Duisburg: Infonachmittag im Baerler Busch.

Baerler Busch : Baumfällungen als Waldpflege

Ortsbesichtigung im Baerler Busch. Skepsis gegenüber Rodungen ist bei vielen nicht vom Tisch.

Zu viele Baumfällungen, zu viele lichte Stellen im Wald: Die Situation im Baerler Busch treibt Bürgern und Vertretern der Bürgerinitiative „Baerler Busch ist bedroht“ Sorgenfalten ins Gesicht. Sie sprechen sich vor allem gegen die vom Besitzer des Waldes, Regionalverband Ruhr Grün (RVR), geplanten Rodungen in diesem Herbst aus und sehen Neuanpflanzungen nicht optimal umgesetzt. Nach einer ersten Ortsbegehung Anfang Oktober mit den Revierförstern Andrea Zimmermann und Johannes Gerst und einem eine Woche später von der Bürgerinitiative organisierten Waldspaziergang mit Baumexperte Gernot Fischer, lud der RVR am Samstag erneut zu einer Begehung ein, um vor Ort seine Pflegemaßnahmen zu begründen.

Extreme Regenfälle hielten rund 50 interessierte Leute am Samstag nicht davon ab, sich die Argumente des RVR zu geplanten Fällungen anzuhören. Um Einzelfragen am Rande zu beantworten, hatte Johannes Gerst, Teamleiter Waldbewirtschaftung beim RVR, außer Revierförsterin Andrea Zimmermann noch drei Ranger mit gebracht, die im Baerler Busch regelmäßig als Landschaftspfleger unterwegs sind.

Sie nahmen sich viel Zeit. Rund eine Stunde dauerten allein die Erläuterungen von Johannes Gerst sowie auch die Beantwortung einzelner Fragen am Treffpunkt hinter dem Sportplatz des TuS Baerl an der Hubertusstraße. In knapp anderthalb Stunden sahen sich die Teilnehmer anschließend dann noch die Situation vor Ort an. Die mittlerweile zweite extreme Dürre hat auch den Baerler Busch zugesetzt. Bei den Neuanpflanzungen auf drei großen durch Fällungen entstandenen Freiflächen, so räumte Gerst ein, sei ein Verlust von 40 Prozent zu beklagen. Deshalb müsse bei den Neuanpflanzungen nachgebessert werden. „Wir brauchen 200 Tage Regen, um den Boden wieder mit Wasser aufzufüllen, denn die tieferen Schichten sind immer noch trocken“, erläuterte der Fachmann des Regionalverbandes. Deutlich machte er, dass der RVR in seinen Entscheidungen nicht frei ist. Alle zehn Jahre (zuletzt 2015) macht ein externer Experte im Wald Inventur, erfasst, wie viele Bäume und welches Hölzer hier wachsen, und stellt eine Planung auf, wohin sich der Wald entwickeln soll.

Die als gleichrangig zu verfolgenden drei Funktionen eines Waldes zählte Johannes Gerst auf: 1. die Holznutzung, vorgesehen vom Waldgesetz; 2. der Schutz des Lebensraumes für Tier und Pflanzen, Klima-, Lärm- und Lichtschutz sowie 3. die Erholungsfunktion. Das Ziel der Waldpflege sei ein strukturreicher Baumbestand unterschiedlichen Alters. Besonders im Blick habe man alte, ausgewachsene Bäume mit einer Kronenfläche zwischen 100 und 200 Quadratmetern, mit guten Wurzeln und einem dicken Stamm. Sie seien Zukunftsbäume.

In vielen Beständen müsse an der Konkurrenz der Bäume gearbeitet werden, machte Gerst deutlich und erläuterte, dass sogenannte Bedränger herausgenommen würden, damit junge Bäume dichte Kronen entwickeln können. Wie sich so ein Konkurrent, der gefällt werden soll, auf einen nebenstehenden Baum auswirkt, zeigte sich später beim Blick in die Krone. Der Baum, der stehen bleiben soll, treibt nur nach einer Seite Äste aus. Ein weiterer Grund für Baumfällungen ist die Gewährleistung der Verkehrssicherheit, wie später bei der Besichtigung von sehr dicht an der Buchenallee stehenden Bäumen erklärt wurde.

Für Irritationen sorgten bei manchen Teilnehmern des Spaziergangs die Markierungen der Bäume, speziell die weißen Striche. Sie bedeuten allerdings, dass nur in dem Bereich mit Maschinen in einen vier Meter breiten Rückeweg gefahren werden darf, mit Maschinen deshalb, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten.

Einige Teilnehmer kritisierten die geplanten Fällungen. Sie wünschen sich, dass der Wald ein Jahr in Ruhe gelassen oder sich grundsätzlich selbst überlassen wird. Vereinzelte Teilnehmer zweifelten die Zertifizierung nach dem PEFC-Siegel an. Das Gütezeichen steht zwar für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die Vergabe erfolgt aber nach Kriterien, die den Umweltverbänden im Vergleich zu anderen Siegeln als zu schwach erscheinen. Die Kritiker unterstellten die Verfolgung hoher Ertragsziele durch den Holzverkauf oder fühlten sich durch die Ausführungen von Johannes Gerst gar für dumm verkauft.

Besorgte Bürger ließen sich nicht von dem starken Regen abhalten und kamen zum Waldspaziergang. Foto: Arnulf Stoffel

Mit Freude nahm der Großteil jedoch die Nachricht auf, dass der KVR in Zukunft nicht nur liegendes sondern auch stehendes Totholz (erkennbar an einer weißen Schlangenlinie) als Wohnraum für Tiere und Insekten im Baerler Busch belässt.

Mehr von RP ONLINE