Duisburg: Kammerkonzert mit toller Zugabe

Kammerkonzert : Spieltechnisch souverän und bestens aufeinander eingespielt

Im Kammerkonzert in der Philharmonie Mercatorhalle spielte das erstklassige Duo Isabelle Faust und Alexander Melnikov vier (mit Zugabe fünf) Werke.

Das mit Abstand jüngste der vier Werke für Violine und Klavier auf dem Programm war das bereits vor fünf Jahren komponierte, aber eben erst jetzt in diesem Duisburger Konzert uraufgeführte „Retrospect“ von dem 1981 geborenen Esten Mihkel Kerem, der seit langem in London lebt. Es handelt sich dabei um eine emotional intensive, sehr freie Fantasie über jene bekannte Sonate A-Dur (1886) von César Franck, die hier am offiziellen Ende des Abends stand. Kerem streift darin auch den Stil des international bekanntesten estnischen Komponisten Arvo Pärt. Er selbst äußerte zu seinem Werk die folgenden Gedanken: „Ich fühlte mich ein wenig ängstlich, als Alexander Melnikov mich vor einigen Jahren bat, ein Musikstück zu schreiben, das mit César Francks Sonate aufgeführt werden könnte. Was kann man mit Vollendung tun, ohne sie zu zerstören. Ich fragte mich, was man einem so herrlichen musikalischen Meisterwerk hinzufügen könnte?! Und wer bin ich, so etwas zu wagen? (...) Lassen wir uns diesen alten Mann vorstellen, der allein in seinem kärglichen Zimmer mit einem kleinen Fenster und nur einem Tisch, einem Stuhl und einem Bett sitzt und auf sein Leben zurückblickt und sich allein durch César Francks Sonate für Klavier und Violine daran erinnert.“

Die beiden anderen, gleichfalls französischen Sonaten passten perfekt in diese (gegenüber den ursprünglichen Ankündigungen etwas geänderte) Abfolge. Es waren die einzige Sonate g-Moll von dem vor 100 Jahren gestorbenen Claude Debussy und die ebenfalls 1916/17 entstandene, aber noch etwas sprödere und vor allem konservativere Sonate Nr. 2 e-Moll op. 108 von Gabriel Fauré. Isabelle Faust und Alexander Melnikov zeigten sich spieltechnisch souverän und bestens aufeinander eingespielt, hier allerdings noch ein wenig nervöser und somit unschärfer klingend als gewohnt. Erst nach und nach klärte sich das Bild. Jedenfalls gelang es ihnen großartig, die jeweils zwischen Abstandhalten und Gefälligkeit changierende Natur der – auch unter diesem Aspekt vorzüglich ausgewählten – Werke herüber zu bringen. Das ließ sich besonders gut an der Zugabe ablesen, denn Faurés beliebte „Berceuse“ op. 16 (1880) in der Originalfassung für Violine und Klavier war bei Isabelle Faust und Alexander Melnikov kein Salonstück, sondern wirklich ein sanftes Wiegenlied, zugleich nicht ohne unruhige Untertöne.

Im nächsten, dritten Duisburger Kammerkonzert am Sonntag, 18. November, um 19 Uhr, in der Philharmonie Mercatorhalle, spielt die in Georgien geboren und seit vier Jahrzehnten in Wien lebende russische Pianistin Elisabeth Leonskaja Werke aus ihrer Wahlheimat - vor allem drei große von Franz Schubert, aber im Wechwel auch je ein ganz kurzes von Arnold Schönberg und Anton Webern. Karten gibt es am einfachsten im Internet unter der Mail-Adresse karten@theater-duisburg.de.

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