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Duisburg: Lehmbruck-Museum zeigt "schöne" Werke von Lehmbruck und Rodin

Werke von Lehmbruck, Rodin und anderen : Schönheit im Duisburger Lehmbruck-Museum

Eine der wichtigsten Ausstellungen zur Klassischen Moderne wird vom 23. März bis 18. August im Duisburger Museum gezeigt. Im Mittelpunkt stehen „schöne“ Werke von Wilhelm Lehmbruck und Auguste Rodin.

Es ist eigentlich ein unfreiwilliger Witz, dass die aktuelle Ausstellung im Lehmbruck-Museum Bestandteil der diesjährigen Duisburger Akzente mit dem Motto „Utopien“ sein soll. Denn die „Schönheit“, um die es in dem renommierten Museum geht, ist dort konkret zu finden und nicht im (utopischen) Nirgendwo. Abgesehen vom Witz ist die Schau mit dem schlichten Titel „Schönheit. Lehmbruck & Rodin – Meister der Moderne“ eine der wichtigsten Ausstellungen zur Klassischen Moderne, die jemals im 1964 eröffneten Lehmbruck-Museum zu sehen war. Bestenfalls kann man sie mit der Schau „100 Jahre Knieende“ vor neun Jahren vergleichen, die so aufwendig war, dass sie das Museum in eine finanzielle Schieflage gebracht hatte. Der damalige Museumsdirektor musste im Nachgang zu dieser Ausstellung seinen Hut nehmen.

Ein solches Finanzierungsdebakel ist diesmal nicht zu erwarten. Nicht zuletzt deshalb, weil Museumsdirektorin Söke Dinkla mit der Sparkassenstiftung einen Hauptsponsor gewinnen konnte, der bereit ist, 80.000 Euro, perspektivisch sogar 100.000 Euro für diese Sonderschau zur Verfügung zu stellen. Der unmittelbare Anlass der Ausstellung ist der Todestag von Wilhelm Lehmbruck, der sich am 25. März zum 100. Mal jährt.

 Auguste Rodin schuf eine kraftvoll-athletische Eva.
Auguste Rodin schuf eine kraftvoll-athletische Eva. Foto: Christoph Reichwein (crei)
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Mit Auguste Rodin (1840-1917) und Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) stehen zwei Künstler im Mittelpunkt, die zu den wichtigsten Protagonisten der Kunst des 20. Jahrhunderts zählen und die zu Vorbildern nachfolgender Künstlergenerationen geworden sind. Und nicht nur das: Betrachtet man die „gotisch“ in die Länge gestreckten menschlichen Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck, so kann man dort gar das Schönheitsideal superschlanker Mannequins wiedererkennen. Allerdings gab Lehmbruck seinen Figuren die Aura des Meditativen, Introvertierten und In-sich-Ruhenden.

Die Anmut, die Lehmbruck beispielsweise seiner Knieenden verlieh, fasziniert uns heute; zu Lebzeiten des Künstlers und auch noch in den Jahren danach und erst recht in der Nazizeit, wurde sie nicht selten verunglimpft. Es gab Schmähungen, bei denen von einem „Verbrechen gegen die Kunst“ oder von „hysterischer Deformation“ die Rede war.

Während man beim Anblick der Lehmbruck-Werke gerne von „Sinnlichkeit“ spricht, strahlen die Skulpturen Rodins eher kraftvolle Erotik aus. In der Duisburger Ausstellung kann man die unterschiedliche Gestaltungsweise der beiden Künstler bei ihren beiden „Denkern“, die zurzeit Nachbarn sind, besonders gut vergleichen. Rodins „Denker“ ist ein Kraftpaket, den Lehmbruck etwas despektierlich als muskelbepackten „Boxer“ tituliert hatte. Lehmbrucks Denker ist ein zartgliedriger junger Mann, der sich mit den Grundfragen des Lebens zu beschäftigen scheint.

So unterschiedlich Lehmbruck und Rodin auch sind, so versuchten doch beide, den tradierten Begriff der Schönheit neu zu interpretieren. Als Leitmotiv der Ausstellung könnte eine Rodin-Zitat dienen: „Die Schönheit ist nicht ein Ausgangspunkt, sondern ein Resultat; nur dort ist Schönheit, wo Wahrheit ist.“

Für die Ausstellung „Schönheit“ vereint das Lehmbruck-Museum etwa 100 Exponate von insgesamt elf Künstlerinnen und Künstlern. Neben Lehmbruck und Rodin sind es Bildhauer wie wie Alexander Archipenko, Hans Arp, Alfred Boucher, Constantin Brancusi, Camille Claudel, Max Klinger und Henri Matisse. Die Leihgaben stammen aus bedeutenden internationalen Museen. Etwa dem Musée Rodin in Paris, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München, dem Centre Pompidou in Paris, dem Gemeentemuseum Den Haag, der Hamburger Kunsthalle, dem Musée Camille Claudel (Nogent-sur-Seine), dem Museum Folkwang in Essen oder der Staatsgalerie Stuttgart.

Begleitend zu der großen Werkschau „Schönheit“ zeichnet die Studioausstellung „Wilhelm Lehmbruck. Ein Leben“ mit einzigartigen Dokumenten, Aufnahmen und Arbeiten das Leben und (Früh-)Werk des berühmten Duisburger Künstlers nach.