Duisburg: Katrin Göring-Eckardt hält Kanzelrede in der Salvatorkirche

Katrin Göring-Eckardt in der Salvatorkirche : Klimagerechtigkeit als soziale Frage

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt hielt im Rahmen der Utopie-Akzente eine Kanzelrede in der vollbesetzten Salvatorkirche.

Voll besetzt war die Salvatorkirche, als die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, im Rahmen der diesjährigen Utopie-Akzente über Klimagerechtigkeit sprach. Eingebettet war ihr Vortrag von einer prägnanten Begrüßung durch Pfarrer Armin Schneider, den Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg, einer thematisch ideal passenden Lesung aus dem Buch Amos, eines sozialkritischen Propheten, der im 8. Jahrhundert vor Christus lebte, mit Liturgin Elke Lindner, und zwei wundervollen Arien aus dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn, musikalisch vorgetragen von der Sopranistin Lena Maria Kramer und dem Pianisten Christian Gerhards, der für den kurzfristig verhinderten Marcus Strümpe einsprang.

„Und nun zum Wetter“, mit dieser floskelhaften Ankündigung der Wettervorhersage in der Tagesschau und bei den Tagesthemen, „als quasi letzten Meldung“, so Schneider, schließen seit Jahren die Top-Nachrichtensendungen im Ersten. Dabei sei das Klima das inzwischen fast bedeutendste Thema der Menschheit überhaupt, korrigierte er die Prioritätenfolge journalistischer Gepflogenheiten. „Die Veränderung des Klimas ist durch Menschen gemacht. Und sie ist mitnichten nur eine Frage der Umwelt, sondern eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.“

Mit ähnlichen Worten begann auch die Grünen-Politikerin ihre Rede, die neben ihrer politischen Karriere unter anderem auch als langjähriges Mitglied im Vorstand des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages aktiv ist. „Der Klimawandel ist nicht nur ein Thema unter vielen, sondern es ist das zentrale Thema, das mich als Christin bewegt. Dabei geht es um soziale Gerechtigkeit ebenso wie um Fluchtursachen und Generationsgerechtigkeit.“ Und weiter sagte sie: „Utopien sind Sehnsuchtsorte, die man Wirklichkeit werden lassen möchte“. Insofern verbindet Göring-Eckardt mit der inzwischen weltweiten Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ die berechtigte Hoffnung auf Klimagerechtigkeit auf diesem Planeten. „Der Planet braucht uns nicht, aber wir brauchen ihn.“ Deshalb sei die Bewegung der schwedischen Gründerin Greta Thunberg auch eine „große Anklage“ an die Wohlhabenden und Verursacher der Katastrophe. „Die Bevölkerungsgruppen, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, haben am stärksten unter seinen Folgen zu leiden“, lautet die Anklage.

„Die Schüler von ‚Fridays for Future‘ fordern, was andere nur denken“, so Göring-Eckhardt. Und auf den Vorwurf des Schulschwänzens reagierend: „Warum soll man für die Zukunft lernen, wenn man unsere Zukunft raubt.“ Göring-Eckardt: „Häufig heißt es: Ich will, dass mein Kind es einmal besser hat. Warum gilt das nicht auch für das Klima?“ Ihre fast schon „prophetische Rede“ (Schneider) schloss sie mit einem Appell: „Wenn aus Angst mit Gott im Rücken Haltung und Handeln entsteht, dann können wir Kraft und Hoffnung schöpfen, um utopisches Wirklichkeit werden zu lassen! In diesem Sinne sollten wir einmal mehr auf die Propheten hören.“