Duisburg: Kaum Interesse an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident in Duisburg-Marxloh: "Steinmeier wird wieder verschwinden und nichts wird sich tun"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht Problemviertel Duisburg-Marxloh

Der Besuch von Frank-Walter Steinmeier ließ die Duisburger eher kalt. Nur wenige Zuschauer waren am Morgen in Marxloh. Und die, die da waren, bewerteten den Auftritt des Präsidenten kritisch.

Der Himmel war so grau wie der Stadtteil selbst. Pünktlich zum Antrittsbesuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zogen am Dienstagmorgen dicke Regenwolken über Duisburg-Marxloh. Nur wenige Zaungäste waren an die Absperrungen vor der Katholischen Grundschule an der Henriettenstraße gekommen, in der das deutsche Staatsoberhaupt auf seiner Antritts-Tour durch NRW Station machte, um sich über die Entwicklungen in Duisburgs Problemstadtteil zu informieren.

Lust auf den Besuch des Bundespräsidenten schien in der Stadt kaum jemand zu haben. Selbst Oberbürgermeister Sören Link fand im Vorfeld von Steinmeiers Besuch kritische Töne. Gegenüber der "Welt" sagte er, dass Duisburg mehr sei als eine Region der Abgehängten. Karl-August Schwarthans, über lange Jahre Geschäftsführer der Duisburger Arbeiterwohlfahrt, sprach im WDR gar von "Katastrophentourismus".

Die Ablehnung setzte sich am Dienstagmorgen auch am Straßenrand fort: "Und wieder einer", sagte zum Beispiel Harald Borum, der seit über 40 Jahren in Marxloh lebt. "Wir haben hier schon viele gehabt. Die Bundeskanzlerin, Armin Laschet, Cem Özdemir — alle waren sie hier, um sich Marxloh anzusehen. Verändert haben sie nichts. Auch Steinmeier wird wieder verschwinden und nichts wird sich tun." Die Stadt sei wenigstens bemüht, die Probleme anzugehen. "Von der Bundespolitik kommt da aber zu wenig."

Der Bundespräsident schien sich die kritischen Töne im Vorfeld zu Herzen genommen zu haben. Er betonte bei seinem Schulbesuch, dass er zwar auch nach Marxloh gekommen sei, um sich die Probleme anzusehen, mit denen das Land zu kämpfen habe. Auf der anderen Seite sei es aber genauso wichtig, einmal herauszustellen, wie erfolgreich die Menschen diesen Problemen begegneten. Er verwies unter anderem auf die Arbeit der Lehrer an der Grundschule Henriettenstraße, in der 200 Kinder aus 15 Nationen gemeinsam lernen. "Diese Schule ist ein gutes Beispiel für funktionierende Integration", sagte Steinmeier. "Die Lehrerinnen und Lehrer arbeiten hier mit großem Einsatz und Engagement an der Zukunft dieser Kinder."

  • Steinmeier in Duisburg-Marxloh : Ein wichtiger Besuch

Neben seinem Schulbesuch standen für den Bundespräsidenten dann noch ein Stopp an einer (inzwischen von der Stadt geräumten) Problemimmobilie und ein Gespräch mit Geschäftsleuten in einem Brautmodenladen auf dem Programm. Danach ging es für ihn weiter nach Dortmund.

Zurück blieben die Marxloher Bürger. Dieter Trogisch zum Beispiel wohnt ganz in der Nähe des früheren Problemhauses, das sich der Bundespräsident hatte zeigen lassen. Heute kümmert sich der Pensionär als sogenannter Straßenpate um kleine Blumenbeete an der Henriettenstraße. "Als Nachbar habe ich erlebt, wie es in diesem Haus zuging, als es noch bewohnt war", sagte er. "Die Bewohner haben uns um den Schlaf gebracht. Die waren selten vor 4 Uhr im Bett. Und selbst nachts haben da noch Kinder draußen gespielt."

Nach der Räumung des Gebäudes, habe sich die Situation deutlich entspannt. "Die Stadt tut also was." Den Besuch des Bundespräsidenten bewertete auch er kritisch. "Dieser Rummel ist hier ja schon beinahe normal", sagte er. Getan habe die Politik auch nach Angela Merkes Besuch aber wenig. Ob Steinmeiers Besuch dem Stadtteil etwas bringen wird? "Vielleicht. ... Wohl eher nicht. Ich hoffe das die Bundesregierung dadurch etwas nachdenklicher wird. Dadurch wäre schon viel gewonnen."