Duisburg: Kunst und Neue Musik im EarPort

EarPort-Konzert : Farben, Vegetationen und Neue Musik

Der EarPort am Innenhafen war jetzt Schauplatz einer Kunst- und Musikperformance mit dem Titel „Farben“.

Es war die bereits dritte Veranstaltung in der Konzertreihe „Farben“, die die Duisburger Philharmoniker seit der Spielzeit 2017/2018 in Kooperation mit „EarPort“, dem Ort für experimentelle Musik und Performance in Duisburg, am Sonntag im Innenhafen gaben. Tags zuvor hielten Friedrich Schmuck, einstiger Honorarprofessor an der ehemaligen „Gerhard-Mercator-Universität“ in Duisburg, und Juan Allende-Blin, chilenischer Komponist und Musikpublizist, Vorträge mit Musikbeispielen zur besagten Veranstaltungsreihe.

Neben dem Konzert, das Musik und Performances des 20. und 21. Jahrhunderts klang- und stimmlich ungemein facettenreich präsentierte, wurde zugleich die Ausstellung „Vegetation“ des Fotografen Markus Bydolek eröffnet. Der in Hildesheim geborene, als Kind im Harz aufgewachsene und seit 1995 in Trier lebende Künstler bezeichnet seine Werkschau als „PhotoGraphik“. „Seitdem es die Digitalfotografie gibt“, sagt der von der Malerei kommende Bydolek, „kann sich der Fotograf als Künstler richtig austoben.“ Und das sieht man: Denn die überwiegend klein- (33 x 33 cm) bis großflächigen (170 x 117 cm) Bilder sind außergewöhnlich konturenstark und kontrastreich, farbenprächtig, zuweilen aber auch äußerst grell und damit künstlich wirkend. Bydolek: „Seit Jahren schon interessiert mich die Vegetation mit ihrer Eigenschaft zu wuchern und autonome Räume zu erschaffen. Vor allem im Wald sind das Blühen und Sprießen, die Fäulnis und Zersetzung, das Werden und Vergehen, Leben und Tod sowie Anfang und Ende dicht miteinander verwoben, so dass die Grundfragen des Daseins sinnlich erlebbar werden.“ Seine Gedankenwelt und die dazugehörigen Bilder haben wiederum Kunsu Shim, mit Gerhard Stäbler Gründer und Leiter von „EarPort“, inspiriert, eine Komposition für fünf Spieler zu schreiben. „Vegetationen I“ hat er sein 16-teiliges Werk genannt, wovon fünf Stücke davon ihre Uraufführung erlebten.

Die fünf Solisten der Duisburger Philharmoniker (Franca Cornils, Rocco Rescigno, Robert Beck, Odysseas Lavaris und Friedemann Pardall) spielten überall im Raum verteilt Shims Partitur als diagonal sich in der Mitte bündelnden Raumklang, der (wie auch die Bilder) eine ungeheure Sogwirkung auf das Publikum ausübte. Treffpunkt jener akustischen beziehungsweise optischen Reize von Musik und Kunst waren das Ohr beziehungsweise das Auge aller an diesem Ereignis Teilhabenden. Das ergab „Gänsehaut“ pur.

Außergewöhnlich waren aber auch Auftritt und Vortrag von Gerhard Stäbler bei seiner Komposition „Leaving The Gold“ für Stimme, Klavier und fünf CD-Player (2004), in der er Text-Fragmente von der griechischen Dichterin Sappho einsprach, die alles an Stimme von Stimmbändern, Kehlkopf, Mund und Lippen bei ihm abforderte. Unterhaltsam kam dagegen eine sogenannte „Fluxus“-Komposition des türkisch-stämmigen Komponisten Bülent Arel (1919-1990) daher, die von einem Instrumentarium gespielt wurde, das aus Föhn, Pürierstab, elektrischer Zahnbürste, elektrischem Haarschneider und einem Handstaubsauger bestand.

Die Ausstellung „Vegetation“ im „EarPort“ ist im Übrigen bis zum 31. März zu sehen. Dann findet dort nämlich das vierte Konzert in der Veranstaltungsreihe „Farben“ unter dem Titel „Nachtgelb“ statt.

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