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Duisburg: Karstadt- und Kaufhof-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Fusionspläne : Kaufhaus-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Der geplante Zusammenschluss der Kaufhausketten Kaufhof und Karstadt hat bei den Mitarbeitern für Verunsicherung gesorgt. Verdi fordert Klarheit für die Beschäftigten, der Einzelhandelsverband mahnt vor verfrühter Panikmache.

Auf die Mitarbeiter der Karstadt- und Kaufhofilialen in Duisburg kommen unruhige Tage und Wochen zu. Duisburg mit seiner Karstadtfiliale im Forum und dem Kaufhof an der Düsseldorfer Straße ist ein sogenannter Doppelstandort. Und genau die stehen im Fokus der jüngst vorgestellten Fusionspläne.

Wie aus der am Donnerstag unterzeichneten Absichtserklärung des kanadischen Kaufhof-Eigentümers Hudson‘s Bay Company (HBC) und des Karstadt-Eigentümers Signa hervorgeht, sollen Karstadt, Kaufhof und Karstadt Sport in einem Gemeinschaftsunternehmen aufgehen. Kaufhof soll 96 Warenhäuser einbringen, Karstadt 82. Signa übernimmt demnach 51 Prozent an dem geplanten Joint Venture. Die operative Führung soll Karstadt übernehmen. Das große Fragezeichen für die Angestellten liegt in der Ankündigung, dass es im Zuge des Joint Ventures zu Schließungen von einzelnen Filialen an sogenannten Doppelstandorten kommen soll. Zuletzt war in Verhandlungskreisen von „weniger als 15 Filialen“ die Rede.

 Duisburg ist ein sogenannter Doppelstandort. Auch eine Kaufhoffiliale gibt es.
Duisburg ist ein sogenannter Doppelstandort. Auch eine Kaufhoffiliale gibt es. Foto: Rheinische Post/Tim Harpers

Die Gefährdungslage für die rund 360 Duisburger Kaufhaus-Mitarbeiter (Kaufhof rund 160, Karstadt rund 200) ist derzeit noch diffus. „Dass es in einer Stadt zwei Filialen gibt, muss nicht zwingend heißen, dass einer davon die Schließung droht“, sagt Nils Böhlke, beim Verdi-Landesverband zuständiger Sekretär für den Handel. „Gerade in einer Großstadt wie Duisburg kann es durchaus sein, dass zwei Filialen profitabel arbeiten können.“ Gleichwohl habe die Ankündigung der Geschäftsführungen bei den Mitarbeitern für Unsicherheit gesorgt. Bundesweit sei im Zuge der Absichtserklärung der Betrieb von 15 Filialen infrage gestellt worden. Unklar sei unter anderem, welche Faktoren bei der Auswahl der zu schließenden Filialen eine Rolle spielen. „Nun kann es zum Beispiel sein, dass man sich zunächst anschaut, wo welche Mietverträge auslaufen. Wir wissen es aber schlicht und ergreifend nicht. Deshalb fordern wir, dass nun zügig weitere Details zu der geplanten Fusion bekanntgegeben werden. Die Mitarbeiter brauchen Klarheit und Planungssicherheit.“

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Auch Wilhelm Bomman, Geschäftsführer des für Duisburg zuständigen Einzelhandelsverbands Niederrhein, mahnt zur Zurückhaltung. Für Panikmache sei es derzeit noch zu früh. „Wir haben schon bei der Diskussion um die Standorte vor einigen Jahren betont, dass wir der Meinung sind, dass eine Großstadt wie Duisburg mit rund 500.000 Einwohnern zwei Kaufhäuser dieser Größenordnung vertragen kann“, sagt er. „Unsere Position diesbezüglich hat sich nicht geändert.“ Der Spielball liege nun bei den Konzernen. „Ob Duisburg betroffen sein wird, müssen wir abwarten. Ich rechne damit, dass es in den kommenden Wochen in den Konzernzentralen in Essen und Köln heiß hergehen wird.“

Besonders um die Duisburger Karstadtfiliale gab es bereits in der Vergangenheit Diskussionen. Im Zuge der Arcandor-Insolvenz im Jahr 2009 stand der Standort im Forum für einige Zeit auf der Kippe. Nach Bekanntwerden der Hiobsbotschaft schwappte eine Solidaritätswelle für das Warenhaus und seine Mitarbeiter durch Duisburg. So veranstaltete die Stadt zum Beispiel einen „Solidaritätstag“, an dem sich neben den Mitarbeitern und hunderten Gästen auch andere Duisburger Unternehmen wie König Pilsener beteiligten. Die endgültige Entwarnung gab es dann rund ein Jahr später. Als bekannt wurde, dass den Duisburgern das Warenhaus wohl erhalten bleiben würde, knallten im Forum die Sektkorken. Auf so ein glückliches Ende müssen die Kaufhof- und Karstadt-Mitarbeiter nun wieder hoffen.

(th)