Duisburg legt Lärmaktionsplan vor

149 Belastungsschwerpunkte : Duisburgs harter Kampf gegen den Lärm

Die Stadt legt einen Lärmaktionsplan für 149 ermittelte Belastungsschwerpunkte vor. Der Plan zählt Maßnahmen zur Minderung von Straßenlärm auf, die aber immer nur bei aktuellen Bauanlässen ins Spiel kommen.

Nach dem Kampf um saubere Luft nun der Kampf gegen krankmachenden Lärm in der Stadt: Bis zum Jahresende 2018 muss die Stadt Duisburg (wie auch zwei Dutzend andere Kommunen in NRW) einen sogenannten Lärmaktionsplan für aktuell 149 ermittelte „Belastungsschwerpunkte“ erarbeitet haben. Andernfalls drohen der Bundesrepublik finanzielle Sanktionen wegen Vertragsverletzungen.

Am Dienstag haben Immissionsschutz-Experten des städtischen Planungsamtes den Mitgliedern von insgesamt fünf Bezirksvertretungen (Mitte, Rheinhausen, Walsum, Hamborn, Meiderich/Beeck) eine 120 Seiten dicke Maßnahmenplanung zur Kenntnisnahme vorgelegt.

Der Lärmaktionsplan, der jetzt aktuell für einen Ratsbeschluss am 26. November vorbereitet wird, setzt sich gemäß den Vorgaben der EU-Umgebungslärmrichtlinie mit der Lärmsituation in Duisburg auseinander. Auf der Grundlage der in vergangenen Jahren durchgeführten Lärmkartierung, sind von der Stadt für den Straßenverkehr aktuell 149 Belastungsschwerpunkte identifiziert worden, an denen die Lärmpegel von 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel in der Nacht erreicht oder überschritten werden.

Denn: Der größte Lärm für die Bewohner dieser Stadt entsteht am Rande des 406 Kilometer langen Hauptstraßennetzes und des 80 Kilometer langen Autobahnnetzes in der Stadt. 7500 Anwohner von großen Straßen in Duisburg sind nach aktueller Zählung der Stadt zufolge von einem gesundheitsschädlichen Lärmpegel von mehr 70 Dezibel am Tag betroffen (Abschnitte auf der Wanheimer Straße, Koloniestraße, Weseler Straße), nachts seien es immer noch 7200 betroffene Straßenanwohner. Das entspricht, so die Stadt, etwa 1,5 Prozent der Einwohner von Duisburg.

Lärmverursacher Nummer zwei ist die Deutsche Bahn, etwa 2500 Menschen sind laut städtischer Statistik täglich einem schädlichen Lärmpegel von mehr als 70 Dezibel an den 193 Kilometern Haupteisenbahnstrecken auf dem Stadtgebiet ausgesetzt. Von Industrie, Gewerbe und Häfen, die ohnehin der Technischen Anleitung Lärm unterworfen seien, geht nach Erkenntnis der städtischen Experten keine Lärmbelastung aus, die oberhalb des Auslösewertes von 70 Dezibel liege.

Mit ihrem neu vorgelegten Lärmaktionsplan wird die Stadt mit Billigung der Politik von ihrem bisherigen Vorgehen zur Lärmminderung vom Weg der detaillierten Einzelfall-Maßnahme abrücken.

Stattdessen will die Stadt Duisburg ihre 149 Belastungsschwerpunkte mit einem strategischen Aktionsplan belegen, dem beispielsweise bei anstehenden Straßenbaumaßnahmen dann ein Bündel an geeigneten Instrumenten zur Lärmminderung entnommen werden können.

Denn: Weder hat die Stadt die nötigen finanziellen Mittel, um gezielt Maßnahmen zur Lärmminderung umzusetzen – noch hat der Bürger einen Rechtsanspruch, dass Lärmschutz vor seiner Haustüre tatsächlich durchgeführt wird. Auch hat die Kommune keine Zwangsmittel gegen Unternehmen wie etwa die Bahn oder den VRR um Lärmschutz zu erzwingen.

Bleibt nur ein Lärmaktionsplan als kompetente Willenserklärung immer dann, wenn es akute und konkrete Bauanlässe in der jeweiligen Stadt gibt, die Vorhabensträger so zu steuern, dass Straßenlärm vermieden, verlagert, verträglicher gemacht werden kann oder im krassesten Fall, dass dann doch Schallschutzwände errichtet oder Schallschutz an Gebäuden eingebaut werden müssen.

„Die Höhe der Lärmbelastung an den Belastungsschwerpunkten“ sagt Markus Riedel vom Planungsamt der Stadt, werde „durch die hohe Anzahl an Autos“ bestimmt. Beispiel: Um die Belastung durch Straßenlärm von 4000 Autos am Tag um nur drei Dezibel abzusenken, müsse der Autoverkehr an dieser Stelle auf 2000 Autos pro Tag halbiert werden.

Eine wirksame Maßnahme zur Lärmminderung sei daher für die Kommune die „Verlagerung der Verkehrsmittel“. Das heißt, weg vom Individualverkehr, hin zum Umweltverbund, durch die Förderung des Rad- und Fußgängerverkehrs sowie des ÖPNV.

(sten)
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