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Duisburg: "Kontaktversuchungen" als Online-Premiere des "Spieltrieb"

„Spieltrieb“ geht neue Wege : Geschichten am digitalen Lagerfeuer

Der Schauspieljugendclub feierte mit „Kontaktversuchungen“ eine gelungene Online-Premiere. Die digitale Fassung ist keineswegs ein Ersatz, sondern Stilmittel.

Entweder man resigniert in der Pandemie, oder man sucht neue Wege. Der Schauspieljugendclub des Duisburger Stadttheaters, Spieltrieb genannt, entschied sich für die neuen Wege. Und wurde fündig, wie man am Donnerstagabend bei der Premiere von „Kontaktversuchungen“ erleben durfte. Das Besondere an diesem Episodenstück ist, dass es von Florian Götz, Robin Lascheit und Jule Pichler von vornherein als Online-Theater konzipiert wurde. Die digitale Fassung ist also keineswegs ein Ersatz, sondern Stilmittel.

Die Struktur dieses digitalen Theaterprojekts ermöglicht variantenreiche Spiel- und Erzählweisen. Da sitzen ein junges Paar am Lagerfeuer; die beiden sprechen ihre Zuschauer, die vor ihren heimischen Computer sitzen, direkt an, spielen den ein oder anderen Song, darunter auch selber geschriebene und leiten zwanglos moderierend zu ihren Mitspielern über, die ihre eigenen Geschichten präsentieren. In diesen Geschichten geht es beispielsweise um die Zukunftsträume von Jugendlichen, die sich vorstellen, wie sie in Amsterdam eine Laufbahn als Musiker einschlagen oder wie sie in London Künstler oder Schauspieler werden.

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Andere sind bescheidener; etwa jene jugendliche Frau, die als Postbotin arbeiten möchte, weil sie selber gerne Briefe schreibt und bekommt. Wieder andere stellen Orte in Duisburg vor, die für sie eine besondere Bedeutung haben. So hören wir von einer Hochzeitsfeier in der Kirche am Dellplatz; ein anderer erinnert an Fisch Wilken am Sonnenwall. Dieser Kultimbiss wurde drei Tage vor der Premiere von „Kontaktversuchungen“ für immer geschlossen. Über die Duisburger selber hieß es, dass es hier, wie in anderen Städten auch, doofe und nette Menschen gibt.

So manche Geschichte am digitalen Lagerfeuer wirkte kurios und jugendlich verspielt. Es gab aber auch durchaus tiefsinnige Passagen, bei denen nach dem Sinn des Lebens gefragt wurde. Angesichts der Endlichkeit komme es darauf an, die Zeit, die man hat, als Ansporn zu begreifen. „Wenn ich jetzt aktiv werde, habe ich noch eine Chance“, sagt einer der jugendlichen Spieltrieb-Akteure. Und er fügt hinzu: „Es ist erstaunlich, vor wieviel man Angst haben kann.“ Unsinnige Angst. Die „Kontaktversuchungen“ spielten sich im allgemeinen auf einem Feld „zwischen Viren und Liebe“ ab.

Das Online-Format ermöglichte zwischendurch auch Interaktionen zwischen Spielern und Publikum, an denen man sich während einiger „Breaks“ beteiligen konnte, wenn man wollte. Wer das nicht wollte, blieb einfach beim digitalen Lagerfeuer, ließ sich vom jungen Schauspieler die Umgebung zeigen und hörte den gut gesungenen und gespielten Songs zu. Beides machte Spaß.

Es spielten Ayhan Eranil, Maeve Giese, Lennart Klappstein, Julia Korte, Lisa Lohberg, Lea Orschel, Maxi Remy, Cassidy Steffens und Mike Wiese. Anstelle von Applaus gab es für sie am Schluss viele begeisterte Chat-Kommentare.

Weitere „Kontaktversuchungen“ gibt es am 6., 13. und 19. Juni. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Alle Vorstellungen sind kostenlos, aber teilnehmerbegrenzt. Zur Reservierung soll man eine Mail mit Angabe des Wunschtermins an die Theaterreferentin Britta Fehlberg unter f.fehlberg@stadt-duisburg.de schreiben.

(pk)