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Duisburg: Julia Engelmann begeisterte in der Mercatorhalle

Poetry-Slammerin : Julia Engelmann sorgt für Wohlfühl-Atmosphäre

Poetry-Slammerin Julia Engelmann überzeugte ihre Zuhörer in der Duisburger Mercatorhalle.

Welche Macht die Sprache hat, dass man mit ihr bewegen, anrühren, Liebe verteilen, aufmerksam machen und zur Akrobatin werden kann – alles dies bewies am Sonntagabend Deutschlands derzeit wohl bekannteste Poetry-Slammerin Julia Engelmann in der Duisburger Mercatorhalle.

Poetry-Slammerin ist dabei ein Begriff, der nach einem lustigen Abend in einer alternativen Szene-Kneipe und eigentlich viel zu abwertend klingt für das, was die 26-jährige Wahl-Berlinerin aus Bremen sprachlich auf die Bühne zaubert. „Poesiealbum“ heißt ihre am 22. September gestartete Tournee, die sie durch insgesamt 35 Städte in Deutschland, Österreich und die Schweiz führt.

Sie ist ein Star der Szene ohne Allüren mit leichten Fehlern bei dem einen oder anderen Gesangspart, den man ihr gerne verzeiht. Ihr sind Worte wichtiger als Töne, und von diesen Worten hat sie ein Menge parat. Julia Engelmann schreibt eigentlich immer, möchte man meinen, und wundert sich, dass sie nicht zwischendurch zum Notizbuch greift. „Während der Tournee weniger“, gibt sie auf eine Frage aus dem Publikum zu als sie für eine kleine Fragerunde das Bühnenprogramm unterbricht.

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Ihre Eltern sind an diesem Abend mit von der Partie. Ihre Mutter reicht während der kleinen Fragerunde das Mikro durchs Publikum. Einige trauen sich, andere staunen, fühlen sich mehr im Wohnzimmer der Engelmanns als in einer Halle mit 1200 Zuschauern. Und nach den Gedichten über die Mutter, den Vater und den Hund – natürlich gibt es auch eines über den Bruder – und einem kurzen Video-Dreh für Oma und Opa aus dem Saal fühlt man sich dort schon auf dem Sofa zuhause. Fehlen nur noch Kaffee und Kuchen.

Nichts wirkte an diesem Abend aufgesetzt. Texte schreiben und sie vorzutragen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die 26-Jährige vereint beide Fähigkeiten, kann Emotionen wecken und die kleinen grauen Zellen fordern. Zwei Stunden lang macht sie das – ohne Pause, ohne Langeweile. Das Bühnenbild ist eine heimelige Dachterrasse, auf der sie – unterstützt von zwei Musikern an sechs Instrumenten – Bilder im Kopf entstehen lässt, von denen nicht wenige unter die Haut gehen. Behauptet tröstend, dass „Dinge wahr werden, wenn man sie nur oft genug sagt“, dass sie gerne schön wäre, dass das aber wieder weggehe.

Das Programm ist dramaturgisch durchdacht und reißt am Ende das Publikum mit und von den Stühlen. Stehende Ovationen für eine Poetin, die das Wort „Poesiealbum“ entstaubt hat. Frei nach Ringelnatz würde man ihr gerne „ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken“.