Duisburg: Lehrermangel ist gravierender als im Landesdurchschnitt

Duisburg bleibt für Pädagogen unattraktiv : Lehrermangel: Unterrichtsausfall droht

Wenn am Mittwoch die Schule wieder beginnt, sind in Duisburg 304 Lehrerstellen nicht besetzt. Am gravierendsten ist die Situation an Förderschulen. Das belegen neue Zahlen der Bezirksregierung.

Der Trend ist ungebrochen: Lehrer wollen lieber in anderen Städten unterrichten als in Duisburg. Während landesweit 58 und im gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf 47 Prozent der ausgeschriebenen Lehrerstellen besetzt werden konnten, sind es in Duisburg lediglich 35 Prozent. Nur rund ein Drittel, nämlich 161 der 465 zu besetzenden Stellen an Schulen unserer Stadt, sind vergeben. Insgesamt 304 Stellen sind damit zum Schulstart in Duisburg vakant. Da scheint weiterer Unterrichtsausfall programmiert zu sein – ein Umstand, den Elternverbände und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in jüngster Zeit in Duisburg immer wieder beklagt hatten. „Der von der Vorgängerregierung verursachte Lehrermangel stellt ein schweres Erbe dar. Er bedroht die Bildungsqualität unserer Kinder, denn ein Schülerleben lässt sich nicht wiederholen. Umso mehr sind jetzt kurzfristig wirksame Maßnahmen gefordert“, heißt es in einer Stellungnahme der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW. Lehrer müssten sich mehr ihren Kernaufgaben widmen können und nicht mit Verwaltungstätigkeiten überfrachtet werden. Die Teilzeitarbeit von Lehrern müsse auf ein unumgängliches Maß reduziert werden.

Dabei sind die unterschiedlichen Schulformen von Lehrermangel in Duisburg verschieden stark betroffen (siehe Box). Am gravierendsten ist das Problem an Förderschulen: Für 79 ausgeschriebene Stellen in Duisburg fand sich ein einziger Bewerber, 78 Pädagogen fehlen in dieser Schulform. Auch bei den Realschulen ist die Besetzungsquote mager: Nur zwei von 13 ausgeschriebenen Stellen wurden besetzt, das sind lediglich 15 Prozent. Dass das Auslaufmodell Hauptschule bei Pädagogen nicht mehr sonderlich beliebt ist, liegt dagegen auf der Hand: Für die drei ausgeschriebenen Hauptschullehrerstellen in Duisburg fand sich kein einziger Bewerber. Die Probleme beginnen bereits im Primarbereich: In Duisburg waren mit 172 so viele Stellen ausgeschrieben wie in keiner anderen Schulform. Eingestellt wurden 63 Lehrer, das entspricht einer Quote von 37 Prozent. Im Regierungsbezirk liegt Duisburg mit dieser Quote weit hinten, unsere Nachbarstädte kommen auf zum Teil deutlich besser Werte.

Mit zehn besetzten von 20 ausgeschriebenen Stellen wurde an den Duisburger Sekundarschulen jeder zweite Platz auch besetzt. An Gesamtschulen gab es nur 44 Einstellungen, nötig wären für diese Schulform in Duisburg 111 Lehrer gewesen. Die Besetzungsquote liegt daher gerade einmal bei 40 Prozent. Mit 19 Einstellungen bei 44 ausgeschriebenen Stellen (46 Prozent) sieht es bei Duisburger Gymnasien nur unwesentlich besser aus. Zum Vergleich: Im gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf konnten 73 Prozent der Lehrerstellen an Gymnasien besetzt werden.

Einzig bei Berufskollegs sieht es besser aus: 21 von 25 Stellen konnten besetzt werden, was einer Quote von 84 Prozent entspricht. Auch die Stadt kann etwas unternehmen, damit das Unterrichten in Duisburg für Pädagogen attraktiver wird. So wird der bauliche Zustand an vielen Schulen durch aufwändige Sanierungen verbessert, und an schnellem Internet für alle weiterführende Schulen wird gerade gearbeitet. Nach Möglichkeit soll die Digitalisierung dann auch an den Duisburger Grundschulen nicht halt machen. Bildungsdezernent Thomas Krützberg hat das Problem ebenfalls erkannt. Er versprach Lehrern, die nach Duisburg kommen wollen, bei der Wohnungssuche zu helfen und sogar drei Monatsmieten zu erlassen.

Die nächsten Einstellungen wird es erst wieder im November geben. Dann sind neue Referendare mit ihrem Vorbereitungsdienst fertig. Der darauffolgende Einstellungstermin ist dann zum Halbjahr des Schuljahres im nächsten Februar.

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