Duisburg: Kindesmissbrauch nimmt zu

Aktuelle Zahlen vorgelegt : Kindesmissbrauch: Zunahme der Fälle um 50 Prozent

Das Bündnis gegen sexuellen Kindesmissbrauch legt aktuelle Zahlen vor: Die Verdachtsfälle stiegen 2017 auf 179 an, zwei Drittel der Opfer sind Mädchen, 80 Prozent der Täter sind männlich.

(tl) Ein siebenjähriges Mädchen wird von seinen Eltern sexuell missbraucht, sowohl vom Vater als auch von der Mutter. Verhaltensauffälligkeiten führen dazu, dass eine Erzieherin Verdacht schöpft und Kontakt zu einer Beratungsstelle aufnimmt. Der Verdacht erhärtet sich, das Mädchen kommt in eine Pflegefamilie, die Eltern werden angeklagt. Kein Einzelfall. Seit fünf Jahren arbeitet ein Bündnis aus Caritas, dem Kinderschutzbund, der evangelischen Beratungsstelle und dem Verein Wildwasser in Duisburg als Team zusammen. Die aktuellen Zahlen, die es nun ermittelt hat, zeigen einen kontinuierlichen Anstieg von Fällen sexuellen Missbrauchs von Kindern: Waren es 2013 noch 91 Verdachtsfälle, denen nachgegangen wurde, stieg die Zahl 2017 auf 179 an. Auch, weil das Beratungsteam im sogenannten Dunkelfeld arbeitet. Das heißt mit Fällen, die nicht zur Anzeige kommen und somit in der polizeilichen Statistik nicht erfasst werden. Die erfassten Fälle haben laut Kriminalitätsbericht der Polizei Duisburg von 2016 (30 Fälle) auf 2017 (61 Fälle) um 50 Prozent zugenommen. Zu den erhöhten Zahlen könnte auch beigetragen haben, dass die Tabuisierung dieses Themas langsam abnehme, so die Fachfrauen des Beratungsbündnisses. Die Betroffenen sind in der Regel Mädchen, etwa zwei Drittel. „Wobei auch sehr viele Jungen Opfer sind, nur die Dunkelziffer ist bei ihnen immer noch höher“, sagt Yansa Schlitzer, eine der Facharbeiterinnen vom Team Diagnostik. „In 80 Prozent der Fälle sind die Täter männlich. Es gibt aber auch Täterinnen oder sogar beide Elternteile werden zu Tätern.“

Kinder und Jugendliche können die Beratung ohne das Wissen ihrer Eltern in Anspruch nehmen. Sie ist kostenlos, auf Wunsch anonym und die Fachkräfte unterliegen der Schweigepflicht. Oft ist es das Fachpersonal aus öffentlichen Einrichtungen, das sich an eine der vier Beratungsstellen wendet. „Wenn ein ängstliches Kind auf einmal laut wird oder umgekehrt; wenn es wieder anfängt, einzunässen oder wenn es sich einkotet; wenn es sexualisiertes Verhalten zeigt, Grenzen immer wieder überschreitet: all das sind Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt“, so Irmgard Bosch. Erhärtet sich ein Verdacht, kommt es zur Anzeige. Auf der anderen zur therapeutischen Versorgung der Opfer sowie Begleitung der Familien. Dennoch: „Das System braucht Beratung und Unterstützung“, so Irmgard Bosch.

(tl)
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