Duisburg: Leonardo da Vinci-Ausstellung in der cubus-Kunsthalle

Duisburger Geschichte und Geschichten : Das Erwachen der Liebe zur Technik

Die Erfindungen der Renaissance prägen unser Leben bis heute. Davon können sich derzeit auch die Besucher der cubus-Kunsthalle überzeugen.

Die Mona Lisa kennt jeder, aber das Universalgenie Leonardo da Vinci hat auch eine weniger bekannte Seite: Das zeigt die am Sonntag eröffnete Mitmach-Ausstellung in der cubus-Kunsthalle (die RP berichtete am Samstag). Leonardo da Vinci verknüpfte seine künstlerische Begabung mit der Erfindung technischer Apparate. Die Technikfaszination nahm ihren Anfang in der Umbruchzeit vom Mittelalter zur Renaissance. Ob mechanische Figuren für Musik und Theater, Brücken, Hub-und Fördertechnik oder Maschinenelemente, der kreative Umgang mit bereits vorhandenen Erfindungen zeichnete ihn aus. Mit seiner genialen Zeichenkunst dokumentierte Leonardo da Vinci nicht nur den Stand der Technik, sondern verknüpfte sie mit visionären Ideen. Er und ein Kreis von Gelehrten und Erfindern der Renaissance widmeten sich mit großem Eifer der Mathematik, der Mechanik und Vermessung. Exakte Beobachtungen, Auswertung von Messreihen und revolutionäre Ideen stellten die alten Lehren in Frage.

Das bisherige Weltbild zerbrach und wurde vom heliozentrischen Weltbild des Kopernikus abgelöst: Die Erde dreht sich um die Sonne und nicht umgekehrt. Derartige Thesen waren nicht ohne Risiko. Die Ablehnung durch das wissenschaftliche oder kirchliche Establishment traf nicht selten die kreativen Visionäre. Die Namen der Erfinderelite reicht von Johannes Gutenberg (1400-1468), Leonardo da Vinci (1452-1519), Albrecht Dürer (1471–1528), Nikolaus Kopernikus (1473-1543) bis zu Gerhard Mercator (1512-1594). Buchdruck, Mercatorprojektion, Zentralperspektive, Schraubverbindungen und Maschinenelemente stehen für den Erfindungsgeist dieser Zeit.

Die Faszination an Mechanik, optischen Instrumenten und Messtechnik erfasste die gebildeten Stände, die sich an Kunst, komplizierten Uhrwerken, raffinierten Automaten, Erdgloben und Messinstrumenten erfreuten.

Aufgeschlossene Herrscher begannen, filigran gearbeitete Instrumente zu sammeln, in Auftrag zu geben und auch zu nutzen. Sie sammelten Messgeräte, Uhren, auf denen sich Figuren drehten, und Globen, die Erde und Himmel, Zeit und Raum in einem visualisierten. Daneben spielten militärische Interessen der Herrschenden eine zentrale Rolle.

Ohne kapitalkräftige Förderer aus Adel , Militär und Bürgertum wäre der Erfindungsreichtum Leonardo da Vincis versandet. Neben dem Mailänder Herrscher Ludovico Sforza und Caesare Borgia wurden Venedigs Generäle und der Vatikan zu seinen Auftraggebern. Ob Leonardo da Vinci, Gerhard Mercator oder andere große Renaissance-Künstler, sie waren auf dem Markt der Mächtigen gefragt.

Wie wirken diese Impulse der Renaissance, die Welt zu vermessen, zu technisieren und in ein Datenkleid zu setzen, bis heute nach? Die Mehrzahl der Historiker sind sich einig, dass die industrielle Revolution die Entwicklung von mechanischen Bauelementen vorangetrieben hat. Pläne und Konstruktionszeichnungen lieferten die Grundlage.

Ohne Mechanik und Kartographie wären Uhren zur Längengradmessung, Navigationsgeräte, die Spinning Jenny (die erste Baumwollspinnmaschine), James Watts Dampfmaschine und auch die frühen Lokomotiven, Brückenbau und Fluggeräte undenkbar. Mechanik ist keine überholte Technologie. Letztlich stützen sich auch die heutigen CAD-Programme, die Zeichenprogramme für Baupläne, auf die Wiederentdeckung der Zentralperspektive.

Die Verbindung zur Digitalisierung in der Neuzeit liefern Mechatronik und Robotertechnologien. Leonardos Arbeiten sind höchst aktuell. Da trifft es sich gut, dass es Claudia Schäfer, Chefin der cubus-Kunsthalle, gelungen ist, die Leonardo-Ausstellung „DA VINCI 500 – Bewegende Erfindungen“ der Fachhochschule Bielefeld nach Duisburg zu holen. Der unmittelbare Anlass der Ausstellung ist das 500. Todesjahr von Leonardo da Vinci und die Weltkarte von Gerhard Mercator, die vor 450 Jahren entstand. Ein Besuch der Ausstellung begeistert. Sie regt der Forscher-und Erfindergeist junger Menschen an und zeigt, dass Erfindungen der Renaissance unser Leben bis heute prägen.

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