Duisburg: Keiner will für die Ausbildung der Notfallsanitäter zahlen

Neue Online-Petition übergeben: Keiner zahlt Notfallsanitäter-Ausbildung

Die 30-jährige Rettungssanitäterin Diana Nellen aus Homberg bangt wie viele ihrer Duisburger Kollegen um ihre Zukunft. Nach einer Gesetzesänderung sollen „Notfallsanitäter“ die bisherigen „Rettungsassistenten“ ersetzen. Doch deren Ausbildung will niemand bezahlen.

Das neue Berufsbild Notfallsanitäter soll mehr Rechtssicherheit für die Beschäftigten des Rettungsdienstes schaffen und den Beruf attraktiver gestalten – die Ausbildungsdauer wird auf drei Jahre erhöht, eine Ausbildungsvergütung eingeführt. Und da fängt das Problem an: Die Aus- und Weiterbildungskosten sind zum Zankapfel zwischen Kommunen und Krankenkassen geworden – zum Leidwesen der betroffenen Sanitäter. Diana Nellen hat daher eine Online-Petition gestartet und um Unterstützung gebeten. „Lieber Herr Link, die Sanitäts- und Rettungskräfte in Duisburg brauchen Sie“, heißt es dort. Innerhalb von 14 Tagen sammelte sie so 450 Unterschriften. „Die Krankenkassen blockieren unsere Ausbildung nun schon seit Jahren. Ich habe Angst, dass uns die Zeit davon läuft“, heißt es in der Petition. Die heutigen Rettungsassistenten haben noch bis Ende 2020 Zeit, eine Ergänzungsprüfung zu absolvieren. Danach müssen sie die volle dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter durchlaufen.

In ihrer Petition bittet die 30-jährige Sanitäterin der Johanniter die Stadtspitze nun, gemeinsam mit den Krankenkassen eine Lösung zu finden. Schließlich gebe es schon jetzt in ganz NRW einen Fachkräftemangel bei Rettungssanitätern. Am Mittwoch übergab Diana Nellen die gesammelten Unterschriften an Ralf Krumpholz, Duisburgs Dezernent für Integration, Sport und Gesundheit, Verbraucherschutz und Feuerwehr.

Für Krumpholz, die Johanniter Unfallhilfe und auch die Duisburger Feuerwehr, die mit rund 500 Kräften den Großteil des Rettungsdienstes in unserer Stadt bestreitet, ist die Sache klar: „Die Krankenkassen müssen die Ausbildung bezahlen“, so der Dezernent. Christian Umbach, stellvertretender Duisburger Feuerwehrchef: „Das steht so ausdrücklich im Gesetz.“ Das sehen die Krankenkassen anders (siehe Box).

Obwohl die Feuerwehr den größten Teil des Rettungsdienstes in Duisburg abdeckt, sagt Umbach: „Wir brauchen auch die anderen Organisationen.“ Einrichtungen wie die Johanniter Unfallhilfe zum Beispiel, die in Duisburg 45 Sanitäter im Einsatz hat. Und die wollen nun Klarheit – und eine Perspektive. Denn in diesem aufreibenden Beruf, der wie bei der Feuerwehr in 24-Stunden-Schichten geregelt ist, arbeitet kaum jemand bis ins Rentenalter. Zehn Einsätze in 24 Stunden – das sei durchaus üblich, berichtet der stellvertretende Feuerwehrchef. Da wäre es gut, wenn er zum Notfallsanitäter fortgebildet wird – mit dem zusätzlichen Wissen ist es hinterher deutlich einfacher, aus dem Rettungsdienst auszuscheiden, um dann in einem anderen medizinischen Bereich noch einmal beruflich Fuß zu fassen.

Wer fünf Jahre Berufserfahrung als Rettungsassistent bei der Feuerwehr hat, kann sich in einer intensiven dreiwöchigen Schulung zum Notfallsanitäter ausbilden lassen. Aber auch das ist nicht einfach: „Ich kann ja nicht 20 Leute gleichzeitig für mehrere Wochen ausbilden lassen – die fehlen dann bei der normalen Einsatzplanung.“