Duisburg: Kampf gegen sexuellen Missbrauch an Schulen

Duisburg : Kampf gegen Missbrauch

Die Präventionsarbeit der bischöflichen Schulen erhält jetzt feste Strukturen. In Duisburg sind das St. Hildegardis-Gymnasium und das Abtei-Gymnasium betroffen. Im Mittelpunkt soll eine Haltung der Achtsamkeit stehen.

Mit neuen, gemeinsam von Schülern, Lehrern und Eltern erarbeiteten Präventionskonzepten stärkt das Bistum Essen an seinen Schulen in Duisburg (Abtei- und St.-Hildegardis-Gymnasium), Gladbeck (Jordan-Mai-Schule) und Essen (Marien- und Nikolaus-Groß-Abendgymnasium sowie Sekundarschule und Gymnasium am Stoppenberg) den Kampf gegen sexuellen Missbrauch. Gemeinsam mit den jeweils vor Ort speziell qualifizierten Lehrern und der Präventionsbeauftragten des Bistums, Andrea Redeker, hat Generalvikar Klaus Pfeffer diese Institutionellen Schutzkonzepte jetzt unterschrieben und damit in Kraft gesetzt. Gleichzeitig hat Pfeffer auch ein entsprechendes Konzept für die Bischöfliche Verwaltung, das Essener Generalvikariat, unterzeichnet. Auch viele Pfarreien haben in den vergangenen Monaten eigene Schutzkonzepte erarbeitet oder sind derzeit dabei, diese zu erstellen.

Durch die neuen Schutzkonzepte erhält die in den vergangenen Jahren begonnene intensive Präventionsarbeit in den verschiedenen katholischen Einrichtungen eine feste, jeweils auf die besonderen Bedingungen der Einrichtung ausgerichtete Form. So wurden die Schutzkonzepte an den Schulen gemeinsam mit Schülern, Lehrern und Eltern erstellt. Am Anfang stand jeweils eine Risikoanalyse mit der Frage, in welchen Situationen besondere Gefährdungspotentiale für sexualisierte Gewalt entstehen und wie man diesen begegnen kann. Ausgehend davon wurde dann ein jeweils individuelles Konzept erarbeitet, das zum Beispiel feste Regeln für die Schulung der Mitarbeiter umfasst, aber auch einen Verhaltenskodex, den alle Mitarbeiter – aber beispielsweise auch Schüler – unterschreiben.

Generalvikar Pfeffer zeigte sich dankbar für die intensive Arbeit, die in Sachen Prävention in den vergangenen Jahren an den Schulen geleistet wurde. „Es ist gut, dass diese Präventionsideen so weite Kreise gezogen haben und so viele Gruppen einbezogen wurden“, sagte Pfeffer bei der Unterzeichnung in Essen. Es gehe bei den Schutzkonzepten weniger um neue Regeln als darum, „reflektiert mit Kinder und Jugendlichen zu arbeiten und eine grundsätzliche Haltung zu entwickeln, in der eine Kultur der Achtsamkeit an oberster Stelle steht“. An den Schulen geht es bei dieser Haltung nicht nur um einen wachen Blick auf das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern. Die Schutzkonzepte geben auch Tipps für den Umgang mit Verdachtsfällen von sexualisierter Gewalt, die Kinder womöglich außerhalb der Schulen erleiden – sowie zu Konflikten zwischen einzelnen Schülern. Die beteiligten Lehrer berichteten, dass es an ihren Schulen grundsätzlich eine große Offenheit für die Präventionsarbeit gab, wenngleich manche Lehrer zunächst mit Vorbehalten reagiert hätten. Im Fokus der Schutzkonzepte stehe aber weniger die Frage „was dürfen wir noch und was nicht mehr“, berichtet eine Lehrerin der Jordan-Mai-Schule. „Wir haben vielmehr eine gemeinsame Haltung entwickelt, wie wir im Schulalltag zum Beispiel mit den Fragen von Nähe und Distanz umgehen.“ An der Gladbecker Förderschule sind diese gerade im Umgang mit Schülern mit Behinderungen besonders relevant. Auch andere Lehrer bestätigen, dass die in den Schutzkonzepten beschriebenen Haltungen neue Sicherheit geben – und so letztlich mehr Freiheiten als Einschränkungen. Transparenz ist ein wichtiger Aspekt aller Schutzkonzepte. So werden alle Konzepte in Kürze auf den Internetseiten der Einrichtungen veröffentlicht. Bei einigen Schulen hat schon die Arbeit an den Konzepten für großes Interesse im Kollegen-Kreis geführt: So haben einige staatliche Schulen bereits ihr Interesse an den Präventionskonzepten der Kirche angemeldet.

(RP)
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