Duisburg: Konzertreihe endet mit Orgelfeuerwerk

Orgelkonzert in der Friedenskirche: Ein Orgelfeuerwerk zum Finale

Zum Abschluss der sommerlichen (Orgel-)Konzerte in der Hamborner Friedenskirche gastierte Hye-Kyung Kang, von 2011 bis zum März 2018 Kantorin an der Lutherkirche Duissern. Die Bilanz der gesamten Reihe fällt positiv aus.

Mit dem sechsten Abend gingen die Sommerlichen (Orgel-)Konzerte an der Friedenskirche Hamborn für 2018 zu Ende. Die diesjährige Ausgabe der Reihe der Sommerlichen (Orgel-)Konzerte in der evangelischen Friedenskirche Hamborn, jeden Mittwoch in den Sommerferien, hatte eine Woche früher begonnen. Deshalb war dies schon der sechste und somit für 2018 schon wieder letzte Abend. Zurzeit ist Peter Stockschläder verantwortlich für die Kirchenmusik an der Friedenskirche, also auch für diese traditionsreiche, anspruchsvolle und kurzweilige Konzertreihe. Wie schon im vergangenen Jahr hatte er auch diesmal wieder ein ansprechendes Programm zusammengestellt. Das Publikum dankte es ihm mit beachtlichen Besucherzahlen und indem es sich am Ende von mehreren der Abende zu begeistertem Applaus erhob.

Peter Bartetzky, Kantor der katholischen Abteikirche Hamborn, und Friedrich Storfinger aus Bottrop spielten zum spektakulären Auftakt am 11. Juli sieben Werke für Orgel zu vier Händen und vier Füßen. Den zweiten Abend am 18. Juli füllte der Film „Nathan der Weise“ (1922) von Manfred Noa, eine der ersten Verfilmungen des gleichnamigen dramatischen Gedichts von Gotthold Ephraim Lessing. Es geht darin um die Versöhnung zwischen den drei abrahamitisch-monotheistischen Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum. Zu dem zweistündigen Stummfilm improvisierte auch diesmal wieder Otto Maria Krämer. Er legte unter die Bilder einen ausdrucksstarken, farbenreichen und überhaupt feinfühligen Klangteppich. Am 18. Juli folgte dann wieder ein ganz „normales“ Orgelkonzert: Der Würzburger Orgeldozent Jan Dolezel, geboren 1984 im tschechischen Pilsen, spannte mit 14 meist kürzeren Stücken von zehn Komponisten einen bunten Bogen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Dies war ein vorzüglicher Höhepunkt der Konzertreihe, denn der Gast wirkte weitgehend klar, stilsicher und nicht zuletzt mitreißend. Vor allem entlockte er den nur 22 Registern der Eule-Orgel kunstvoll leuchtende Klangfarben.

Die vierte Folge am 1. August erklärte dann den etwas umständlichen Titel der Konzertreihe. Denn seit dem vergangenen Jahr schweigt an mindestens einem der sechs Abende die Königin der Instrumente. Diesmal gaben Evelyn Ziegler (Sopran) und Ekaterina Schabanova (Klavier) einen Liederabend. Genauer gesagt erklangen italienische Arien, überwiegend aus der Barockzeit, und amerikanische Songs, überwiegend von George Gershwin. Die Sängerin bestach mit gereifter Stimme und dem koketten Humor ihrer Gesten und Moderationen. Nr. 5 am 8. August bot die beliebte Besetzung „Trompete und Orgel“. Allerdings brachten Marcus Rust (Trompete und Flügelhorn) und Christian Grosch (vor allem Orgel, aber auch Klavier, Percussion und Gesang) nicht wie üblich Barockes oder Zeitgenössisches, sondern „Musik alter Kulturen und Jazz“. Die beiden brachten das einfühlsam arrangiert und betörend klangschön, meist meditativ und immer wieder tänzerisch, oft jazzig und zugleich jenseits aller Schubladen, vor allem jenen der Komposition und Improvisation – also alles ähnlich wie bei Rusts großem Vorbild Markus Stockhausen.

Nun zum Abschluss kam also noch ein ganz klassisches Orgelkonzert, es versprach „Ein Feuerwerk auf der Orgel“. Hye-Kyoung Kang, von 2011 bis März 2018 Kantorin der evangelischen Lutherkirche Duissern, rahmte mit zwei erzromantischen und dreisätzigen Sonaten, nämlich der Nr. 4 a-Moll op. 98 des gebürtigen Liechtensteiners Josef Gabriel Rheinberger und der Nr. 5 D-Dur aus op. 65 von Felix Mendelssohn. Da diese beiden Sonaten auch barocke Elemente enthielten, passten dazwischen zwei Meisterwerke jener Epoche, nämlich das Präludium (wie damals üblich mit fugierten Abschnitten) g-Moll BuxWV 149 von Dietrich Buxtehude und die „Dorische“ Toccata d-Moll BWV 538 von Buxtehudes gelehrigstem Schüler Johann Sebastian Bach. Und das ohne die dabei überlieferte Fuge, die Bach ohnehin erst später und nicht ausdrücklich dafür komponierte. Stattdessen kam hier zusätzlich ein koreanischer Geigenstudent und brachte zur Orgel eines der 241 Violinkonzerte von Antonio Vivaldi, nämlich jenes in E-Dur op. 12 Nr. 3 RV 265, stilsicher und resolut. Die junge Organistin spielte durchweg zielstrebig und sogar leidenschaftlich, zum Teil etwas zu flackernd.

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