Kultur in Duisburg Klassiker der Moderne im Philharmonischen Konzert

Duisburg · Die drei großartigen Werke im erfolgreichen siebten Philharmonischen Konzert in Duisburg waren von Paul Hindemith und Dmitri Schostakowitsch. Unser Autor war dabei.

 Der Gastdirigent Alpesh Chauhan sorgte für kraftvolle und leuchtende Aufführungen.

Der Gastdirigent Alpesh Chauhan sorgte für kraftvolle und leuchtende Aufführungen.

Foto: Marie Laforge

Auf dem Programm in der Philharmonie Mercatorhalle standen drei Werke von zwei Klassikern der Moderne – nicht ihre bekanntesten, aber mit ihre besten. Es begann mit jener Konzertmusik für Streichorchester und Blechbläser op. 50, die Paul Hindemith 1930 zum 50jährigen Bestehen des Boston Symphony Orchestra schuf und die in Duisburg zuletzt vor 60 Jahren erklungen war. Diese Komposition lehnt sich weniger an die romantische Konzertform an als vielmehr an die barocke Art, mehrere Orchestergruppen einander gegenüber zu stellen. Dabei fasst Hindemith die beiden Gruppen entweder zusammen oder er lässt die eine oder andere Gruppe hervortreten. Er präsentiert sowohl das Streichorchester als auch die Blechbläser teils chorisch, teils aufgefächert bis zum Solo. Die „jazzigen“ Elemente im zweiten der beiden Teile sind sicherlich ein Tribut an das amerikanische Orchester.      

Darauf folgten zwei Werke von Dmitri Schostakowitsch. Das erste war das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 F-Dur op. 102, komponiert 1957 für das Moskauer Klavierexamen seines Sohnes Maxim, das dieser an seinem 19. Geburtstag ablegte. (Beim Duisburger Schostakowitsch-Festival 1984/85 durfte Maxim dann auf Druck der sowjetischen Behörden nicht als Dirigent auftreten, weil er inzwischen in den Westen emigriert war.) Die Ecksätze in diesem Klavierkonzert wirken fast übermütig, der langsame Mittelsatz ist eine melancholische Sarabande. Nach der Pause kam dann noch Schostakowitschs Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 54 von 1939. Auch sie hat drei Sätze, wobei der langsame Satz der erste ist, länger als die beiden folgenden und immer schnelleren Scherzi zusammen, und er beginnt in e-Moll, als würde der „eigentliche“ Kopfsatz „fehlen“.

Der Gastdirigent Alpesh Chauhan, im Hauptberuf neuer Erster Gastdirigent der Düsseldorfer Symphoniker, sorgte für kraftvolle und leuchtende Aufführungen. Die drei Werke sind mit etwas breiterem Pinsel gemalt, verlangen aber auch viel Feinarbeit, vor allem in den Holzbläsern. Das hatte höchstes Niveau, auch wenn der im Jahre 1990 geborene Maestro ein wenig zu unnötig drängenden Tempi, Phrasierungen und Lautstärken neigt. Die Duisburger Philharmoniker wurden für diese virtuose Leistung heftig bejubelt. Der Solist Simon Trpceski raste bei seinem Duisburger Debüt durch die Ecksätze von Schostakowitschs zweitem Klavierkonzert, was er zugegebenermaßen brillant beherrschte, bewies aber im langsamen Satz außerdem, dass er auch subtilen Anschlag liefern kann. Seine Zugabe war eine „Soirée de Vienne“ von Franz Liszt nach Motiven des vor 225 Jahren geborenen Franz Schubert.          

Das nächste Philharmonische Konzert am 16. und 17. März, jeweils um 19.30 Uhr, heißt „Der Himmel über den Britischen Inseln“. Maximilian Hornung ist der Solist im Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85 von dem Engländer Edward Elgar, Generalmusikdirektor Axel Kober ergänzt mit der Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56   „Schottische“ von dem vor 175 Jahren gestorbenen Felix Mendelssohn-Bartholdy. Karten gibt es unter karten@theater-duisburg.de.

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