Duisburg - Geschäftsführerin Roselyne Rogg von Behinderten-Werkstatt fristlos entlassen

Skandal um zu hohes Gehalt : Geschäftsführerin von Behinderten-Werkstatt in Duisburg fristlos entlassen

Der Geschäftsführerin der Duisburger Behindertenwerkstatt sollen über Jahre zu hohe Bezüge ausgezahlt worden sein. Das Vertrauensverhältnis zwischen Roselyne Rogg und dem Aufsichtsrat ist zerstört. Der fristlosen Kündigung soll eine juristische Untersuchung folgen.

Der Aufsichtsrat der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (Wfbm) hat Geschäftsführerin Roselyne Rogg am Mittwochabend die fristlose Kündigung ausgesprochen. Das Gremium zieht damit die Konsequenz aus dem Skandal um die möglicherweise überhöhten Bezüge der Geschäftsführerin, mit denen die Verantwortlichen die Gemeinnützigkeit des gesamten Unternehmens und damit Arbeitsplätze aufs Spiel gesetzt haben könnten. Der Aufsichtsrat begründete die Kündigung mit dem „irreparabel gestörten Vertrauensverhältnis“ zur Geschäftsführung.

„Die Wirtschaftsprüfer Vinken, Görtz, Lange und Partner kamen in ihrem Gutachten vom 28. Juni 2018 zu dem Ergebnis, dass ein angemessenes Geschäftsführergehalt für die Wfbm maximal zwischen 150.000 und 180.000 Euro liegen könne“, sagte Thomas Krützberg, Aufsichtsratsvorsitzender der Wfbm. „Das aktuelle Gehalt Roggs, das ohne Kenntnis der Aufsichtsrats ausgezahlt wurde, beträgt jedoch 376.000 Euro und ist damit inakzeptabel.“ Rogg habe auf der von ihr eigenmächtig initiierten Pressekonferenz ihren überzogenen Verdienst auch noch verteidigt und damit ihre persönlichen Interessen über die der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen gestellt. Damit habe sie nicht nur das Vertrauensverhältnis zum Aufsichtsrat und seinen Vorsitzenden, sondern auch das zu ihren Mitarbeitern nachhaltig zerstört. „Uns blieb deshalb keine andere Möglichkeit, als Frau Rogg die fristlose Kündigung und ein Hausverbot auszusprechen“, sagte Krützberg.

Der Wfbm-Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Krützberg (v.l.) trat mit seinen Stellvertretern Dagmar Frochte und Manfred Lücke am Mittwochabend vor die Presse. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Darüber hinaus verwies der Aufsichtsrat in diesem Zusammenhang auf dubiose Umstände im Zuge der Vertragsverlängerung der Geschäftsführerin im Jahr 2013. „Uns liegen Dokumente vor, die den Schluss zulassen, dass dem Aufsichtsrat im Juni 2013 zwar die Vertragsverlängerung zur Unterzeichnung vorgelegt wurde, aber ganz bewusst nicht die zeitgleich unterzeichnete Vergütungsanhebung“, sagte Krützberg. Sachliche Gründe für die Trennung dieser beiden eng miteinander verknüpften Vorgänge seien nicht ersichtlich. Aus diesem Grund müsse der Aufsichtsrat von einem ganz bewussten Verstoß gegen die Statuten der Wfbm ausgehen.

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Um die Vorgänge aufzuklären, will das Aufsichtsgremium nun eine unabhängige Wirtschaftsprüfungskanzlei beauftragen. „Wir wollen, dass die Absprachen zwischen dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden und Frau Rogg auf mögliche Straftatbestände hin überprüft werden“, sagte Krützberg. „Außerdem, und das betone ich ausdrücklich, soll die Möglichkeit überprüft werden, Schadenersatzansprüche für das über die Jahre zu viel gezahlte Gehalt geltend zu machen.“

Die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfmB) in Duisburg Foto: Christoph Reichwein (crei)

Manfred Lücke, der als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender für den Verein für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung, in dem Gremium sitzt, lobte Rogg zwar für ihre Arbeit in den vergangenen Jahren, betonte aber noch einmal, dass die Entscheidung einstimmig gefallen sei: „Angesichts der jüngsten Entwicklungen haben wir keine anderen Möglichkeiten gesehen“, sagte er. Das Geld, das Frau Rogg zu viel als Gehalt ausgezahlt bekommen hat, hätte den Behinderten zugute kommen können.“ Die Vertrauensbasis sei einfach nicht mehr gegeben,

Und wie geht es nun weiter? Die Geschäftsführung der Wfbm wird nun übergangsweise von den beiden Prokuristen der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen übernommen. Eine Stellenausschreibung für den Geschäftsführerposten soll zeitnah veröffentlicht werden.

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