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Duisburg: Konzert von und mit Alexandra von der Weth in der Liebfrauenkirche

Konzertabend mit Alexandra von der Weth : Von der Schöpferkraft der Frau

Am Sonntag, 5. Dezember, findet ein Konzert von und mit Alexandra von der Weth in der Duisburger Kulturkirche Liebfrauen statt. Wir trafen das Multitalent im Vorfeld zum Interview.

Vor einem Jahr war die renommierte Sopranistin Alexandra von der Weth mit der Veranstaltungsreihe „Wir brauchen Kunst“, in der es in Zeiten von Corona um die vieldiskutierte Systemrelevanz von Kunst ging, auf einer Drei-Städte-Tour, darunter auch in Duisburg. Zwischendurch war sie im Rahmen der Muziek Biennale Niederrhein 2020/2021 für ein Online-Konzert zwar nochmals hier, doch jetzt, am 5. Dezember, ist sie wieder live in der Stadt zu erleben.

Der Titel ihres neuen „Szenischen Konzertes“ lautet „Die Frau als Schöpferin“. Dabei geht es um die bedeutenden russischen Komponistinnen Elena Firsova, Sofia Gubaildulina und Galina Ustvolskaja und das Thema Transzendenz und Spiritualität.

Neben ihrer herausragenden internationalen Opern- und Konzertkariere ist Alexandra von der Weth seit 1997 aber auch als gefragte Stimmbildnerin und Sprecherzieherin aktiv. Seit dem Wintersemester 2016/2017 unterrichtet sie des Weiteren als Gastdozentin an der Exzellenz-Universität Bonn. Ihr Themenbereich dort ist die musikalische Verarbeitung literarischer Stoffe im Musiktheater.

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Seit diesem Monat ist sie außerdem und ganz neu Gastprofessorin für Gesang an der Hochschule für Künste Bremen. Schon immer war und ist ihr der interdisziplinäre Dialog zwischen Wissenschaft und Musik ein persönliches Anliegen. Dieses Engagement unterstreicht sie mit Veranstaltungen, die sie als „Gesprächskonzerte“ oder „Szenische Konzerte“ bezeichnet.

Ein solch „Szenisches Konzert“ findet unter dem Titel „Die Frau als Schöpferin“ – nachdem ein ähnlicher Abend am 29. Oktober im Palais Wittgenstein in Düsseldorf gegeben wurde – nun auch in Duisburg statt, und zwar am Sonntag, 5. Dezember um 16 Uhr in der Kulturkirche Liebfrauen. Der Eintritt beträgt 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Tickets sind entweder unter www.alexandravonderweth.de oder www.reservix.de oder an der Abendkasse erhältlich. Für den Konzertbesuch gilt die dann geltende Corona-Schutzverordnung. Wir sprachen mit Alexandra von der Weth über den Konzertabend.

Was wird den Duisburger Konzertabend vom Düsseldorfer unterscheiden und warum haben sie das gleiche Konzert hier nicht einfach nur wiederholt?

Alexandra von der Weth Der Duisburger Konzertabend unterscheidet sich im Programm und in der Besetzung der Musizierenden. Wir haben bewusst unsere dreiteilige Reihe mit jeweils unterschiedlichen Programmen konzipiert, weil wir die Mannigfaltigkeit weiblichen kompositorischen Schaffens thematisch gliedern wollten. Der erste Abend Ende Oktober war dem Thema Eros und Liebessehnsucht gewidmet und hatte die flirrenden Klangflächen der finnischen Komponistin Kaija Saariaho sowie die trotz ihrer Üppigkeit zarten, äußerst reizvollen Tonschöpfungen des früh verstorbenen französischen Ausnahmetalentes Lili Boulanger im Fokus. Im Palais Wittgenstein hatten wir musikalisch mit Stimme und Klavier die kleine Form gewählt, im Gegensatz zum Abend in der Kulturkirche Liebfrauen in Duisburg. Dieser Abend widmet sich dem Thema Transzendenz und Spiritualität und beleuchtet die kompositorisch auf das Wesentliche reduziert gestalteten Werke der drei berühmten zeitgenössischen russischen Komponistinnen Elena Firsova, Sofia Gubaidulina und Galina Ustvolskaja: eine Konzentration nach innen, sozusagen. Dennoch sind als „Ensemble Presence“ 16 Musizierende der Duisburger Philharmoniker mit von der Partie. Übrigens bin ich sehr glücklich darüber, dass Elena Firsova angekündigt hat, eigens zu diesem Konzert nach Duisburg zu kommen. Der dritte Abend, der am 26. Februar 2022 im Düsseldorfer Kunstforum NRW geplant ist, wird die Rolle der Frau in der Musik im Spiegel der Zeit thematisieren. Komponistinnen des Frühbarocks und Barocks (Barbara Strozzi, Francesca Caccini) werden abwechselnd mit zeitgenössischen Komponistinnen (Karin Haußmann, Olga Neuwirth) zu hören sein.

Wird sich die Lichtkunst von Ivana Kleinertz in Duisburg wegen des anderen Raumes gegenüber Düsseldorf unterscheiden?

Von der Weth Unsere Lichtkünstlerin Ivana Kleinertz wird mit noch abstrakteren Strukturen und zurückhaltenderen Farben agieren, weil das Thema viel vergeistigter ist als das des ersten Abends. Die Projektionen werden zusammen mit dem Kirchenraum in einer Helligkeit verschmelzen, ganz anders, als in unserem ersten Konzert. Dort waren die Projektionen noch sehr konkret.

Welche dramaturgische Rolle spielt die Dichtkunst anhand der Texte von Anna Achmatova und T. S. Eliot in der Duisburger Inszenierung?

Von der Weth Der Düsseldorfer Schriftsteller Frank Schablewski hat aus Texten von Anna Achmatova, Edth Stein und eigenen Inspirationen eine Textcollage geschaffen, die uns einen körperlich spürbaren Antagonismus zu den Texten von T. S. Eliot und Ossip Mandelstam erfahren lässt. Die Texte werden vorher von mir eingesprochen und am Abend über Lautsprecher als meine sozusagen „innere Stimme“ zwischen den Musikwerken zu hören sein.

1924 schrieb der Architekt Bruno Taut das Buch „Die neue Wohnung. Die Frau als Schöpferin“. Darin propagiert dieser eine veränderte Rolle der Frau im modernen Heim. Taut war damit der Erste, der Frauen schöpferische Leistungen auf sonst den Männern vorbehaltenen Gebieten zusprechen wollte. Gibt es ausgehend vom übereinstimmenden Titel von Buch und Konzert auch Parallelen zwischen der Architektur weiblicher Lebensräume und der Komposition weiblicher Klangwelten? Und wenn ja, welche?

Von der Weth Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, auf der inhaltlichen Ebene der Komposition öffnet die Frau als Schöpferin intuitivere Räume, ist dem Grund des Seins näher als der schöpferische Mann, vielleicht. Formal gesehen setzt sie kompositorisch dieses rational um. Mit Kalkül konstruiert sie ihre Komposition mathematisch vom Reißbrett, bedient sich der allgemein gültigen Nomenklatur. Von einer typisch weiblichen Art der Logik, wie manche erwarten mögen, keine Spur. Im Gegenteil! Ein Widerspruch? Vielleicht nur ein scheinbarer.