Duisburg: In der "kleinen Eiszeit" fror das Wasser auf dem Rhein

Rp-Serie Duisburger Geschichte und Geschichten: Die "kleine Eiszeit" in unserer Stadt

Ende des 16. Jahrhunderts setzte eine Periode des Temperaturrückgangs um vier bis fünf Grad ein, die bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts reichte. Damals erstarrte der Rhein regelmäßig zu Eis.

Heute ist die globale Klimaerwärmung in aller Munde. Vor gut 400 Jahren war es dagegen die eisige Kälte. Die "Kleine Eiszeit" löste folgenschwere Krisen aus. "Wenn die Weinstöcke erfrieren, sieht mein Pfarrer darin einen Beweis für den Zorn Gottes auf die Menschheit insgesamt . . . Schreit nicht jeder angesichts unserer Bürgerkriege, das Weltgefüge gerate aus den Fugen und der Jüngste Tag packe uns bereits am Kragen?", schrieb der Humanist Michel de Montaigne.

Die Klimaverschiebung ging einher mit dem Verschwinden vieler Weinbaugebiete - auch in unserer Region. Es gab im späten Mittelalter eine lange Phase, da wurde Wein in Duisburg angebaut, so mild war das Klima hier, ungefähr zwei Grad wärmer als die Durchschnittstemperatur im 20. Jahrhundert. Doch Ende des 16. Jahrhunderts setzte eine Periode des Temperaturrückgangs um vier bis fünf Grad ein, die bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts reichte und als "Kleine Eiszeit" bezeichnet wird. Die Duisburger Wirtschaft litt damals nicht nur unter dem drastischen Rückgang der Weinproduktion. Die Winter wurden zwischen 1570 und 1700 immer strenger. Damals erstarrte der Rhein regelmäßig zu Eis.

Arme Duisburger durften nur mit Sondergenehmigung Holz in den Wäldern sammeln. Die Kinder und Enkel Gerhard Mercators mussten sich warm anziehen. Verheerender waren die nassen, kühlen Sommer, die zu Missernten führten. Die schlechten Ernten hatten auch in Duisburg schlimme Folgen - der Dreißigjährige Krieg verschärfte die dramatische Situation. Söldnertruppen, Hungersnöte und Seuchen suchten auch unsere Region heim.

Kein Wunder, dass in dieser Zeit der Aberglaube ins Kraut schoss - die Hexen waren schuld. Mit ihrem "Schadenszauber" hatten sie den Kühen die "Milch gestohlen", ein Hagelgewitter und eine schlechte Ernte verursacht. Es waren Wissenschaftler, hoch angesehene Theologen und Juristen, die die Existenz von Hexen für wahr und ihre Verfolgung für notwendig erklärten.

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Selbst für Martin Luther stand außer Frage, dass Hexen durch Zauberei Menschen, Tieren und der Ernte Schaden zufügten. Dafür sollten sie hart bestraft werden. "Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden". Aber es gab mit Johann Weyer, dem Leibarzt von Herzog Wilhelm dem Reichen, einen mutigen Kämpfer gegen die Hexenverfolgung am Niederrhein. Seine Argumente gegen den Unsinn der Hexenverfolgung deuten auf die aufziehende Aufklärung und naturwissenschaftlichem Denken hin.

Aus heutiger Sicht lag vermutlich die Ursache für die Klimaveränderung in der deutlich verringerten Sonneneinstrahlung während des sogenannten Maunder-Minimums. Als Maunder-Minimum wird eine Periode stark verringerter Sonnenfleckenaktivität in den Jahren zwischen 1645 und 1715 bezeichnet. Danach stieg die Temperatur wieder kontinuierlich an. Seit 1881 hat sich Deutschland demnach um 1,4 Grad erwärmt. Jetzt drohen auch in unserer Region vermehrt Klimaextreme, so die Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Zwar sei nicht restlos erwiesen, dass es sich um einen von Menschen verursachten langfristigen Trend handele, doch sei es sinnvoll, sich darauf vorzubereiten, so die Klimaexperten. Gegen Hitzebelastung in den Innenstädten sollten Planer "Frischluftschneisen" vorsehen und auf Grünbedachung setzen. Die Landwirte seien gut beraten, sich "robuste" Sorten zuzulegen.

Der Bestsellerautor und Historiker Philipp Blom formuliert eine steile These: Als die nördliche Hemisphäre erkaltete, liefen vor 400 Jahren die Hirne der Forscher und Entdecker heiß. Da kann man nur hoffen, dass angesichts der globalen Klimaerwärmung kühler Kopf und Verstand siegen werden.

(RP)