„Orpheus in der Unterwelt“ in Duisburg Comichaft überzeichnete Operette – Max Hopp brilliert

Update | Duisburg · Die Deutsche Oper am Rhein übernahm ihre Produktion der Operette "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach erfolgreich in ihr hiesiges Haus. Was das Ganze so sehenswert macht.

 Ein frivoles Spektakel: Orpheus in der Unterwelt.

Ein frivoles Spektakel: Orpheus in der Unterwelt.

Foto: Hans Jörg Michel

Bekanntlich wird der mythische Sänger Orpheus darin zum Violinprofessor am Konservatorium von Theben, der gar nicht so unglücklich darüber ist, dass seine Frau Eurydike in das Totenreich entführt wird, das sich zudem als Partyhölle entpuppt. Nur die allegorische Figur der Öffentlichen Meinung drängt Orpheus dazu, seine Frau zurückzufordern.

Aufgeführt wird im Prinzip die knackige Erstfassung von 1858, das war Offenbachs erstes abendfüllendes Stück im eigenen Theater. Aber natürlich fehlen nicht die zündenden Nummern aus der nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 entstandenen und erheblich opulenteren Zweitfassung. Die beliebte Ouvertüre erklingt hier allerdings nicht, denn diese wurde erst 1860 in Wien von einem Theaterkapellmeister namens Carl Binder nachkomponiert.

Das Besondere an der comichaft überzeichneten Inszenierung von Barrie Kosky liegt in der Rolle des prominenten Schauspielers, pardon: Sprachartisten Max Hopp. Zum einen spielt er den schattenhaften John Styx, der ist im dritten der vier Akte im Hades der Bewacher von Eurydike, in die er einseitig verliebt ist. Zum anderen ist Hopp immer als eine Art Butler auf der Bühne und spricht die übersetzten Dialoge aller Figuren, in allen denkbaren Stimmlagen, außerdem sämtliche Schlürf-, Schmatz-, Schleck-, und Schreitgeräusche.

Die einzige Gesangsnummer des John Styx, das Lied „Als ich einst Prinz war von Arkadien", ist der einzige der Gesangstexte der nicht im originalen Französisch bleibt, bei den anderen gibt es dann deutsche Übertitel. Hopps Glanzleistung wird gekrönt durch einige passende Pointen, zum Beispiel wenn er zu den umbauenden Bühnenarbeitern sagt: „Nehmt mir doch nicht mein Zimmer weg". Einmal sagte er als Styx bei der Duisburger Übernahmepremiere, „hier in Düsseldorf" gehe er immer „an die Wedau, Regattabahn".

 Max Hopp (rechts) in seiner Paraderolle.

Max Hopp (rechts) in seiner Paraderolle.

Foto: Hans Jörg Michel

Entsprechend der Tradition der Rheinoper wird auch eine Operette auf höchstem Niveau gesungen, allen voran die Sopranistin Elena Sancho Pereg als selbstbewusste, lebenslustige und wandelbare Eurydike.

Am Pult der Duisburger Philharmoniker steht der junge französische Gastdirigent Adrien Perruchon. Offenbachs "Chamäleon-Partitur" sieht er als klingende Autobiographie des Komponisten, das geht von einem Zitat aus einem extrem anspruchsvollen Konzert für Violoncello und Orchester, das Offenbach in einem früheren Leben als Virtuose für sich selbst schrieb, über die revolutionäre Marseillaise beim Aufstand der Göttinnen und Götter gegen Jupiter bis zu einer Vorahnung seiner letzten Großen Oper "Hoffmanns Erzählungen" ("Les contes d'Hoffmann") in der Todesarie der Eurydike.

Das Orchester bringt diese Musik in der kleineren Besetzung der Erstfassung prägnant auf den Punkt. Leider wirkten die ruhigeren Passagen zumindest vor der Pause noch etwas zu hektisch, zum Beispiel der Schlafchor der Göttinnen und Götter zu Beginn des zweiten Aktes.

Diese Orgie aus Bühnenbild (Rufus Didwiszus), Kostümen (Victoria Behr), Tanz (Choreographie: Otto Pichler) und Licht (Franck Evin) steigert sich bis zu dem als "Cancan" bekannten "Galop infernal" ("Höllen-Galopp"). Das Ganze ist ein Riesenspaß mit grandioser Musik.

Es gibt noch Karten für die weiteren, jeweils dreistündigen Aufführungen am 2., 6., 10., 13., 14. und 18. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am 8. Oktober, um 15 Uhr, am einfachsten im Internet unter www.theater-duisburg.de