Duisburg: Ingolf Lück glänzt beim Abschiedsdinner

Theater in der Glückauf-Halle : Ingolf Lück glänzt in einer Paraderolle

„Das Abschiedsdinner“ erzählt in der Glückauf-Halle von der Freundschaft zweier Männer in wilden Zeiten. Star des Abends: Ingolf Lück

In diesen Zeiten gleicht ein Theaterbesuch in der Homberger Glückauf-Halle immer mehr einem gemütlichen Abend in einem Restaurant. Na ja, fast. Gab es zuvor im diesjährigen Abo das Stück „Dinner für Spinner“ mit Tom Gerhardt serviert, so folgte ein weiterer Ausflug in die Welt der (Schauspiel)-Gourmets mit dem Stück „Das Abschiedsdinner“ von den Autoren des Erfolgsstückes „Der Vorname“, Matthieu Delaporte und Alexandré de la Patierre.

Hier spielt ein bestens aufgelegter Ingolf Lück den Anton, einen Dozenten für unerforschte Sprachen, der mit Partnerin Bea von dem befreundeten Verlegerehepaar, Peter und Kathy, quasi mit einem Abschiedsdinner aus dem Leben der beiden „entsorgt“ werden soll. Grund: Man sieht sich nur noch einmal im Jahr – und dann haben sich die vermeintlichen Freunde eh nicht mehr viel zu sagen.

Das exklusive Dinner nach dem Geschmack der Noch-Freunde ist von Kathy (Saskia Valencia) vorbereitet – doch über das Stück hinweg werden nur Erdnüsse gereicht. Schon die erste Szene ist genial, als Anton (Lück) mit dem Parka eines Obdachlosen in die Wohnung der „Freunde“ stürmt. Peter (genial: René Steinke), der sich extra in das grüne Afrikakostüm mit Zebras geschmissen hat, das ihm Anton zum 30. Geburtstag schenkte, fällt fast um ob des Gestanks – trotz Patchouli-Geruchs und Sitar-Musik vom „Jimi Hendrix aus Butan“, den Anton gern hörte, im Hintergrund. Anton verfällt darauf in einen rasanten Monolog und wie in einem Flow ziehen die letzten Ereignisse seines Lebens vorbei. Bis zum Tod seines ungarischen Psychiaters. „Der hatte keinen Krebs. Der ist nach 30 Jahren von Antons Gesülze völlig erschöpft tot umgefallen“, steckt Peter ziemlich sarkastisch seiner Kathy.

Witzige, auf den Punkt pointierte Dialoge beschwören wie schon in „Der Vorname“ die ein oder andere Lachsalve der 500 Zuschauer herauf. Doch die Melodramatik nimmt ihren Lauf. Anton erzählt Peter, wie ein anderer Freund mit einem Abschiedsdinner einen Kumpel abspenstig gemacht hat– mit den gleichen Symptomen – Geschenk und Lieblingsmusik des Freundes werden präsentiert, hinzu kommt noch eine Flasche Rotwein…. die auch hier alles offenlegt. Denn Peter reicht dem Gast einen „Chateau cruierre“ extra aus Antons Geburtsjahr.

Der sitzt schließlich nur noch konsterniert da und hört halbherzig dabei zu, wie Peter sich um „Kopf und Kragen“ redet und manch gut gehütetes Geheimnis ans Tageslicht kommt. Schließlich verlässt Anton verstört die Wohnung. „Der ruft nicht mehr an“, sagt Kathy. Doch es klingelt erneut. „Er kommt selbst!“, pointiert sie.

Gerade durch das Spiel von Ingolf Lück wird „Das Abschiedsdinner“ zu einer abstrusen Parabel über die Freundschaft zweier Männer in wilden Zeiten. Und: Hut ab – auch noch mit 60 Jahren kann der quirlige, einstige „Formel Eins“-Moderator seinen gut trainierten Körper nur in Unterhosen auf der Bühne zeigen. Langer Beifall – nicht nur dafür.

(sado)
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