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Duisburg: Josef Krings ist tot - ehemaliger Bürgermeister stirbt mit 93 Jahren

Im Alter von 93 Jahren : Langjähriger Duisburger Oberbürgermeister Josef Krings ist tot

Josef Krings war viele Jahre lang der Repräsentant der Stadt Duisburg schlechthin. Von 1975 bis 1997 stand er an der Spitze des Stadtrates. Aber auch danach blieb er ein Mann mit Einfluss. Nun ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

Wenn Freunde und Verwandte, die jahrelang im Ausland lebten, bei uns in Duisburg zu Besuch waren, fragten sie mit Sicherheit irgendwann, ob „der Krings noch Oberbürgermeister“ ist. 22 Jahre lang konnte man diese Frage mit „Ja“ beantworten. Von 1975 bis 1997 stand Josef Krings an der Spitze des Duisburger Stadtrates. Zu seiner Zeit war dieses Amt noch ein Ehrenamt. Anders als jetzt gab es damals noch einen eigenen Verwaltungschef, den Oberstadtdirektor. Statt eines üppigen Gehalts bekam Krings, im Hauptberuf Realschuldirektor in Mülheim, nur eine Aufwandsentschädigung. Doch obwohl Krings „nur“ Repräsentant der Stadt war und ziemlich eingeschränkte Machtbefugnisse hatte, war er ein einflussreicher Mann in Duisburg. Das lag an seiner Persönlichkeit. Die Nachricht von seinem Tod wird viele Duisburger traurig stimmen.

Als Oberbürgermeister prägte Josef Krings Duisburg. Auswärtige Journalistenkollegen nannten ihn gelegentlich „einen Glücksfall für Eure Stadt“. Vergleichbar ist Krings eigentlich nur mit seinem Vorgänger August Seeling, der von 1948 bis 1969 Duisburgs Oberbürgermeister war. Sowohl Seeling als auch Krings galten als Amtsträger, die sich dagegen wehrten, Kultur und Soziales gegeneinander auszuspielen. Oft bezeichnete Krings seinen Vorgänger Seeling als Vorbild. Er konnte darüber sogar scherzen. Er erzählte beispielsweise die Anekdote, dass ihm jemand am Flughafen eine vergessene Tasche gebracht habe. Er, Krings, habe den Boten gefragt, wie er ihn denn erkannt habe. Darauf der Bote: „Aber man kennt Sie doch überall, Herr Seeling!“ Krings Humor wird uns fehlen.

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Am 21. Oktober 2016 wurde Josef Krings 90 Jahre alt. Eine große Feier konnte Krings damals nicht ausrichten. Er musste sich von einem bösen Sturz erholen, der vermutlich durch einen Schlaganfall verursacht wurde, von dem sich Krings kaum erholen konnte. „Altwerden ist nichts für Feiglinge“, hat er im Alter gesagt. Dieser Erkenntnis hatte er sich in seinen letzten Jahren zu stellen.

Krings’ Oberbürgermeisterzeit war geprägt vom Strukturwandel, zu dem auch der Arbeitskampf in Rheinhausen gehörte. Und da muss natürlich immer wieder jene legendäre Szene in Erinnerung gerufen werden, als Krings einen von protestierenden Arbeitern zum Rathaus gebrachten Schienenstrang schulterte, um seine Solidarität zu bekunden. Da konnte man erleben, dass pfeifende Demonstranten plötzlich innehielten und einem Stadtoberhaupt, also einem „von oben“, Beifall zollten. Das sei einer der bewegendsten Momente nicht nur in seiner Amtszeit, sondern in seinem ganzen Leben gewesen, erzählte Krings noch viele Jahre später.

