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Duisburg: Harald Küst über Klimawandel und Kulturgeschichte

DUISBURGER GESCHICHTE UND GESCHICHTEN : Klimawandel und Kulturgeschichte

Zum Ende der Eiszeit stiegen die Temperaturen an. Die Menschen entwickelten neue Jagdtechniken und passten ihre Lebensweise den veränderten Bedingungen an.

Der Klimawandel ist keine Erfindung der Neuzeit. Tatsächlich durchlebten die Menschen bereits mindestens einmal eine deutliche Erderwärmung. Der Prozess des Klimawandels dauerte mehrere Jahrtausende, allerdings mit zeitlichen und regionalen Schwankungen. Global stieg die Durchschnittstemperatur.

 Mit dem Abschmelzen der Gletscher der letzten Eiszeit änderte sich auch das Klima in unserer Gegend. Dies führte zum Rückzug bzw. Aussterben der eiszeitlichen Großsäugetiere, wie Mammut und Wollnashorn. In der rauen und kalten Umgebung orientierten sich die Menschen zuvor an der Wanderung großer Tierherden – die Treibjagd lieferte reichhaltig Fleisch. Archäologische Fundstücke belegen das beschriebene Szenario. Reste der eiszeitlichen Großsäugetiere wie das Mammut wurden in den Duisburger Baggerseen gefunden. In der Spätphase der letzten Eiszeit gab es am Kaiserberg Jagdlager von Rentierjägern. Die nutzen Feuersteingeräte zur Bearbeitung von Holz und Häuten der erlegten Tiere. Doch die Population der Herdentiere sank allmählich. Die Menschen mussten sich an die dramatischen Umweltveränderungen anpassen.

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Vermutlich registrierten die Menschen vor etwa 14.000 Jahren den Klimawandel mit Sorge und Angst. Waren die Naturgeister verstimmt? Mit den höheren Temperaturen wichen die Rentiere nach Norden aus. Einige Jagdgruppen folgten den Herden. Andere blieben. In unserer weiten Flusslandschaft änderte sich Flora und Fauna und damit das Ökosystem. In den Mischwäldern mit Ulme, Eiche und Linde wurden Rothirsche und Wildschweine heimisch. Die standen von nun an auf dem Speiseplan der Menschen. Mit Lanzen, Speeren, Pfeil und Bogen wurde jetzt gejagt, und als Gehilfe diente damals bereits der Hund. Die Waffentechnik wurde laufend verbessert. Zum Bau von Hütten und Booten nutzte man das Steinbeil. Mit Stellnetzen aus Weidengeflecht, Harpunen und Angeln stellten die Menschen von Flößen und Einbäumen den Fischen nach. Der Angelhaken wurde als Werkzeug für den Fischfang eingesetzt. Erfindungsreichtum und Mobilität sicherten das Überleben. Jäger, Fischer und Sammler siedelten in unmittelbarer Nähe des Rheinufers (Ehinger Dünen). Die Menschen lebten weitgehend im Einklang mit der Natur.

Das änderte sich mit der Zuwanderung, die vom Vorderen Orient ausging und ganz Mitteleuropa erfasste. So sehr verwandelte sich jetzt die menschliche Lebensweise, dass Dr. Gernot Tromnau, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums, von der „neolithischen Revolution“ spricht. Formen der frühen Landwirtschaft entstanden. Bauern rodeten Bäume, um Ackerbau zu betreiben. Vorräte wurden angelegt.

Die Menschen züchteten Schafe, Ziegen, Rinder und hatten somit ganzjährig Fleisch und Milch zur Verfügung. Die Eingriffe in das Ökosystem waren massiv und wirken bis heute nach. Der allmähliche Übergang zur Sesshaftigkeit war vermutlich ein langer Entwicklungsprozess (Jungsteinzeit: etwa 4000-1800 v.Chr.). Im Stadtmuseum kann der Besucher einen Eichenholzpflug besichtigen, der 1956 bei Auskiesungen im Asterlager Baggerloch geborgen wurde.

Die Besiedlung beweist, dass mit neuen Techniken und einer veränderten Lebensweise die Anpassung gelang. Doch mit der Sesshaftigkeit begann die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Wir sind nicht die erste Generation, die mit dem Klimawandel ringt. Doch das Tempo beschleunigt sich.

Quelle: Zur Ur-und Frühgeschichte - Kleine Geschichte der Stadt Duisburg, Dr. Gernot Tromnau