Duisburg: Mann soll Bruder mit 20 Messerstichen verletzt haben

Prozess vor dem Duisburger Landgericht : Mann soll Bruder mit 20 Messerstichen verletzt haben

Die Anklage wirft einem Wanheimerorter (56) versuchten Mord vor. Der Geschädigte (58) soll mit seinen Wahnvorstellungen die Familie terrorisiert haben. Angeklagter: „Ich habe die Nerven verloren.“

Mit einem tragischen Fall muss sich seit gestern das Duisburger Landgericht am König-Heinrich-Platz auseinandersetzen. Weil sein unter psychischen Problemen leidender Bruder den Angeklagten und eine ältere Schwester terrorisierte, griff ein 56-jähriger Mann aus Wanheimerort am frühen Morgen des 25. November des vergangenen Jahres zu einem Messer und stach insgesamt 20 Mal auf den 58-Jährigen ein. Die Anklage wirft dem 56-Jährigen versuchten Mord vor.

Gegen 5 Uhr soll es in dem Haus an der Düsseldorfer Straße, in dem die drei Geschwister lebten, auf der Treppe Streit mit seinem Bruder bekommen haben. „Warte hier“, soll der Angeklagte den 58-Jährigen aufgefordert haben. Dann ging er in sein Zimmer, holte ein Messer mit neun Zentimeter Klingenlänge. Damit, so die Anklage, soll er den zu diesem Zeitpunkt keinen Angriff erwartenden Bruder auf der Treppe heimtückisch attackiert haben.

Insgesamt 20 Mal wurde der 58-Jährige von dem Messer getroffen. Er trug eine Verletzung am Hals, einen Schnitt am Arm und 18 Stich- und Schnittwunden an Bauch und Brust davon, darunter eine Darmverletzung. Eine Not-Operation rettete ihm das Leben.

Der Angeklagte, der einem Gutachter ein Alkoholproblem geschildert hatte, legte zu Beginn des Prozesses ein weit gehendes Geständnis ab. Er berichtete, dass der Geschädigte seit Jahren unter psychischen Problemen leide. „Der hört Stimmen und will nicht glauben, dass wir die nicht hören.“ Oft habe es deshalb Streit gegeben.

„In der Tatnacht schlich er durch das Haus“, sagte der Angeklagte. „Ich habe ihn gefragt, ob er wieder zur Schwester wolle.“ Der Bruder habe unwirsch reagiert. „Ich bin in mein Zimmer und habe das Messer geholt.“ Es gab ein Gerangel, bei dem beide Männer auf die Treppe gestürzt seien. Die Messerspitze habe den Bruder am Hals verletzt. Doch der 58-Jährige habe ihn weiter provoziert. „Er sagte: Mach doch! Mach doch. Da habe ich die Nerven verloren und mehrfach zugestochen.“

Über das Ende des Vorfalls gingen die Schilderungen am gestrigen Verhandlungstag auseinander. Der Angeklagte will laut eigener Aussage noch nach seinem verletzten Bruder geschaut haben, der zwischenzeitlich in sein Zimmer geflüchtet war. Die Schwester berichtete, der 56-Jährige habe sie selbst aufgefordert, die Polizei zu rufen. Der Geschädigte erinnerte sich im Zeugenstand nur noch undeutlich an den Vorfall. „Ich versteh’ das alles nicht“, gab er treuherzig zu. „Der wusste doch schon lange, dass ich Stimmen höre“, sagte er. Das Verfahren vor dem Landgericht soll bereits am nächsten Verhandlungstag in der kommenden Woche abgeschlossen werden.

(bm)
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