Duisburg: Kammerkonzert erinnert an Else Lasker-Schüler

Kammerkonzert erinnert an Else Lasker-Schüler : Mit Mandoline und Dichterin

Das achte Kammerkonzert widmete sich dem 150. Geburtstag von Else Lasker-Schüler.

Die Schauspielerin Martina Gedeck, der kaum weniger prominente Mandolinist Avi Avital und Dávid Adorján, seit zwei Jahrzehnten Solocellist des Deutschen Symphonie-Orchesters in Berlin, versammelten sich jetzt in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle zu dem Projekt „Mein Herz – Aufbruch in die Moderne“ des Regisseurs Stephan Barbarino.

Verschiedene Texte der vor 150 Jahren in Elberfeld (das seit 1929/30 zu Wuppertal gehört) geborenen deutsch-jüdischen Autorin Else Lasker-Schüler (1869-1945) wechselten mit einzelnen Sätzen aus Werken verschiedener Komponisten, die meisten waren Zeitgenossen der Dichterin, die gleichfalls zwanglose Wege in die Moderne suchten. Im Mittelpunkt standen dabei die bekannten Kompositionen für Violine (hier sinnvoll ausgeführt auf der gleich gestimmten Mandoline) und Violoncello von Zoltán Kodály, Maurice Ravel und Erwin Schulhoff. Gut ausgewählt wirkten auch die beiden jüngeren Stücke, nämlich die augenzwinkernde „Valse bavaroise“ (2008) von Jörg Widmann und die vor 70 Jahren entstandene Serenade für Violoncello solo von Hans Werner Henze.

Else Lasker-Schüler war eine deutsch-jüdische Autorin. Foto: ullstein bild

Else Lasker-Schüler befreite sich schon früh nicht nur aus ihrer Ehe mit dem Arzt Bertold Lasker, sondern auch aus den Zwängen der bürgerlichen Gesellschaftsordnung ihrer Heimatstadt. Sie zog nach Berlin und heiratete 1903 den Komponisten, Galeristen und Herausgeber Georg Lewin. Seiner neuen, expressionistischen Zeitschrift verpasste sie den Titel „Der Sturm“ - und ihm den neuen Namen Herwarth Walden. 1912 wurde sie von Walden wieder geschieden, nachdem sie eine Reihe von schrägen Briefen an ihn geschrieben und diese als Roman unter dem Titel „Mein Herz“ veröffentlicht hatte. Darin setzt sie sich mit der Beziehung zu ihrem Mann auseinander und berichtet freimütig von ihren prominenten Liebhabern, die unter ihren Decknamen leicht zu erkennen sind: „Minn“ ist der Kollege Gottfried Benn (der Lasker-Schüler als „die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte“ bezeichnete), der „Bischof“ ist der österreichische Autor und Publizist Karl Kraus - aber Alfred Döblin ist Alfred Döblin.

Martina Gedeck ließ in Duisburg das goldene Leuchten der Texte einfühlsam herüberkommen, ließ Prosa und Lyrik sanft ineinander gleiten. Dabei kam auch der eigenwillige Humor der Dichterin nicht zu kurz, nach dem Motto „Alle meine Geliebten haben mich verlassen“. Die beiden Musiker taten es der Schauspielerin gleich. Allerdings musste man viel über den Hintergrund wissen, zumindest das Programmheft gelesen haben, um von diesem Abend mehr mitzunehmen als schöne Klänge. Die musikalischen Sätze waren zudem mehr und in einer etwas anderen Reihenfolge als im Programmheft angegeben. Einge ältere Besucherinnen und Besucher beklagten sich, dass die elektronische Verstärkung der Rezitation so leise eingestellt war, dass sie nichts verstanden.

Im nächsten, neunten und somit für die laufende Saison 2018/2019 auch schon letzten Kammerkonzert am Sonntag, 16. Juni, um 19 Uhr, spielt das Internationale Streichorchester „les essences“ unter der Leitung des Philharmoniker-Konzertmeisters Önder Baloglu Werke von Edvard Grieg, Heinrich Ignaz Franz Biber, Kurt Atterberg, Grazyna Bacewicz, Eugène Ysaye und Ernest Bloch.

Karten für das Konzert gibt es am einfachsten per E-Mail unter der Adresse karten@theater-duisburg.de.

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