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Duisburg: Max Bilitza inszeniert modernes Märchen im Stadtwald

Tanzchoreografie : Max Bilitza inszeniert modernes Märchen im Duisburger Stadtwald

Im Rahmen des NRW-Förderprogramms „Kulturrucksack“ studierte Theaterregisseur Max Bilitza mit sieben Mädchen im Alter von zehn bis 15 Jahren eine Tanzchoreografie ohne Sprache ein.

Es ist Freitagvormittag, der vorletzte Tag des einwöchigen Sommerferien-Workshops „Forest“, einem Tanzfilmprojekt von Max Bilitza im Rahmen des diesjährigen NRW-Förderprogramms „Kulturrucksack“. Sieben Mädchen aus Duisburg im Alter zwischen zehn und 15 Jahren (siehe Info-Kasten) sitzen mit dem Duisburger Theaterregisseur und Tanzchoreografen Bilitza auf dem Boden des frisch renovierten Studios der Tanzwerkstatt Ulla Weltike auf der Grabenstraße in Neudorf beisammen. Es ist ihr fünfter gemeinsamer Workshoptag, an dem die Generalprobe von „Forest“ erst auf der Studiobühne und dann am Filmset im Stadtwald sowie im Botanischen Garten ansteht.

Der Ablauf des Tages wird besprochen, was bisher alles geschah und ich darf Fragen stellen und später Fotos von den Proben machen. Von den ursprünglich zehn Teilnehmern – mehr durften wegen Corona diesmal nicht mitmachen – wurden tags zuvor drei (darunter zwei Jungs) von ihren Eltern ohne Begründung kurzfristig abgemeldet. Für die Restgruppe bedeutet das eine enorme Herausforderung, die sie alle aber großartig meisterten – so viel sei vorweggenommen.

Auf dem Tanzboden gibt es Corona-Markierungen, die hier als Ausgangsposition der Choreografie dienen. Zuvor aber wird mit einem „Warm-up“ begonnen. Und das heißt: vorwärts- und rückwärtsgehen, stehenbleiben und verharren in einer Pose sowie vom Bühnenplatz aus verschiedene Bewegungshandlungen machen wie zum Beispiel Wassertropfen von den Fingern ausschlagen und ein Himmelstorklopfen am eigenen Körper veranstalten. Dann wird Stillstehen, Konzentration, Spannung halten und Blicke fixieren trainiert.

Max Bilitza probte mit den Mädchen auf dem Boden des frisch renovierten Studios der Tanzwerkstatt Ulla Weltike auf der Grabenstraße in Neudorf. Foto: Olaf Reifegerste

Es ist schon bemerkenswert in welch kurzer Zeit Max Bilitza – zweifacher Preisträger von „Kinder und Jugendkulturland NRW“ – die Mädchen in eine solch kreative, lernwillige und disziplinierte Verfassung hat bringen können. Sie alle sind hochmotiviert und voller Vorfreude, mir ihre bisher einstudierte „Forest“-Choreografie vorzutanzen.

Bilitza und sein Ensemble haben ein kurzweiliges zeitgenössisches Tanzstück kreiert, in dem verschiedene Zauberwesen, seien es Feen oder Trolle, zu spüren sowie Bäume, die sich bewegen und Blätter verlieren, zu sehen sind. Seine Handlung trägt als Handschrift choreografierte Fragmente von Märchen, Sagen und Mythen. Einzig eine Stange aus Holz sowie mehrere Blätter Papier und ein skelettierter Tierschädel dienen als Requisiten. Alles geschieht ohne Sprache. Nur die Körper der Mädchen sprechen und erzählen nonverbal heutige, teils vielschichtige politische Begegnungen mit und Geschichten aus dem Wald: Der Wald als existenzieller Lebensraum und unverzichtbares Ökosystem für unseren Planeten.

In der anschließend stattfindenden „Manöverkritik“ äußern die Mädchen auf Nachfrage von Bilitza wie es ihnen während der Aufführung ergangen ist. Von aufgeregt bis glücklich sein ist die Rede, aber auch von Körperwahrnehmung und einem in-sich-Ruhen. Dann geht es nach draußen in den Stadtwald und in den Botanischen Garten zur Generalprobe am Filmset. Tags darauf findet an gleicher Stelle dann der Filmdreh statt. Die Premiere und Vorführung des Tanzfilms ist zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen.