Duisburg: Inklusionspreis für Neudorfer Sensrec UG

Preisverleihung: Digitale Helfer aus Neudorf preisgekrönt

Große Freude bei dem an der Bismarckstraße in Neudorf angesiedelten Unternehmehen Sensrec UG. Die jungen Tüftler der Firma erhielten am Freitag einen Hauptpreis bei der Verleihung des NRW-Inklusionspreises.

Insgesamt zehn herausragende Initiativen und Projekte hat NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann gestern in Münster in der Halle Münsterland mit dem Inklusionspreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. „Inklusion geht alle an, Menschen mit und ohne Behinderungen. Die Vielfalt der prämierten Projekte zeigt, dass Inklusion in allen Bereichen des Lebens möglich und notwendig ist“, sagte Laumann bei der Preisverleihung. Dass bei mehr als 200 Einsendungen das Team um Sensrec-Geschäftsführer Holger Dander den mit 3000 Euro dotierten dritten Hauptpreis bekam, zeigt die besondere Wertschätzung für dessen Arbeit. Sensrec befasst sich mit digitalen Hilfen für manuelle Tätigkeiten in der Produktion, hauptsächlich im Bereich der Logistik.

Die Laudatio auf die Duisburger Preisträger hielt Claudia Dunschen von der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NordrheinWestfalen. „Die Senscrec UG hat frühzeitig den Kontakt zu den wichtigen Akteuren wie Integrationsämtern, Integrationsassistenten und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen aufgenommen und sie involviert. Hier zeigt sich wieder, wie wichtig die Arbeit im Netzwerk doch ist“, lobte Claudia Dunschen. Erfolgreich sei das Assistenzsystem bei der DHL Solution FashionGmbH am Standort Essen seit einigen Jahren im Einsatz. Im Oktober 2017 sei bereits der erste Übergang von der Werkstatt in den ersten Arbeitsmarkt gelungen. „Darüber hinaus haben weitere Unternehmen Interesse an den technischen Lösungen der Sensrec signalisiert, so dass Inklusion mit Hilfe von Industrie 4.0 bald kein Fremdwort mehr sein wird“, so Dunschen.

Zum Angebotsportfolio des Start-up-Unternehmens gehört unter anderem auch das Projekt „inspectEye“. Dieses „lernende Auge“ kann in der Kommissionierung oder in der Montage eingesetzt werden und erledigt die Qualitätsprüfung digital. Das „Auge“ arbeitet mit maschinellem Lernen und nutzt neuronale Netzwerke. Es wird einmal „trainiert“ und ist dann selbstständig in der Lage – Systeme von Klemmverbindungen, Steckverbinder über Kabelsätze bis hin zu Baugruppen und Bauteilen – alles, was es zuvor präsentiert bekommt, zu begutachten. Die Macher versprechen als Folge eine „Null-Fehler-Produktion“. Zudem gibt’s noch den „kineticGuide“, ein Assistenzsystem für Montageprozesse, sowie das „dokumen Table“, gefüllt mit Technik für den Kommissionierbereich im Wareneingang oder Warenausgang. Das Tool kann zum Beispiel vor dem Versenden noch schnell ein Foto vom Inhalt erzeugen und automatisch dem Lieferschein zuordnen.

Der Inklusionspreis Nordrhein-Westfalen wurde in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben. Beworben hatten sich 203 Initiativen und Projekte aus dem ganzen Land. Eine 16-köpfige Jury aus Fachleuten und Vertreterinnen und Vertretern der Behinderten-Selbsthilfe hatte die „Qual der Wahl“ bei der Auswahl der Preisträger.

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In Nordrhein-Westfalen leben rund 2,8 Millionen Menschen mit Behinderungen, davon rund 1,9 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung. Mit insgesamt 30.000 Euro wurden Projekte aus Ahlen, Bad Lippspringe, Bielefeld, Duisburg, Kamen, Münster, Köln, Reken (Kreis Borken), Rheine und Stolberg ausgezeichnet. Darunter eine inklusive Wäscherei, ein inklusiver Stammtisch und eine inklusive Fußball-Liga.

„Mit dem Inklusionspreis wollen wir beispielhaft zeigen, wie Inklusion gelingen kann“, so der Minister, „und wir wollen möglichst viele Nachahmer gewinnen. Den Hauptpreis haben wir diesmal unter das Motto ‚Arbeit und Qualifizierung‘ gestellt“, sagte Laumann, „denn dies ist der entscheidende Schlüssel zur Inklusion. Arbeit bedeutet die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe, Arbeit schafft materielle Sicherheit und Arbeit ist Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben“, so Laumann

Der mit 5.000 Euro dotierte erste Hauptpreis ging an das Projekt „Jedem (s)eine Chance“ der Metallwerke Renner in Ahlen. Den zweiten Hauptpreis (4.000 Euro) erhielt das Inklusionsunternehmen „Die Brücke“ in Bad Lippspringe.

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