Duisburg: Henryk M. Broder und Lamya Kaddor streiten vor Gericht

Beleidigungs-Prozess in Duisburg : Verhandlung mit Henryk M. Broder nach zehn Minuten vertagt

Der Publizist und Autor Henryk. M. Broder muss sich am Montag vor dem Duisburger Amtsgericht verantworten. Er soll Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor in einem Artikel beleidigt haben. Die Verhandlung wird nach zehn Minuten vertagt.

Großer Auflauf vor Saal 256: Zahlreiche Medienvertreter wollten am Montag sehen, wie sich der 72-jährige Henryk M. Broder dafür rechtfertigt, dass er Lamya Kaddor, Lehrerin für islamische Religion und Publizistin, in einem Beitrag der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ beleidigt haben soll. Weil das Interesse der Medien und der Anhänger so groß ist, wird die Verhandlung kurzerhand in den großen Schwurgerichtssaal verlegt.

Broder soll ein Interview Kaddors mit dem Kölner Stadt-Anzeiger mit den Worten, sie habe „einen an der Klatsche“ kommentiert haben. In ihrem Interview soll sie Broder für einen Ansturm von Hassmails, Bedrohungen und Beschimpfungen auf sich verantwortlich gemacht haben.

Das Medieninteresse an dem Fall ist enorm. Foto: Mike Michel

In einer Pressemitteilung des Duisburger Amtsgerichts heißt es wörtlich: „Er soll hierbei, nach dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, beabsichtigt haben, seine Missachtung gegenüber der Geschädigten kundzutun und sie in ihrer Ehre zu verletzen.“

Lamya Kaddor hatte Broder wegen Beleidigung angezeigt. Foto: dpa/Bodo Marks

Am 20. Februar 2018 erließ das Amtsgericht Duisburg daraufhin einen Strafbefehl gegen Broder. Der legte dagegen Widerspruch ein und lässt sich vom Hamburger Promi-Anwalt Joachim Steinhöfel vertreten. Steinhöfel gilt als Spezialist für soziale Medien und erstritt im vergangenen Jahr das erste Urteil in Deutschland, durch das die Löschung eines Posts auf Facebook untersagt wurde.

Doch schon nach zehn Minuten ist die Verhandlung beendet. Steinhöfel will wissen, ob die Anklage lediglich auf einem Zeitungartikel beruht. Er fragt, in welchem Kontext das Zitat entstanden ist. Darauf hat die Staatsanwältin keine Antwort. Nun soll der Redakteur der Wochenzeitung als Zeuge gehört werden. Dafür gibt es einen neuen Verhandlungstermin. „Hätte man das nicht früher erledigen können?“, fragt Broder. „Dazu hatte ich bisher keine Veranlassung gesehen“, antwortet die Richterin.

Als Broder aus dem Gerichtssaal tritt, gibt es Applaus seiner aus ganz Deutschland angereisten Anhänger. „Na, wie hat’s Ihnen gefallen?“, fragt Broder – und hat die Lacher auf seiner Seite. Lamya Kaddor soll auch im Gericht gewesen sein, trat aber nicht öffentlich auf.

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