazierengehen. Die Erfahrungen damit sind bislang gut gewesen, auch während der Pandemie. „Wir hatten niemanden hier, der nur aus Langeweile einfach einen Hund wollte“, sagt Puschstein.

Unterdessen lohnt sich der Hunde-Boom auch für die Finanzen der Stadt. Insgesamt 3,3 Millionen Euro nahm die Verwaltung zuletzt aus der Hundesteuer ein. Die ist im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden in Duisburg besonders teuer. Mit einer Hundesteuer von 132 Euro im Jahr für ein Tier liegt Duisburg im NRW-Vergleich auf Platz 17 von rund 400 Städten und Gemeinden. Bei zwei Hunden kostet jedes Tier 168 Euro, bei drei Hunden sind es sogar 192 Euro. Anders als Städte wie Solingen und Bonn erhebt Duisburg allerdings keine seperaten Steuern für als gefährlich eingestufte Hund, etwa Pitbull Terrier.