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Duisburg ist von der Herdenimmunität noch weit entfernt

Corona-Pandemie : Duisburg ist von der Herdenimmunität noch weit entfernt

Um eine Herden­immunität in Deutschland zu erreichen, müssten sich rund 85 Prozent vollständig impfen lassen. Davon ist Duisburg weit entfernt. Und es sieht auch nicht so aus, als ob dieses Ziel überhaupt erreicht werden kann.

Duisburg hat rund 500.000 Einwohner, und etwa 310.000 davon sind geimpft. Das hört sich ja erstmal gar nicht so schlecht an, schließlich können Kinder unter zwölf Jahren bekanntlich gar nicht geimpft werden. Und bei Zwölf- bis 15-Jährigen wird das nur bei Vorerkrankungen oder besonderen Risiken empfohlen. So gesehen wären 310.000 Geimpfte, also mehr als 60 Prozent der Duisburger, gar kein so schlechter Wert. Allerdings: Bisher sind nur etwa 139.000 zweitgeimpft – und das sind gerade einmal rund 28 Prozent. Viel, viel zu wenig.

Selbst wenn sich alle Erstgeimpften einer Zweitimpfung unterziehen – was durchaus nicht hundertprozentig gelingen wird – reicht es also nicht. Die Antwort besteht zunächst einmal in niederschwelligen Impfangeboten. Wer, aus welchen Gründen auch immer, den Weg zum Impfzentrum, zum Haus- oder Betriebsarzt scheut, muss halt „abgeholt“ werden. Duisburg war da durchaus vorbildlich und bei den Sonderimpfaktionen vielen anderen Städten voraus.

Inzwischen muss keiner mehr stundenlang in einer Schlange im Regen stehen, um seine Spritze zu bekommen. Nun gibt es schon Impfungen auf dem Wochenmarkt, in der Fußgängerzone, bei Kaufland oder im Forum. Szenen, die wir vor Monaten schon aus den USA kannten und damals von uns noch belächelt wurden. Warum eigentlich? In anderen Städten gibt es längst Aktionen wie „Late Night Impfen“ mit DJ und Party-Charakter. Karl Lauterbach schlug unlängst vor, mit Impfangeboten bis an Shisha-Bars vorzurücken. Jede einzelne Impfung hilft. Aber zurzeit bleibt es leider nur bei einzelnen. Von 700 bereit gehaltenen Dosen im Forum wurden zunächst 64 verimpft. Das alles zeigt: Die Zahl der Erstimpfungen lässt sich in Duisburg scheinbar nicht mehr signifikant steigern. Da ist viel Kreativität gefragt. Auch vor dem Zoo oder Heimspielen des MSV kann man impfen. Alle Zweifler wird man nie überzeugen können – aber mehr als jetzt absehbar, sollten es schon werden. Wobei stets die Vernunft Richtschnur sein sollte, nicht etwa Belohnungen für Impfungen oder Sanktionen für Impfverweigerer.

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Da Kinder auf absehbare Zeit nicht geimpft werden können, müssen sie so gut es geht geschützt werden. Mittlerweile scheint es wissenschaftlich erwiesen zu sein, dass Luftfilter hier hilfreich sein können. Sie bieten sicher keinen hundertprozentigen Schutz. Aber jetzt in den Sommerferien einfach tatenlos zu bleiben und zu warten, bis Schulen und Kitas wieder öffnen, ist schon fahrlässig. Die Vorbereitungen müssen jetzt laufen und nicht erst in einigen Wochen, wenn die Infektionszahlen erwartbar steigen werden.