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Duisburg: Holpriger Start des Regelbetriebs an den Grundschulen

Rund 100 Lehrer fehlen : Holpriger Start an den Grundschulen

Wiederaufnahme des „Regelbetriebs“ in den Duisburger Grundschulen: Es gibt Probleme mit dem Abstandhalten, und Ehrenamtliche können in den Schulen vorerst nicht wieder tätig werden.

Alles, was bis vor einigen Wochen noch für die Grundschulen galt, wurde mit der Entscheidung, vor den Ferien die Schüler für zwei Wochen zum regulären Unterricht in die Schulen zu holen, über den Haufen geworfen. „Das rollierende System hätte bis zum Ferienbeginn weitergeführt werden sollen“, sagt Michael Fuchs, Vorsitzender des Duisburger Stadtverbandes Bildung und Erziehung (VBE). Sein Resümee nach dem Kaltstart am Montag: „Einige Schulen in Hochfeld und Rheinhausen hatten große Probleme, ihre differenzierten Hygiene-Pläne umzusetzen.“

Der Interessenkonflikt liegt auf der Hand: Auf der einen Seite die Schüler und deren Eltern, auf der anderen Seite das auch ohne Corona-Auswirkungen bereits nicht ausreichende Lehrer-Kontingent (siehe Box). Michael Fuchs: „Auch ohne die Corona-Krise fehlen in Duisburg rund 100 Lehrer an den Grundschulen.“

 Michael Fuchs vom Verband Bildung und Erziehung.
Michael Fuchs vom Verband Bildung und Erziehung. Foto: Peter Klucken

Verschärft wird dies noch dadurch, dass Oberbürgermeister Sören Link Ehrenamtliche an Duisburger Grundschulen trotz des dort wieder angelaufenen Regelbetriebs mit einem Brief vom 3. Juni indirekt aufgefordert hat, diese Tätigkeit einzustellen. „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen der persönlichen Freiheit sowie die gravierenden Maßnahmen zur Kontaktvermeidung treffen natürlich auch die Menschen bei uns in Duisburg außerordentlich hart. Aber im Kampf gegen das Virus und zum Schutz des Lebens und der Gesundheit der Bürger unserer Stadt geht es nicht anders“, heißt es in dem Brief, der unserer Redaktion vorliegt. Weiter heißt es dort, alle müssten entschlossen mithelfen, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Link verbindet dies mit einem Lob: „Vor Beginn der Pandemie trugen Sie Woche für Woche mit ihrem ehrenamtlichen Engagement in städtischen Einrichtungen dazu bei, Angebote aufrechtzuerhalten und Aktivitäten zu erweitern. Auf diese Weise haben Sie wesentlich dazu beigetragen, das Leben in Duisburg vielfältig und abwechslungsreich zu gestalten.“ Es gibt aber wohl etliche Ehrenamtliche, die enttäuscht darüber sind, trotz des wieder aufgenommenen Regelbetriebs nicht weiter helfen zu können.

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Die Stadt habe aber nicht so gehandelt, um Ehrenamtler in ihrem Tun zu beschränken. Vielmehr sei der Betrieb „sonstiger Betreuungsangebote“ in Schulen (hiermit dürften ja auch die Ehrenamtler gemeint sein) in der 23. Schulmail des Ministeriums für Schule und Bildung vom 5. Juni aktualisiert worden. Darin heißt es, Einschränkungen werde es gegebenenfalls durch die Notwendigkeit der Bildung konstanter Gruppen und die zur Verfügung stehenden personellen Kapazitäten geben müssen. Die Schulleitung und Leitungen im Offenen Ganztag entscheiden gemeinsam, welche Regelungen für die Teilnahme getroffen werden.“

Derzeit sind bei in Duisburg rund 100 städtische Ehrenamtler in Grundschulen erfasst. Daneben gibt es aber auch Ehrenamtler von Wohlfahrtsverbänden oder zum Beispiel Eltern, die sich engagieren, aber nicht bei der Stadt gelistet sind. Ihren Einsatz finden sie als Lernpaten, Lesepaten, Hausaufgabenunterstützung, Unterstützung in AGs und zur Sprachförderung. Im Regelbetrieb der Schulen wird es weder zu Ausfällen noch zu geänderten Betreuungszeiten kommen, da diese durch die Lehrkräfte zu gewährleisten sind. Die zusätzlichen Projekte, die von Ehrenamtlern sicher gestellt werden, seien aber für etliche Schüler sehr wichtig und würden gerne angenommen, so die Stadt. Wünschenswert sei deshalb, dass – so denn noch nicht durch einzelne Schulleitungen geregelt –, die Ehrenamtler ihre Tätigkeiten nach den Sommerferien wieder aufnehmen können

Der Start an den Grundschulen in Duisburg verlief allerdings zunächst eher holprig. Die Realität an den Schulen sah laut Michael Fuchs teilweise so aus: Zum Schulbeginn kommen viele Kinder trotz aller Bemühungen um zeitversetzten Unterrichtsbeginn gleichzeitig und knubbeln sich in Gruppen vor dem Schultor, was sie laut Abstandserlass ja nicht sollen. In der Klasse sitzen sie alle nebeneinander – was sie ja jetzt sollen. Gehen sie nach Hause, sollen sie wieder Abstand halten. „Kinder, zumal wenn sie zu Hause teilweise auf engstem Raum leben, verstehen das alles meist überhaupt nicht.“

Fuchs – selbst zurzeit im Homeoffice – geht davon aus, dass es neue Infektionsherde geben könnte. „Es ist ein Spiel mit dem Feuer, weil zudem nicht getestet wird. Forderungen, Lehrer einmal in der Woche und Schüler stichprobenartig zu testen, wurden mit dem Hinweis auf die Kosten abgelehnt. Darüber hinaus können Infektionsketten unter Umständen nicht mehr nachverfolgt werden, weil mit Beginn der Sommerferien viele Kinder verreisen werden.“ Gab es denn keine Alternative? „Doch: Man hätte versetzt mit jeweils der Hälfte einer Klasse unterrichten können. Die eine Hälfte zum Beispiel von 8.30 bis 10 Uhr, die zweite Hälfte von 10.30 bis 12 Uhr.“ Zumal Kinder in kleinen Gruppen häufig schneller und besser lernen.“