Duisburg-Homberg: Geräumte Häuser - Mieterschutzbund erhebt Vorwürfe

Geräumte Hochhäuser in Duisburg: Mieterschutzbund hält schlampige Bauarbeiten für Ursache

Die schweren Brandschutzmängel an den geräumten Häusern an der Husemannstraße in Duisburg-Homberg seien Folge schlampig ausgeführter Sanierungsarbeiten, kritisiert der Mieterschutzbund. Er erhebt Vorwürfe gegen Vermieter und Hausverwaltung.

Etwa 40 von rund 200 Bewohnern der geräumten Häuser an der Husemannstraße in Homberg waren auch am Montag noch in der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft an der Memelstraße in Duisburg-Neudorf untergebracht. Sie werden nach Angaben von Stadtsprecher Peter Hilbrands von Mitarbeitern der Fachstelle des städtischen Wohnungsamtes betreut, die bei der Suche nach einer geeigneten Bleibe helfen sollen. Die Partei die Linke in Homberg forderte, die zum Abriss vorgesehenen Häuser Ottostraße 54-56 kurzfristig zur Verfügung zu stellen. Auch der Mieterschutzbund kann dem etwas abgewinnen: „Es gibt genügend leere Wohnungen in Duisburg – aber nicht unbedingt dort, wo Mieter auch hinwollen“, sagt Peter Heß, Vorstand des Mieterschutzbundes Duisburg. Und die Häuser an der Ottostraße in Hochheide sind in Sichtweite zur Husemannstraße.

Einige Mieter der Häuser dort hoffen, wieder in ihre alte Wohnung zurück zu können – schließlich haben sie dort zum Teil viele Jahre gelebt. Peter Heß rät davon ab: „Je eher man sich um eine neue Wohnung bemüht, desto besser sind die Chancen.“ Dezernent Andree Haack hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, die Sanierung sei nicht in wenigen Tagen zu leisten – im Gegenteil: Es könnten auch Wochen und Monate vergehen, bis die Brandschutzmängel behoben sind.

Die vielen verbundenen Schächte, die sich in den Hochhäusern von ganz unten bis ganz oben durchziehen, könnten im Brandfall zu einer tödlichen Bedrohung führen, weil sie den Rauch blitzschnell im ganzen Haus verteilen könnten. Die Feuerwehr hätte es dann zudem schwer, den Brandherd zu lokalisieren. Der Mieterschutzbund hat von Hausbewohnern erfahren, dass die Hauseigentümer (die Esmor Realitätenhandel GmbH und die BEWE Immobilien GmbH, beide mit Sitz in Wien) angeblich am Dienstag Handwerker schicken wollten, um die Schäden zu beheben. Auch die Stadtverwaltung, die nach eigenen Angaben mit den Eigentümern in Kontakt steht, hat davon erfahren, kann dies aber nicht offiziell bestätigen. „Das ist wohl eher eine Drohung als ein Versprechen“, sagt Peter Heß.

„Der Zustand der Häuser an der Husemannstraße mit den Brandmängeln ist erst entstanden, nachdem bei Sanierungsarbeiten geschlampt wurde“, so der Vertreter des Mieterschutzbundes. Hausbewohner haben ihm berichtet, dass zum Teil bei Sanierungsmaßnahmen in der Vergangenheit Arbeiter in Badeschlappen auf den Baugerüsten unterwegs gewesen seien. Die Immobilienfirmen, die sich als „Resteverwerter“ aufführten, hätten die Häuser häufig „bis an die Dachkante“ mit Darlehen belastet. Größere Summen für Investitionen bei der Sanierung könne man sich dann nicht leisten und agiere zum Beispiel mit billigen Handwerkertrupps aus Rumänien.

Die Stadt nimmt der Mieterschutzbund ausdrücklich in Schutz. „Die Mitarbeiter im Bauordnungsamt haben weder die Gesetze gemacht noch die chaotische Situation verursacht“, so Heß. Sie müssten aber die Gesetze einhalten. Auch für das schnelle Vorgehen, dass den Bewohnern nur sehr wenig Zeit ließ, ihre Siebensachen zu packen, hat er Verständnis: „Anderswo hätte man die Frage nach der Verhältnismäßigkeit gestellt – aber nicht in Duisburg, und nicht achteinhalb Jahre nach der Loveparade-Katastrophe.“ Zuletzt hatte die Stadt Wohnungen eines Hauses an der Gitschiner Straße in Hochfeld geräumt, vor einem Jahr im Hagenshof in Meiderich. „Es ist also nicht das erste Mal, aber auch nicht das letzte Mal“, sagt Heß.

Mehr von RP ONLINE