1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Interview mit Museumsdirektorin Sommer

Interview mit Museumsdirektorin Susanne Sommer : An erster Stelle stehen die Inhalte

Dr. Susanne Sommer leitet das Kultur- und Stadthistorische Museum in Duisburg. Im Interview mit der Rheinischen Post erklärt sie, was sie mit diesem Museums-Doppelnamen verbindet.

Ihr Museum trägt einen Doppelnamen: Kulturhistorisch und Stadthistorisch. Das erinnert doch sehr an die Forderung „global denken, lokal handeln“. Was verbinden Sie denn persönlich mit dem Doppelnamen?

Sommer Für mich wird Geschichtsvermittlung dann spannend, wenn es gelingt, beides miteinander zu verbinden, also wenn wir im Museum kulturhistorische Themen mit ganz konkreten lokalen Bezügen darstellen können. Unsere kostbare Mercator-Sammlung ist dafür ein gutes Beispiel: Seine berühmte Weltkarte schuf Gerhard Mercator hier in Duisburg in seinem Haus an der Oberstraße. In einigen Jahren werden wir ja die Rekonstruktion des Gebäudes mit der Kartenmacher-Werkstatt und allem drum und dran erleben können - wenn alles gut geht! In unserer Schatzkammer wiederum ist das „Globale“ an Mercators Werk zu sehen: Über dem kostbaren Himmels- und dem Erdglobus leuchtet ein Foto der Erde, aufgenommen 1972 aus einem Apollo-Raumschiff. Diese Perspektive kannte Mercator natürlich nicht, und dennoch konnte er die ganze Welt kartieren. Unglaublich! Noch heute bewegen sich Satelliten, Flugzeuge und Schiffe mit Mercator auf sicherem Kurs.

Wie finden Sie Themen für die Sonderausstellungen?

Sommer Manchmal reifen Ideen über Jahre hinweg. Die schöne Ausstellung „Die ganze Welt in Gottes Hand“ zum 700-jährigen Jubiläum der Salvatorkirche ist so entstanden. Schon eine Weile hatte mich das Bildmotiv des Salvator Mundi mit der Weltkugel in der Hand beschäftigt. Christus als Erlöser, als Retter und Beschützer der Welt – die Symbolik hat für mich unmittelbaren Gegenwartsbezug! Ein kluger Blick in die eigenen Sammlungen kann ebenfalls neue Ideen bringen: Unsere aktuelle Präsentation „Die Götter beschenken“ kombiniert geschickt wohlbekannte Exponate aus der Sammlung Köhler-Osbahr mit Leihgaben aus der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin. Ein Perspektivenwechsel kann sehr inspirierend sein!

Kann man als Museumsdirektorin den Publikumserfolg einer Ausstellung vorausahnen?

Sommer Womöglich können wir den Erfolg bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. An erster Stelle stehen aus meiner Sicht die Inhalte: Eine Ausstellung, die nichts mit den Menschen in unserer Stadt zu tun hat, ist zum Scheitern verurteilt. Dabei brauchen wir nicht nur auf leichte Muse zu setzen. Auch ernste Ausstellungen wie „Das Rote Hamborn“ zum politischen Widerstand gegen die Nazis finden ein sehr interessiertes und aufmerksames Publikum. Unvorhersehbares gibt es aber auch: Als bei uns die große Schau „Häuser der Weisheit - Wissenschaft im Goldenen Zeitalter des Islam“ zu sehen war, entbrannte gerade die Debatte um den Islam in Deutschland. In einer Stadt wie Duisburg mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil war man froh über die sachlichen und aufklärenden Informationen aus dem Stadtmuseum.

Haben Sie Wünsche für Ihr Museum?

Sommer Wünsche trifft es vielleicht nicht ganz – ein wichtiges Ziel ist für mich der Aufbau des Zentrums für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie. Es entsteht ja stetig Schritt für Schritt mit einem kleinen Team als gemeinsames Projekt von Stadtarchiv und Museum. Ich hoffe sehr, dass es gelingt, die Klammer um die dann vier Schwerpunktthemen des Museums zu halten: die großen kulturgeschichtlichen Sammlungen Mercator und Köhler-Osbahr sowie die Stadtgeschichte mit einer vertieften Darstellung der NS-Zeit. Diese Vielschichtigkeit wünschen sich viele historische Museen. Wir haben sie, und ich bin mir sehr sicher, dass daraus immer wieder Ausstellungen und Veranstaltungen mit einer Relevanz für unsere Stadt erwachsen werden.