Duisburg: Katharina Grosse und Gotthard Graubner im Museum Küppersmühle

Museum Küppersmühle : Farbe absolut

Das Museum Küppersmühle zeigt in einer dialogischen Ausstellung Werke von Gotthard Graubner (1930 – 2013) und seiner prominenten Meisterschülerin Katharina Grosse. Die Schau ist ein Höhepunkt der Akademos-Reihe.

Das Museum Küppersmühle ist nicht nur ein Haus der modernen Kunst, sondern auch der großen Formate. Aber das Herzstück der aktuellen Ausstellung lässt Werke von Gerhard Hoehme, Anselm Kiefer, A.R. Penck oder Gerhard Richter fast klein erscheinen. Gemeint ist Katharina Grosses Tucharbeit im größten Ausstellungssaal des Museums. Sie ist 17 Meter lang und fast sechs Meter hoch und umfasst damit die Quadratmeterzahl einer ziemlich geräumigen Mehrzimmerwohnung. Doch nicht allein die Größe des Werkes macht den Besuch der Schau lohnenswert, auch die interessante und schöne Ausstrahlung der Arbeiten ist verlockend. Nicht zuletzt fasziniert der künstlerische Dialog, der hier verfolgt werden kann. Gezeigt werden nicht nur die Werke der international gefeierten Malerin Katharina Grosse, sondern auch die ihres akademischen Lehrers Gotthard Graubner (1930 bis 2013), der übrigens vor Jahren bereits eine Einzelausstellung im Museum Küppersmühle hatte.

Die Ausstellung findet in der seit dem Jahr 2001 laufenden Reihe „Akademos“ statt, bei der Künstler, die als Professoren an der Düsseldorfer Kunstakademie wirk(t)en, vorgestellt werden. Die aktuelle Ausstellung ist etwas Besonderes. Sowohl Graubner als auch Katharina Grosse waren Professoren an der Kunstakademie Düsseldorf; darüber hinaus war Katharina Grosse dort nicht nur von 2010 bis 2018 Professorin, sie war auch einst Studentin, gar Meisterschülerin von Gotthard Graubner, der von 1976 bis 1998 an der Kunstakademie lehrte.

Gemeinsam ist den Künstlern, dass die Farbe in ihren Arbeiten „absolut“ ist. Die Farbe ist nicht Dienerin der Form, vielmehr bestimmen Farben das gesamte Werk vollständig, wobei Assoziationen, die der Betrachter mehr oder weniger unwillkürlich entwickeln kann, durchaus gewollt sind. Trotz dieser Gemeinsamkeit sind die Malereien der beiden Künstlerpersönlichkeiten höchst unterschiedlich. Graubner trägt in seinen „Farbraumkörpern“, die man gerne als „Kissenbilder“ bezeichnet, Farben in harmonischen Tonalitäten mit Pinseln oder Besen auf. Die Übergänge geschehen in behutsamen Abstufungen. Scharfe Konturen, eckige Elemente und ins Auge springende Kontraste findet man bei Graubner nicht. Bei ihm bestimmen geschwungene Linien und „weiche Wechsel“ das Werk.

Ganz anders arbeitet Katharina Grosse. Sie verzichtet meist auf Pinsel, sondern trägt wässrige, knallige Farben mit der Sprühflasche auf. „Unzählige Impulse werden gesendet und fordern das Sehzentrum auf, ein Bild zu formen“, heißt es im Katalog. Museumsdirektor Walter Smerling sagt es so: „Katharina Grosses explosive Farbwelten treffen auf Gotthard Graubners Farbraumkörper wie reißende Flüsse auf einen ruhigen stillen See.“

Kuratorin Eva Schmidt hat die Ausstellung, in der insgesamt 55 Werke präsentiert werden, „nicht als Retrospektiven von zwei Künstlern, die sich nebeneinander her entfalten“ konzipiert, sondern als „exemplarische Gegenüberstellung, wobei natürlich das verbindende Glied die gegenstandslose Farbmalerei beider ist“.

Ausstellung bis 26. Januar. Der Katalog (151 Seiten) kostet an der Museumskasse 30 Euro.