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Duisburg: Gewerkschaft fordert bessere Bedingungen für Fleischbranche

Warum billiges Fleisch ein Problem ist : Fleischbranche: NGG fordert bessere Arbeitsbedingungen

In Duisburg sind nach Angaben der Arbeitsagentur rund 670 Menschen in der Schlachtung und Fleischverarbeitung beschäftigt. Diese Beschäftigten, so die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) Nordrhein, hätten immer häufiger mit prekären Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

Dabei stünde vor allem Billig-Fleisch in der Kritik: Unter den Dumpingpreisen für Schwein, Rind und Geflügel leideten nicht nur die Tiere. Die Gewerkschaft verweist hierbei auf die Ergebnisse von Schwerpunktkontrollen, die das Land Nordrhein-Westfalen im Oktober 2019 in der Branche durchgeführt habe. Die Beamten hatten die Arbeitsbedingungen von landesweit 17.000 Beschäftigten der Fleischindustrie unter die Lupe genommen. Laut NRW-Arbeitsministerium wurden in 85 Prozent der geprüften Betriebe teils gravierende Verstöße festgestellt – vom fehlenden Arbeitsschutz bis hin zu extremen Arbeitszeiten.

„Unter den katastrophalen Arbeitsbedingungen leiden besonders oft Beschäftigte aus osteuropäischen Ländern wie Bulgarien oder Rumänien. Sie werden mit dem Versprechen guter Löhne gelockt – und hier dann regelrecht ausgebeutet“, sagt Hans-Jürgen Hufer. Der Geschäftsführer der NGG Nordrhein berichtet von gefälschten Stundenzetteln, um unbezahlte Überstunden zu vertuschen, von zugestellten Notausgängen und Unterkühlung in der Fleischzerlegung. „Hinzu kommt, dass vielen Beschäftigten auch noch ein Großteil des Lohns für eine maßlos überteuerte Unterkunft und Verpflegung abgezogen wird.“

Eine Hauptursache für diese Zustände liegt nach Ansicht der NGG im System der Werkverträge. Dabei werde der Mitarbeiter für eine bestimmte Tätigkeit, also etwa die Zerlegung einer festen Menge von Rindern, bezahlt. „Hier ist Missbrauch an der Tagesordnung. In allen Firmen, in denen der Zoll gravierende Verstöße entdeckt hat, kamen auch Werkverträge zum Einsatz“, so Hufer. In Betrieben hingegen, die mit mehr Stammpersonal arbeiteten und sich an Tarifverträge hielten, habe es kaum Beanstandungen gegeben.

Die Gewerkschaft NGG ruft die NRW-Fleischindustrie dazu auf, sich zu Tarif- und Sozialstandards zu bekennen. Die Landesregierung müsse die Branche genau im Blick behalten und Schlachthöfe sowie verarbeitende Betriebe regelmäßig kontrollieren.

„Aber auch die Verbraucher und der Handel sind gefragt. Ein Kilo Hähnchenschenkel für zwei Euro – das geht einfach nicht. Mit solchen Preisen ist keine Arbeit möglich, von der man leben kann. Und erst recht kein Tierwohl“, betont Hufer.

(mtm)