Zweifellos war Krings ein Mann der Kultur. Es war bezeichnend, dass die offizielle Feier zu seinem 80. Geburtstag im Stadttheater gefeiert wurde. Krings mochte diesen Ort; er mochte aber auch das Rathaus, wo Entscheidungen zu treffen waren, die alle Duisburger angingen. Bei der Geburtstagsfeier hatte man deshalb den historischen Schreibtischstuhl aus dem Rathaus ins Stadttheater gebracht – zur freudigen Überraschung von Krings. Wie so oft fand Krings in seiner Ansprache denkwürdige Worte. Im Zeitungsbericht von damals werden sie zitiert: „Soziale Gerechtigkeit gehört ganz wesentlich zur menschlichen Kultur. Wer seine Vorstandsbezüge um 30 Prozent erhöhen lässt und gleichzeitig Tausende Mitarbeiter arbeitslos macht, hat keine Kultur, auch wenn in seinem Musikschrank alle Streichquartette von Beethoven stehen.“

Trotz solch markig-sozialkritischer Worte war Krings stets ein Oberbürgermeister, der Investoren für die Stadt zu gewinnen suchte. Dabei half ihm sein großes kommunikatives Talent, das wohl oftmals dazu beitrug, dass distanzierte Unternehmensvertreter ihre anfänglich ablehnende Haltung gegenüber der Stadt Duisburg aufgaben. Krings betonte bei Verhandlungen mit auswärtigen Politikern und Managern immer die Internationalität der Stadt Duisburg. Den Kreis möglicher Partner wollte er immer so groß wie möglich ziehen. „Duisburg braucht eine kommunale Außenpolitik“, sagte er mit Überzeugung. In seinem Buch „Begegnungen“ hat Krings einige dieser außenpolitischen Treffen lebendig geschildert.

Immer wieder gern zitiert wird Krings’ Begründung, in Duisburg ein kommunales Kino, das spätere Filmforum, zu installieren. Als Vorsitzender des Kulturausschusses las Krings einfach das damals aktuelle Sex- und Schmonzetten-Kinoprogramm aus der Tageszeitung ab. Der Stadtrat votierte daraufhin einstimmig für das Filmforum, das seit dem 1. September 1970 anspruchsvolles Kino in Duisburg bietet. Es ist das erste kommunale Kino in Deutschland. Für Krings war es selbstverständlich, dass er viele Jahre später zu den Gründungsmitgliedern des Vereins „Freunde des Filmforums“ gehörte. Der Erhalt der denkmalgeschützten Liebfrauenkirche war ihm eine Herzensangelegenheit. Dass die Mercator-Halle abgerissen wurde, wird ihn geschmerzt haben. Aber er setzte ein Zeichen der Versöhnung, als er zusammen mit seiner Frau Claire demonstrativ das erste Philharmonische Konzert in der neuen Halle besuchte.

Gewiss hat Krings auch dazu beigetragen, dass sich seine Partei, die SPD, der er seit 1957 angehörte, letztlich für den Ankauf der Lehmbruck-Sammlung aussprach, der durchaus nicht unumstritten war.

Viele rechneten es Krings hoch an, dass er nach der Loveparade-Katastrophe jene Worte und Gesten fand, die bei anderen Repräsentanten der Stadt vermisst wurden. Der damalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland hätte wohl besser auf Krings’ Ratschlag gehört, freiwillig abzutreten. Dass Krings seinem Nachfolger diesen Ratschlag gab, war durchaus bemerkenswert. Schließlich hatte Sauerland seinen Vorgänger Krings wieder mit repräsentativen Aufgaben vertraut. Oberbürgermeisterin Bärbel Zieling war zwar wie Krings in der SPD, stellte ihren unmittelbaren Vorgänger aber gewissermaßen kalt. Für Krings war Zielings Missachtung eine Kränkung.

Getrübt wurde Krings Ansehen vor einigen Jahren mit der Führerschein-Affäre. Krings wurde beim Autofahren erwischt, obwohl er keinen Führerschein mehr besaß. Er selber sprach von einem „unverzeihlichen Fehler“. Es wird gedauert haben, bis er diese selbstverschuldete Rufschädigung verkraftet hatte. Die meistern Duisburger hatten ihm wohl eher verziehen als er sich selber.

Die letzten Lebensmonate waren für Josef Krings nicht schön. Er, der in seiner Amtszeit Krisen bewältigen musste, fühlte sich bisweilen mit den Anforderungen von Alter und Krankheit überfordert. Er versuchte aber dennoch, sich dem Unvermeidlichen zu stellen und organisierte bereits vor Monaten bei einem Beerdigungsinstitut selber das, was organisiert werden kann.

Für ein gutes Gedenken musste Josef Krings aber nicht selber sorgen. Das hat er sich verdient.