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Duisburg: Kreissynode bleibt politisch - Nachfolger für Armin Schneider gesucht

Sitzung des Kirchenparlaments : Duisburger Kreissynode trifft sich im Internet

Die Kirche kann auch online debattieren und Beschlüsse fassen. Das haben die 94 Abgeordneten der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg bewiesen. Die Amtszeit von Superintendent Armin Schneider endet am 1. Dezember.

Seit 2004 ist Pfarrer Armin Schneider Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises in Duisburg. Ausgerechnet in seinem letzten Amtsjahr musste er die jüngste Zusammenkunft des städtischen Kirchenparlaments mit seinen 94 Abgeordneten online leiten. Wegen der Corona-Pandemie sollte die Synode nicht wie sonst „leibhaftig“, sondern per Internet durchgeführt werden. „Ich habe mich wahrlich nicht darum gerissen, die Synode online durchzuführen, aber im Rückblick bin ich froh, dass es so gut geklappt hat“, sagte Schneider am Montag.

Im Gegensatz zur katholischen Stadtkirche, die sich meist zurückhält, nimmt die evangelische Kirche in Duisburg immer wieder pointiert Stellung zu politischen und gesellschaftlichen Fragen, Problemen und Phänomenen. So gaben zusätzlich zu dem regulären Programm die Pfarrerinnen und Pfarrer, die gewählten Presbyterinnen und Presbyter der 15 Kirchengemeinden sowie die berufenen Mitglieder, die gemeinsam den Kirchenkreis leiten, eine „Erklärung zum Zustand der Demokratie in Deutschland anlässlich des Ausnahmezustandes in den USA ab“.

In der Erklärung heißt es, die Synode habe mit Erschütterung beobachtet, wie in den USA landesweite Proteste von der Regierung mit brutaler polizeilicher und militärischer Gewalt unterdrückt werden sollen. Der Präsident wolle auf diese Weise die gesellschaftlichen Folgen einer „verfehlten Sozialpolitik, eines verantwortungslosen Krisenmanagements und eines in der weißen Mehrheitsgesellschaft verwurzelten Rassismus“ bekämpfen. „Damit stellt er die Demokratie zur Disposition. Gleichzeitig missbraucht der Präsident der Vereinigten Staaten kirchliche Gebäude und die Heilige Schrift, um für seine Politik zu werben. Beides verurteilt die Synode.“

In der Ausnahmesituation während der Corona-Pandemie seien auch in Deutschland zahlreiche Grundrechte eingeschränkt – notgedrungen und „zum Schutz von Leben und Gesundheit.“ Demokratische Spielregeln außer Kraft zu setzen oder gar Gewalt von oben nach unten zu erzeugen sei aber nie ein Thema gewesen. Das zeitweise Verbot von Gottesdiensten habe dem Schutz der Gesundheit besonders der Schwächsten gedient und sei zu keiner Zeit ein Angriff auf die Religionsfreiheit gewesen. Die Synode würdige das. In der Erklärung heißt es wörtlich: „Als Kirche stehen wir an der Seite derer, die gerade in einer Krisensituation den demokratischen und sozialen Rechtsstaat aufrechterhalten, an dem alle ohne Ansehen der Person, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Herkunft, der Hautfarbe oder der Überzeugung gleichermaßen teilhaben.“

Zu Beginn der Online-Tagung war auch Oberbürgermeister Sören Link zugeschaltet. Für ihn sei auch der digitale Weg eine gute Gelegenheit, der evangelischen Kirche zu danken, und zwar für ihr Engagement während der Krise – von den Einkaufshilfen in den Gemeinden bis hin zu den Online-Gottesdiensten.

Die Amtszeit von Superintendent Armin Schneider, der altersgemäß in den Ruhestand geht, endet am 1. Dezember. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war deshalb die Wahl eines Nominierungsausschusses. Das Gremium setzt sich zusammen aus je zwei Mitgliedern der Gemeinden des Nordens, des Südens und der Mitte, einem Mitglied des Kreissynodalvorstandes, einer kreiskirchlichen Pfarrerin und drei sogenannten sachkundigen Gemeindemitgliedern. Der Nominierungsausschuss spielt bei der Besetzung der neuen Superintendentenstelle eine wichtige Rolle. Schneider hatte dieses Amt bislang nebenamtlich, neben seiner Tätigkeit als Krankenseelsorger, geführt. Künftig soll das Superintendentenamt im Hauptamt wahrgenommen werden.  Die Stelle dazu ist seit längerer Zeit ausgeschrieben, in dieser Woche endet die Bewerbungsfrist. Der Nominierungsausschuss entscheidet, wer in die engere Auswahl kommt, führt Vorstellungsgespräche und entscheidet, welche Kandidierenden sich in öffentlichen Gottesdiensten mit Bewerbungspredigten vorstellen können.

Die Wahl des neuen Superintendenten ist dann Aufgabe der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg: Auf einer Sondertagung am 25. September, wo sich die vom Auschuss vorgeschlagenen Kandidierenden erneut vorstellen, wählen die Abgeordneten des Kirchenparlamentes aus der Reihe der Kandidierenden die Nachfolge von Superintendent Schneider.

Auch von der Nachfolgerin oder dem Nachfolger von Armin Schneider wird erwartet, sich zu gesellschaftlich-politischen Fragen zu äußern. In der Stellenausschreibung heißt es unter anderem, dass eine Führungspersönlichkeit gesucht wird, die über ein „erkennbares eigenes theologisches Profil sowie seelsorgerische Kompetenz“ verfügt und die „auf gesellschaftliche und soziale Fragestellungen aus der Perspektive des Evangeliums eingeht und auf diese Weise evangelische Impulse in Kirche und Gesellschaft zu setzen vermag“.