Duisburg: Gewalttätige Autonome stören friedlichen Pegida-Protest

Duisburg: Gewalttätige Autonome stören friedlichen Protest gegen "Pegida"

"Pegida"-Anhänger und Gegendemonstranten gingen Montagabend in Duisburg auf die Straße. Am Bahnhof gelang es nur mit Hilfe der Polizei, gewaltbereite Autonome und Rechte auseinander zu halten. Vier Polizisten wurden dabei verletzt. Vor dem Stadttheater hingegen waren die "Pegida"-Gegner unter sich und lieferten ein beeindruckendes Beispiel für das friedliche Miteinander, das Duisburg seit Jahrzehnten prägt.

Von einem Moment auf den anderen senkte sich die Lautstärke auf dem Vorplatz des Duisburger Stadttheaters, als die Außenbeleuchtung des Gebäudes, wie auch die an vielen anderen in der City, erlosch. "Das ist ein unglaubliches Bild", begrüßte Angelika Wagner, Vorsitzende des DGB-Duisburg, die rund 2000 (schätzt die Polizei) und 4000 Menschen (schätzt der DGB), die mit Trillerpfeifen, farbenfrohen Plakaten und Sprechchören auf sich aufmerksam machten. Sie alle setzten ein friedliches Zeichen. Ein Zeichen für die Vielfältigkeit und die Toleranz ihrer Stadt Duisburg.

Der König-Heinrich-Platz war schwarz vor Menschen, die gegen "Pegida" friedlich protestierten. Foto: Christoph Reichwein

Alle Ereignisse des Abends können Sie hier in unserem Live-Blog nachlesen

Neben verschiedenen Gastrednern waren unter anderem Innenminister Ralf Jäger und Altbürgermeister Josef Krings vor Ort, um ihre Ablehnung gegen die Pegida-Bewegung auszudrücken. Armin Schneider vom Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage unterstrich das Wir-Gefühl: " Die offene, plurale Gesellschaft, in der wir leben, ist es wert, mit allen friedlichen Mitteln geschützt und verteidigt zu werden. Und deshalb stehen wir - gerade jetzt gemeinsam - zusammen."

"Wie dumm kann man eigentlich sein?"

Nahezu symbolisch für die kulturelle Vielfalt Duisburgs stehen die Philharmoniker, die von Mitgliedern aus zahlreichen Nationen bereichert werden. Die musikalische Auswahl des Blechbläserquintetts, die gestern Abend durch die Innenstadt schallte, wurde von Oberbürgermeister Sören Link (SPD) metaphorisch aufgenommen. "Wir blasen der 'Pegida' den Marsch", sagte der 38-Jährige. Zugleich drückte er sowohl Dankbarkeit als auch Stolz für das zahlreiche Erscheinen der Gegendemonstranten aus und versicherte der Pegida absolute Chancenlosigkeit in Duisburg. "Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen", erklärte Link unter langanhaltendem Applaus.

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"Warum ausgerechnet Duisburg, warum ausgerechnet eine Stadt, in der 140 Nationen gemeinsam leben?", fragte Michael Rubinstein, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen, und schob die lautstark bejubelte Frage hinterher: "Wie dumm kann man eigentlich sein?" Sein Unverständnis teilt nicht nur Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbandsgruppe, der verdeutlichte, dass gerade in Duisburger Betrieben die Herkunft keine Rolle spiele und ein friedliches Miteinander Tradition habe. "Gastarbeiter haben ihren Beitrag zu unserem Wohlstand geleistet, von dem wir heute profitieren", sagte Ali Güzel, Mitglied im Betriebsrat von ThyssenKrupp Steel, ehe Erkan Üstünay, Vorsitzender des Integrationsrats, verdeutlichte: "Terrorismus hat keine Religion, keine Nationalität und keine Zukunft."

Das Gemeinschaftsgefühl wurde auch akustisch wahrnehmbar - als Hunderte Gegendemonstranten gemeinsam mit Corby Welch, Tenor an der Deutschen Oper am Rhein und dem Gitarristen Peter Bursch "Blowin' in the wind" von Bob Dylan sangen. "Ein Gänsehautmoment", sagte Angelika Wagner.

Vier Polizisten verletzt

Während Tausende Menschen ein friedliches Zeichen gegen den Pegida-Aufzug setzten, waren etwa 200 Linksautonome für die Gewalt verantwortlich, wie die Polizei mitteilte. Insegsamt wurden vier Polizisten verletzt. Es flogen Böller und Steine. Demonstranten versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen. Ein Mann griff eine Polizistin an, die auf ihren verletzten Kollegen wartete. Nach Angaben der Polizei versammelten sich in Duisburg rund 600 Anhänger der "Pegida"-Bewegung, darunter 250 Hooligans. Von ihrer Seite habe es keine Gewalt gegeben, hieß es.

(RP)