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Duisburg: Interview mit der Geschäftsführerin der Cubus-Kunsthalle

Sommerinterview mit Claudia Schaefer : Ohne Durchhaltewille geht nichts

Die Chefin der Cubus-Kunsthalle über Privat-Public-Partnership und ein Schiff, das trotz allem nicht untergeht.

Die Cubus-Kunsthalle in Duisburg ist weder eine Galerie, die einen oder mehrere Künstler kommerziell vertritt, noch ein Museum mit hauseigener Sammlung. Wie erklären Sie Menschen, die noch nie etwas von der cubus kunsthalle gehört haben, was diese ist?

Claudia Schaefer Wir passen wirklich in keine Schublade. Bei uns steht der Kommerz nicht im Vordergrund, und wir haben auch keine Sammlung, die wir wissenschaftlich fürs Publikum aufbereiten. Gleichwohl sind wir auch ein bisschen Galerie, schließlich fördern wir Künstler, die hier auch Werke zeigen, die man kaufen kann. Unser jährlicher Kunstmarkt ist sogar eine Verkaufsausstellung. Und wir stellen auch wie so manches Museum Werke von interessanten Künstlern aus, vorzugsweise von Gegenwartskünstlern. Bisweilen erinnert unsere Arbeit auch an die eines Kunstvereins, der für seine Künstler und deren Gäste Ausstellungsmöglichkeiten bietet. Nicht zuletzt verstehen wir uns ebenfalls auch als außerschulischen Bildungsort. Wir kümmern uns also um das weite Feld der Kunst, ohne auf Schubladen Rücksicht zu nehmen.

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An der Frage nach dem Geld kommen wir nicht vorbei...

Schaefer Wir bespielen hier ein städtisches Gebäude, zahlen Miete, Betriebs- und Personalkosten und finanzieren die Ausstellungen. Einnahmen bekommen wir durch die Untervermietung des Cafés und kleinerer Räumlichkeiten. Das reicht natürlich nicht. Uns hilft der gemeinnützige Förderverein, über den wir Spender und Förderer gewinnen, ohne die unsere Ausstellungen nicht möglich wären.

Vor einigen Jahren vermissten Sie in einem RP-Interview „Kooperationswillen, das Wohlwollen und die Rückendeckung von städtischer Seite“. Wie ist das heute?

Schaefer Die Cubus-Kunsthalle hier im ehemaligen Niederrheinischen Museum im Kantpark gibt es seit 25 Jahren. Davor betrieben wir aber schon die Cubus-Galerie und die alte Cubus-Kunsthalle in Duissern. In dieser langen Zeit erlebten wir inzwischen fünf Kulturdezernenten, mit denen wir einen unterschiedlichen von dunkel bis hell „gefärbten“ Kontakt hatten.

Besonders mit Dezernent Gerd Bildau hatten Sie bekanntermaßen einige Konflikte...

Schaefer Sie erinnern mich an dunkle Zeiten. Gerd Bildau bezeichnete uns einmal als „untergehendes Schiff, das er nicht betreten möchte“. Etwas später kam er aber doch wieder zu uns.

Und jetzt?

Schaefer Es ist jetzt um viele Farbnuancen heller und besser. Ganz aktuell: Unser 25-Jahresvertrag mit der Stadt, der 1994 geschlossen worden war, ist bis 2028 verlängert worden. Ich merke nun deutlich von Seiten der Stadt ein Klima der Wertschätzung unserer kulturellen Arbeit. Auch wenn manches, insbesondere die Finanzierung der Ausstellungen und der institutionellen Kosten, schwierig bleibt.

Die Cubus-Kunsthalle verfolgt das Konzept von privat-public-partnership, bei dem Privatpersonen oder Privatinitiativen mit der Öffentlichen Hand zusammenarbeiten. Ist ein solches Konzept in Duisburg schwieriger durchzuführen als in anderen Städten vergleichbarer Größe?

Schaefer Ich glaube, dass es in Duisburg wirklich schwieriger ist als anderswo. Hier fehlen die großen vermögenden Einzelpersönlichkeiten, das Mäzenatentum, Unternehmen und Einrichtungen, die „durch die Bank“ Kunst mit großer Selbstverständlichkeit fördern. Gelder aus diesem Bereich müssen wir stets sehr mühsam akquirieren. Auf Seiten der Kommune ist es nun mal so, dass Ausgaben für die Kultur zu den freiwilligen Aufgaben einer Stadt gehören. Die 15.000 Euro, die wir seit einigen Jahren jährlich als Zuschuss von der Stadt bekommen, sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Wie steht es um Ihr Durchhaltevermögen?

Schaefer Das ist sehr ausgeprägt. Oder kennen Sie eine vergleichbare Kunsthalle, die seit über 25 Jahren besteht und sogar einen vorausgesagten Schiffsbruch überstanden hat? Natürlich muss ich bisweilen persönliche Interessen hinten anstellen. So etwas wie ein monatliches Gehalt steht an letzter Stelle.

Blicken Sie optimistisch in die Cubus-Zukunft?

Schaefer Ich stehe gerade unter dem Eindruck der am Mittwoch zu Ende gegangenen Leonardo-da-Vinci Mitmachausstellung. Die war ein Riesenenerfolg mit schätzungsweise 6000 durchweg begeisterten Besuchern. Da will ich nicht an den Stress der arbeitsintensiven Vorbereitung denken, die in kürzester Zeit geleistet werden musste. Mein Optimismus würde natürlich noch gestärkt, wenn wir mehr finanzielle Sicherheiten hätten. Das würde die Planung von interessanten Ausstellungen erleichtern. Ich hoffe, dass die Leonardo-Ausstellung auch möglichen Sponsoren oder Mäzenen bewiesen hat, dass wir hier gute Arbeit leisten, die eine wertschätzende finanzielle Unterstützung verdient.