Duisburg: Konzertante Aufführung von Wagners „Götterdämmerung“

Konzertante Aufführung von Wagners „Götterdämmerung“ : Großes Kino für die Ohren

Die konzertante Aufführung von Richard Wagners Musikdrama „Götterdämmerung“ begeisterte die Zuhörer in der Mercatorhalle.

„Der ,Ring’ ist ins Wasser gefallen“, kalauerte die Dramaturgin Anna Grundmeier bei der Einführung. Wegen des immensen Wasserschadens im Duisburger Theater musste die Übernahme-Premiere von Richard Wagners Musikdrama „Götterdämmerung“, das ist der vierte Teil und dritte Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“, konzertant in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle ablaufen – sprich ohne Bühnenbild, Kostüme und Inszenierung.

In der „Götterdämmerung“ haben die Götter ausgedient und ersehnen nur noch eines: das Ende. Derweil verstrickt sich der ehemalige Held Siegfried auf der Suche nach neuen Abenteuern am Gibichungen-Hof von König Gunther in ein tödliches Netz aus Intrigen und Verrat. Am Ende wird es Brünnhilde sein, die den Rheintöchtern den Ring zurückgibt, um damit Alberichs Fluch zu brechen – da fällt der Ring dann buchstäblich ins Wasser.

Das ist ein mächtiges Stück mit einer riesenhaften und farbenreichen Orchesterbesetzung, sogar einen Chor hat Wagner wieder dazugenommen, den er zuvor in seiner ästhetischen Entwicklung verworfen hatte. Die konzertante Aufführung jetzt ist insofern halbszenisch, als die wichtigsten Beziehungen zwischen den Figuren geschickt gestisch angedeutet werden, entsprechend den Regie-Anweisungen des Komponisten, der ja auch sein eigener Textdichter war. Da helfen schon kleine Blicke und Gänge, um die Handlung auch so zu verstehen, ebenso die Übertitel. Packend war der Moment, als Hagen seine Mannen rief und der große Herrenchor von hinten auftrat. Und der Ring als einziges Requisit ist immer am richtigen Finger – auch wenn dessen vorheriger Träger zuvor durch eine andere Tür abgegangen war. Nur jene Szene, in der Siegfried – vom Zaubertrank seiner Erinnerung beraubt und durch die Tarnkappe verwandelt – für den schwachen Gunther um Brünnhilde wirbt, verlangt hier besonders viel Fantasie.

Die Musik der „Götterdämmerung“ steht über weite Strecken unter Hochdruck. Dem wurde Axel Kober, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg sowie der Duisburger Philharmoniker, bei der Premiere absolut gerecht. Zugleich ließ er der Musik aber auch viel Ruhe und kümmerte sich um die zahllosen Details. Das Orchester gab alles und prunkte mit erzromantischen Klangfarben wie Klarinetten, Englischhorn und Hörnern. Zu den besonderen Höhepunkten zählten die rein orchestralen Passagen wie „Siegfrieds Rheinfahrt“ und „Trauermarsch beim Tode Siegfrieds“.

Die 13 Solistinnen und Solisten debütierten an diesem Abend allesamt in ihren Rollen – die sie aber sangen, als hätten sie nie etwas anderes getan. Besonders textverständlich wirkten Alexandra Petersamer als sensationell feinsinnige Brünnhilde, noch gesteigert bis zum großen Schlussmonolog „Starke Scheite schichtet mir dort“ und Sami Luttinen als herrlich durchtriebener Hagen. Pures Gesangsglück verströmten auch Sarah Ferede als Waltraute und die drei neckischen Rheintöchter: Heidi Elisabeth Meier als Woglinde, Annelie Sophie Müller als Wellgunde und Anna Harvey als Floßhilde. Der von Gerhard Michalski punktgenau einstudierte Chor und Extrachor der Rheinoper hatte kurze, aber doch sehr prägnante Auftritte.

Eine Schrecksekunde gab es, als Siegfried in der zweiten Szene des zweiten Aktes nicht rechtzeitig auftrat. Nach einem Moment der Verwirrung (auch in den Übertiteln) klopfte der Dirigent ab und – als er den Sänger durch die geöffnete Tür sah – sagte dem Publikum: „Wir spielen ein paar Takte noch einmal.“ Der auftretende Siegfried bekam dann Beifall – und einen Lacher, als Hagen wenig später einen passenden Text hatte: „Wo brausest du her?“ Schon nach dem ersten Teil war die Begeisterung groß, am Ende gab es zehn Minuten gewaltigen Applaus für alle.

Es folgen noch zwei weitere Aufführungen am 12. Mai und am 2. Juni, jeweils um 17 Uhr (wobei am letztgenannten Termin die Partie der Brünnhilde von Linda Watson übernommen wird). Die Vorstellung dauert etwa fünfeinhalb Stunden, einschließlich zwei jeweils etwa halbstündigen Pausen.

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