Duisburg: Letzte Filmwoche unter Werner Ruzickas Leitung

Abschluss der Duisburger Filmwoche: Das Beste kommt zum Schluss

Mit der Vergabe verschiedener Preise endete am späten Samstagabend die 42. Duisburger Filmwoche. Für Werner Ruzicka war es die letzte unter seiner Leitung. Über die Nachfolge ist noch immer nicht entschieden.

Ein wenig hatte es Werner Ruzicka vor dem Samstagabend gegraut. Er hatte natürlich geahnt, dass bei der Preisverleihung, mit der alle Duisburger Filmwochen enden, nicht nur die ausgezeichneten Filmautoren und ihre Produktionen im Mittelpunkt stehen werden, sondern auch er selber. Seit 1985 hatte Werner Ruzicka ununterbrochen alle Duisburger Filmwochen geleitet. Unter seiner Ägide wurde das Festival das vielleicht wichtigste für Dokumentarfilmproduktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Da blieb es nicht aus, dass jetzt bei Ruzickas Abschied als Leiter jene Würdigungen ausgesprochen wurden, die Ruzicka tapfer nehmen musste. Öffentlich geehrt zu werden ist eigentlich nicht das, was der sonst immer so schlagfertig moderierende „Mister Filmwoche“ schätzt. Aber: Ehre, wem Ehre gebührt.

Das sah auch Dezernent Thomas Krützberg so, der nicht nur den Förderpreis der Stadt Duisburg überreichte, sondern - außerhalb des Protokolls - Ruzicka öffentlich dankte. „Du hast für das Kulturleben der Stadt viel Gutes getan“, sagt Krützberg. Ruzicka sei ein glaubwürdiger und fairer „Ermöglicher“, der stets als Persönlichkeit überzeugt habe. Krützberg bat Ruzicka, auch nach dessen Ausscheiden als Filmwochenleiter weiterhin als Berater dem Festival und dem Kulturleben der Stadt verbunden zu bleiben. Die Erwartung, dass bei der Preisverleihung auch Ruzickas Nachfolge bekannt würde, erfüllte sich indes nicht. Allerdings versicherte der Dezernent, dass die Filmwoche weitergeführt wird. Vermutlich wird über Ruzickas Nachfolge endgültig im Dezember entschieden.

Schön wie ein Gemälde: Szene aus dem Film „Seestück“ von Volker Koepp, der mit dem Publikumspreis der RP ausgezeichnet wurde. Foto: Filmwoche

Was bei der Eröffnung am vergangenen Montag eher launig versprochen wurde („Diese Filmwoche wird ein guter Jahrgang“) hat sich jetzt im Rückblick bestätigt. Sogar mehr als bestätigt: Das Programm der 42. Filmwoche war eines der besten, vielleicht sogar das beste von allen bisherigen Duisburger Filmwochen. Frei nach dem Motto: Das Beste kommt zum Schluss. Die verschiedenen Jurys, die mehrere Preise zu verteilen hatten, hatten die Qual der Wahl, weil mehr preiswürdige Filme im Programm waren, als Preise zur Verfügung standen.

Bei vier Filmen einigten sich die Jurys nach langen Diskussionen auf einen Preisträgerfilm. Beim Publikumspreis, der von der Rheinischen Post ausgelobt wird, wählt eine Leserjury den „beliebtesten Film des Festivals“ dagegen in einer geheimen Wahl.

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„Kulenkampffs Schuhe“ von Regina Schilling war der Auftaktfilm der Filmwoche und zugleich einer der Favoriten für einen Preis (die RP berichtete). Das sah auch die 3sat-Jury so und zeichnete den Film als beste deutschsprachige Dokumentation aus. Bei der Preisübergabe forderte die Jury-Sprecherin die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten auf, ihre Archive Dokumentarfilmern einfacher und für weniger Geld, als bislang offenbar üblich ist, zur Verfügung zu stellen. In diesen Archiven seien Schätze zu heben.

Mit dem Arte-Dokumentarfilmpreis wurde mit Rainer Komers (Jahrgang 1944, man hält ihn aber für viel jünger) ein Dokumentarfilmer ausgezeichnet, der bereits 1981 auf einer der ersten Duisburger Filmwochen überhaupt vertreten war. Sein Film „Barstow, California“ beweist, dass auch ältere Dokumentarfilmer Werke schaffen können, die junge Juroren überzeugen.

Neben dem Förderpreis der Stadt Duisburg, den Andreas Goldstein bekam, und dem Nachwuchspreis des Landes für Marie Wilke, wurde gewissermaßen zur „Abrundung“ der Meinung von professionellen Filmexperten der RP-Publikumspreis vergeben. Der ging an den Film „Seestück“ von Volker Koepp, ebenfalls ein seit Jahrzehnten anerkannter Filmemacher und langjähriger Begleiter der Duisburger Filmwoche. (Weiterer Bericht auf der Feuilleton-Seite.)