Haus des Jugendrechts in Duisburg geplant „Wichtig ist hier, dass die Strafe auf dem Fuße folgt“

Duisburg · Sie sorgen an Halloween für eine Umleitung von Straßenbahnen in Duisburg, berauben Senioren, prügeln auf Unbeteiligte ein – Jugendkriminalität ist in Duisburg scheinbar allgegenwärtig. Nun soll dafür die beteiligten Behörden zusammenrücken. Was das „Haus des Jugendrechts“ leisten soll.

 Kriminelle Jugendliche trieben auch im Dellviertel ihr Unwesen – bis die Polizei durchgriff.

Kriminelle Jugendliche trieben auch im Dellviertel ihr Unwesen – bis die Polizei durchgriff.

Foto: Alexander Triesch

In Kooperation mit Staatsanwaltschaft und Polizei plant das Jugendamt, ein Haus des Jugendrechts zu errichten, das schon im kommenden Jahr an den Start gehen soll. Das teilte die Stadt jetzt mit. Hierbei handele es sich um einen Ort, an dem Vertretende der Institutionen räumlich eng zusammenarbeiten, um eine noch bessere Koordination und Zusammenarbeit im Bereich der Jugendkriminalität zu gewährleisten.

Der gemeinsame Sitz soll in einem Gebäude gegenüber dem Hauptbahnhof auf der Mercatorstraße sein. In Frage dafür könnte das Hoist-Hochhaus kommen, in dem schon andere Einrichtungen der Stadt angesiedelt sind.

Gleichzeitig ist nach Angaben der Stadt beabsichtigt, hier eine zentrale Anlaufstelle für Jugendliche und junge Volljährige zu schaffen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Betreut werden sie neben Mitarbeitenden des Jugendamtes von Vertretenden der Wohlfahrtsverbände und der angesiedelten Jugendgerichtshilfe.

Durch kurze Wege, intensiven Austausch und die enge Zusammenarbeit werde eine „ganzheitliche Betrachtung“ der Jugendlichen und jungen Volljährigen sowie eine „gezielte Unterstützung“ möglich, heißt es. Die enge Vernetzung vor Ort ermögliche es Polizei und Staatsanwaltschaft, Straftaten junger Menschen schneller aufzuklären, effektiver zu verfolgen und mit abgestimmten jugendrichterlichen Maßnahmen zügig zu ahnden.

„Mir ist es sehr wichtig, dass Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten, passgenaue Hilfestellungen bekommen. Im Haus des Jugendrechts bündeln wir gemeinsam unsere Kompetenzen, um jungen Menschen den Weg in eine bessere Zukunft zu ermöglichen“, so Oberbürgermeister Sören Link.

Das Haus des Jugendrechts werde auch ein Ort, an dem in Kursen gelernt wird, Konflikte konstruktiv zu lösen und Verhaltensweisen zu ändern. Es werde viel Wert auf „Dialog und Mediation“ gelegt, um die Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu unterstützen und sie für zukünftige Herausforderungen zu stärken, teilte die Stadt mit.

Das Ziel sei, nicht nur strafrechtliche Sanktionen zu verhängen, sondern auch präventive Maßnahmen zu entwickeln, um Jugendliche frühzeitig von kriminellem Verhalten abzuhalten. „Alle am Jugendstrafverfahren beteiligte Akteure arbeiten hier Hand in Hand, so dass Verfahrensabläufe und Entscheidungsprozesse verbessert und beschleunigt werden. Jungen Menschen werden so schnell und konsequent die Folgen ihrer Taten vor Augen geführt.“, erklärt dazu die Leitende Oberstaatsanwältin Karin Schwarz.

Polizeipräsident Alexander Dierselhuis sieht das ähnlich: „Wichtig ist hier, dass die Strafe auf dem Fuße folgt. Aber wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass wir auch präventiv tätig bleiben müssen, um Jugendkriminalität effektiv zu bekämpfen. Dabei geht es auch darum, Straftaten von Jugendbanden im öffentlichen Raum zu verhindern.“

Über das Haus des Jugendrechts wird Ende November in der Ratssitzung entschieden. Im Anschluss daran werden Polizei und Staatsanwaltschaft die erforderlichen Entscheidungsprozesse in ihren Ministerien anstoßen.

Man wolle „weder dramatisieren noch bagatellisieren, sondern fokussieren“, heißt es seitens der Polizei. Auf der Homepage der Polizei NRW wird erklärt, worum es dabei gehen soll: „Es geht um eine relativ kleine Anzahl von jungen Menschen, die viele Probleme bereiten, aber auch selbst viele Probleme haben. Die manifestierte Jugendkriminalität ist ein komplexes Phänomen – respektive ein mehr oder weniger eindeutiges Symptom hochdifferenter Ursachen – das nicht alleine durch die Polizei zu lösen ist. Und dieses „Multiproblemmilieu“ ist auch der Grund dafür, dass zur nachhaltigen Bewältigung dieser Aufgabe alle Verantwortungsträger kooperieren müssen - aufgabentreu und rollenklar, aber dennoch eng und vertrauensvoll.“

Die Einrichtung eines Haus des Jugendrechts ist in anderen Städten längst vollzogen. Solche Häuser gibt es bereits in Düsseldorf, Dortmund, Essen, Köln, Paderborn, Münster und Oberhausen.

(mtm)
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