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Duisburg: Marode A40-Brücke wird abgerissen

Duisburg : Marode A40-Brücke wird abgerissen

Die Rheinbrücke in Duisburg muss neu gebaut werden. Ab Freitag dürfen keine Lkw ab 3,5 Tonnen mehr über das Bauwerk fahren. Die IHK sieht den Wirtschaftsstandort Duisburger Hafen gefährdet. Der Verkehrsminister ist besorgt.

Tim Berger arbeitet als Disponent im Duisburger Hafen. Der 35-Jährige wohnt in Moers. Für den Weg zur Arbeit benötigt er mit dem Auto normalerweise 20 Minuten. Seit Freitag braucht er für dieselbe Strecke über eine Stunde mehr. Denn seitdem ist die Rheinbrücke der A40 in Fahrtrichtung Duisburg-Hafen nur noch einspurig befahrbar. Der Verkehr bricht zu den Stoßzeiten im morgendlichen Berufsverkehr zusammen. "Das ist für mich die reinste Katastrophe", sagt er.

Zehntausende Pendler wie Tim Berger werden in den nächsten fünf Wochen in langen Staus stehen, wenn sie über die 1970 erbaute Rheinbrücke Neuenkamp Richtung Duisburg fahren wollen — und das wollen die meisten, weil es kaum anders geht, ohne große Umwege in Kauf nehmen zu müssen. Bis Anfang April wird die Schrägseilbrücke in diese Fahrtrichtung nur einspurig befahrbar sein. Was nach den fünf Wochen passiert, ist völlig offen. "Wir wissen es nicht", sagt Ilke Halbauer, Leiterin der Krefelder Zweigstelle von Straßen NRW.
Die Schäden seien aber so erheblich, dass die Brücke auf jeden Fall neu gebaut werden müsse, sagt Nicole de Witt, Projektleiterin von Straßen NRW. 600 neue Risse seien allein in den vergangenen Wochen entdeckt worden. Baubeginn für den rund 180 Millionen Euro teuren Ersatzbau soll frühestens 2019 sein; Ferstigstellung ist spätestens 2025. Bis dahin müsse die Brücke irgendwie halten, betont die Planerin. Ab Freitag dürfen aus Sicherheitsgründen keine Laster ab 3,5 Tonnen mehr über das Bauwerk fahren.

Bis der Neubau fertiggestellt ist, wird es in den nächsten Jahren wegen Instandsetzungen am Mauerwerk immer wieder zu massiven Verkehrsbehinderungen kommen. Das schlimmste Szenario wäre eine nicht auszuschließende Vollsperrung, aber schon eine dauerhafte Teilsperrung wie jetzt reiche aus, um den Wirtschaftsstandort Duisburg zu gefährden, so die Industrie- und Handelskammer (IHK). "Die Brücke ist das Einfallstor zum Ruhrgebiet", sagt IHK-Verkehrsexperte Joachim Brendel. Sie verbindet den Niederrhein und die Seehäfen in Rotterdam und Antwerpen mit dem größten Binnenhafen Europas mit Deutschlands größtem Logistikzentrum. Die A40 ist zudem die Hauptverkehrsader des Ruhrgebietes. Über die Rheinquerung fahren täglich bis zu 100.000 Fahrzeuge, 11.000 davon sind Lastwagen. 160 Millionen Tonnen werden im Duisburger Hafen jedes Jahr umgeschlagen. "Allein 55 Millionen davon werden auf Lkw an- und abgeladen", sagt Hafenchef Erich Staake. "Daran sieht man die ungeheure Bedeutung dieser Brücke", betont er.

Lkw stecken bei Verstößen fest

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) sprach am Montag von einem "nachdenklichen Anlass" als Grund für seinen Besuch. Er machte sich vor Ort selbst ein Bild von den Schäden am Bauwerk. "Das ist ein großer Sorgenfall. Die Lage ist dramatisch", sagte Groschek. Wie bei der baugleichen, ebenfalls maroden Leverkusener Rheinbrücke sollen auch in Duisburg Lkw-Fahrer mit "Gewichts-Blitzern" abgehalten werden, über das Bauwerk zu fahren. Die Polizei wird dort täglich Kontrollen durchführen. Das Fahrverbot für Laster ab 3,5 Tonnen soll schon einige Kilometer vor der Brücke gelten. Die Erfahrungen von der Leverkusener A1-Brücke haben aber gezeigt, dass sich viele Fahrer über das Verbot hinwegsetzen. Das soll in Duisburg nicht mehr möglich sein. Denn dort wird die einspurige Fahrbahn mittels spezieller Leitplanken auf 2,10 Meter verengt. "Da passt kein Laster mehr durch", so Halbauer. "Wenn es doch einer versuchen sollte, steckt er fest." Der Verkehr wird über die A3, A42 und A57 umgeleitet — so der Plan. Die innerstädtischen Brücken fielen als Umleitungen aus, da sie schon jetzt überlastet seien. Bereits in den Niederlanden sollen Lkw-Fahrer auf die Sperrung hingewiesen werden.

Angesichts der maroden Rheinbrücken blicken Wirtschaftsverbände mit Sorge in die Zukunft. "Das, was wir gerade erleben, ist erst der Anfang eines Infrastrukturdesasters", betont Joachim Brendel. Erst vor einer Woche hatte Bayer die maroden Straßen in NRW kritisiert und erklärt, dass das Unternehmen täglich darunter zu leiden habe. Verkehrsminister Michael Groschek will deshalb auch das Schienen- und Kanalnetz ausbauen lassen. "Unsere Infrastruktur muss in allen Bereichen verbessert werden", sagte er. Auch die kaputten kommunalen Brücken sollen mit Bundes- und Landesmitteln repariert werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Duisburg: NRW-Verkehrsminister Groschek besucht A40-Brücke

(csh)