Duisburg: Große Demonstration von Fridays-for-Future in der Innenstadt

Große Demonstration durch die Innenstadt : 3000 Duisburger kämpfen für das Klima

Die Duisburger Ortsgruppe der Fridays-for-Future-Bewegung hat am Freitag zu einem großen Demonstrationszug durch die Innenstadt aufgerufen. Rund 3000 Menschen sind der Einladung gefolgt. Auch OB Sören Link war vor Ort.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr unsere Zukunft klaut!“ – diese und andere Sätze hallen am Freitagmittag mehrmals und lautstark durch die Duisburger Innenstadt. Die Ortsgruppe der Fridays-for-Future-Bewegung hatte zu einem großen Demonstrationszug aufgerufen, der vom Hauptbahnhof aus durch die Fußgängerzone, am Burgplatz vorbei und zurück zum König-Heinrich-Platz führte.

Nach Angeben des Veranstalters sind 3000 Menschen dem Aufruf gefolgt. Darunter befanden sich nicht nur Schüler, sondern auch viele Erwachsene. Bereits auf der Bahnhofsvorplatte war der Andrang der Demonstranten riesig. Überall waren Plakate und Banner zu lesen wie „Fahrrad statt Auto“ oder „Klimakrise stoppen“. Andere Demonstranten forderten etwa die vollständige Umstellung auf Erneuerbare Energien oder einen früheren Ausstieg aus dem Kohleabbau.

Die Duisburger Fridays-for-Future-Bewegung kritisierte öffentlich, dass wirtschaftliche Interessen oft über dem Umweltschutz stünden. „Wir müssen den Politikern klar machen, dass das Interesse der Menschen nicht in der Zerstörung der Erde liegen kann“, so eine Sprecherin. Es müsse ein Umdenken in der Bevölkerung entstehen. „Die Leute müssen etwas tun, auch wenn der eigene Komfort darunter leidet.“

Die Demonstrationen in der Stadt verliefen friedlich. Foto: Norbert Prümen (nop)

Peter Lieske, der für die Duisburger Zweigstelle der Gewerkschaft IG Metall am Nachmittag ans Rednerpult trat, ging sogar noch einen Schritt weiter. Er sei sich sicher, dass für mehr Klimaschutz auch am kompletten Wirtschaftssystem „gekratzt“ werden müsse. Eine Orientierung am Profit sei für Klimaschutz nicht förderlich.

Wolfgang Voßkamp vom ADFC forderte die Politik dazu auf, mehr Platz für Fahrräder zu schaffen und Autos teilweise aus der Stadt zu verbannen. „Die Verkehrswende ist erforderlich“, sagte er. „Wir brauchen vernünftige Radwege und genügend Abstellplätze“, sagte er. Die derzeitige Infrastruktur mit einem „Flickenteppich“ aus Radwegen sei ungeeignet, um die Leute dazu zu bewegen, dass Auto stehen zu lassen. Dabei könnten rund 50 Prozent aller Autofahrten durch die Stadt problemlos auch mit einem Rad erledigt werden.

Norbert Böhmer vom Bündnis für saubere Luft sprach sich hingegen für eine Schließung des Duisburger Braunkohlekraftwerks Venator aus, das jährlich rund 250.000 Tonnen CO2 produziere. „Das Kraftwerk muss abgeschaltet und durch klimafreundliche Alternativen ersetzt werden, die längst auf dem Markt sind“, sagte Böhmer.

Patrick Fijalkowski vom Aktionsbündnis Intakt forderte unterdessen die Wiedereinführung der Baumschutzsatzung und den Schutz von Freiflächen, Biotopen und Wäldern. „Die Stadtspitze betont immer, wie viel sie für den Umweltschutz tut“, so Fijalkowski. Dennoch würden viele Grünflächen für Bauprojekte abgeholzt.

Kerstin Ciesla, Vorsitzende des BUND in Duisburg, betonte, dass Klimaschutz immer auch Generationengerechtigkeit sei: „Die Alten haben verursacht, dass die jungen Menschen, die heute auf die Straße gehen, keine Zukunft haben.“ Das müsse schnellstmöglich geändert werden. „Unser Klima kippt“, ergänzte sie. „Wir müssen Hier und Jetzt handeln und brauchen klare und einfache Vorgaben.“ Sie habe zudem die „Schnauze voll“ von Menschen, die immer ein Aber finden und Nichts an ihren Gewohnheiten ändern. „Ohne Einsparungen geht es nicht“, so Ciesla.

Auch Oberbürgermeister Sören Link (SPD) stellte sich den vielen Demonstranten. „Ich finde es gut, dass sich junge Leute deutlich Gehör verschaffen und sich für unsere Zukunft einsetzen“, sagte Link. Er erneuerte sein Angebot an die Bewegung und stellte gemeinsame Gespräche über die Umsetzung von bestimmten Forderungen – zum Beispiel den Ausbau von Fahrradwegen oder des öffentlichen Nahverkehrs – in Aussicht.

Aktuelle News und Infos zu „Friday for Future“ erhalten Sie hier.

Als das Thema Grünflächen und Baumschutzsatzung aufkam, erntete Link zahlreiche Pfiffe und Buhrufe. Der SPD-Politiker erwiderte, dass bei solch emotionalen Themen immer alle Interessen berücksichtigt werden müssten, etwa auch von Privatleuten. Zudem betonte er, dass in Duisburg zuletzt mehr neue Bäume gepflanzt worden seien als in den Jahren davor.

(jlu)
Mehr von RP ONLINE