Duisburg: Keine Entwarnung für Grobblechwalzwerk von Thyssen in Hüttenheim

Stahlindustrie in Duisburg : Keine Entwarnung fürs Grobblechwerk

Auch nach der Vorstellung der Stahlstrategie durch den Vorstand von Thyssenkrupp Steel bleibt die Zukunft der rund 800 Beschäftigen des Grobblechwerks in Hüttenheim ungewiss. Investitionen soll es am Standort Hamborn geben.

Rund 150 Folien umfasst das Konzept „Stahlstrategie 2020-30+“, das der Stahlvorstand am Donnerstag in zwei Betriebsversammlungen um 9 und um 16.30 Uhr in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Nord rund 3500 Beschäftigten von Thyssenkrupp Steel vorgestellt hat. „Heute hat der Vorstand gegenüber der Belegschaft endlich die Katze aus dem Sack gelassen“, kommentierte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Tekin Nasikkol. Der Aufsichtsrat hatte die vom Betriebsrat schon lange angemahnte Zukunftsstrategie für den Stahlbereich des Thyssen-Konzerns bereits am Dienstag diskutiert, nachdem wie berichtet rund 6000 Stahlkocher vor der Hauptverwaltung für die Zukunft der Standorte demonstriert hatten.

Die Vertreter des Betriebsrats erläuterten, bisher gebe es von ihnen erst eine vorläufige Bewertung der Pläne des Vorstands. „Das ist so komplex, da werden wir noch einige Zeit brauchen“, erklärten Nasikkol und sein Stellvertreter Horst Gawlik am Donnerstag vor der Presse. „Die neue Stahlstrategie beinhaltet Licht und viel Schatten, vor allem aber viele Fragezeichen“, sagte Tekin Nasikkol. Positiv bewerten die Arbeitnehmervertreter, dass die neue Strategie mit zehn Jahren langfristig angelegt ist und dass es Zusagen für die vom Betriebsrat schon so häufig geforderten Investitionen in die Anlagen gibt. Davon wird wohl vor allem der Standort Hamborn/Beeckerwerth mit seinen 13.000 Beschäftigten profitieren. Dies sei aber auch nur dann der Fall, wenn die gemachten Zusagen auch tatsächlich eingehalten würden. Letztlich werde sich dies wohl erst im März entscheiden, wenn die Konditionen für den geplanten Verkauf der Aufzugssparte des Gesamtkonzerns bekannt seien.

Konkrete Zahlen über die Höhe der Investition hatte der Vorstand Nasikkol zufolge noch nicht genannt. Der Betriebsrat hatte in der Vergangenheit rund 1,5 Milliarden Euro dafür veranschlagt. Allein an „Standard-Investitionen“ seien 570 Millionen Euro notwendig, um die Anlagen überhaupt wettbewerbsfähig zu halten. Dazu kommen Kosten für Restrukturierungen und für die Transformation, um die Stahlproduktion künftig möglichst CO2-arm zu bewerkstelligen. Ebenfalls positiv sehen die Arbeitnehmervertreter, dass keine Kapazitäten in der Stahlproduktion abgebaut würden, allenfalls käme es zu Verlagerungen.

„Für das Grobblechwalzwerk in Hüttenheim gibt es hingegen noch keine Entwarnung“, so der Betriebsratschef. Der Vorstand habe lediglich erklärt, die Situation des Werkes „ergebnisoffen“ zu prüfen. Diesen Worten traut der Betriebsrat nicht so recht: „Zwischen den Zeilen ist zu merken: Die drehen das Ding immer schärfer“, sagte Nasikkol. Die Situation sei aber nicht Schuld der Belegschaft. „Das Management hat den Laden runtergewirtschaftet, weil es dort nicht investiert hat und beklagt nun, dass die Zahlen nicht stimmen.“ Er forderte stattdessen, in Hüttenheim ebenfalls in größerem Rahmen Investitionen vorzunehmen. „Die reine Konzentration auf die Automobilindustrie hielten wir für einen Fehler“, so Nasikkol. Neben dem Hüttenheimer Werk seien auch Anlagen in Bochum und der Bereich Electrical Steel in Gelsenkirchen in Gefahr.

Konkrete Zahlen zum Personalabbau – die Rede war von 2000 von insgesamt 27.000 Beschäftigten an allen Stahlstandorten – habe der Vorstand ebenfalls nicht genannt.

Der Tarifvertrag sei zunächst für drei Monate verlängert worden, was Gawlik als „Beruhigungspille“ bezeichnete. Der ursprüngliche „Tarifvertrag Zukunft“ hatte betriebsbedingte Kündigungen bis 2026 ausgeschlossen, läuft aber nach der geplatzten Fusion mit Tata Steel eigentlich Ende des Jahres aus. Wie es für die Beschäftigten nach der dreimonatigen Verlängerung im März weitergeht, ist noch unklar. Vorrangig seien jetzt die angekündigten Investitionen. Martina Merz, Vorstandschefin des Gesamtkonzerns, habe ja zuletzt eine „Liebeserklärung“ für den Stahl abgegeben, sagte Nasikkol: „Liebe allein reicht nicht. Sie muss jetzt zeigen, wie weit die Liebe geht.“